Landesklinikum Waldviertel

Zwettl

Propstei 5
3910 Zwettl
Tel.: 02822/504-0
www.zwettl.lknoe.at

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Das unterschätzte Risiko

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt die Osteoporose (Knochenschwund) weltweit zu den zehn häufigsten und teuersten Volkskrankheiten. In Österreich sind rund 700.000 Personen – nach Schätzungen jede dritte Frau und jeder sechste Mann – von Osteoporose betroffen, Tendenz steigend. Neben dem Leiden der Betroffenen bedeutet dies auch eine enorme Belastung für das Gesundheitssystem, weiß Dr. Edwin Halmschlager, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am LK Waldviertel Zwettl: „Osteoporose-bedingte Knochenbrüche kosten in Österreich pro Jahr 498 Millionen für die Akutversorgung und 1,2 Milliarden Euro für die Nachversorgung. Nichtsdestotrotz wird Osteoporose oftmals unterschätzt und nicht als lebensbedrohlich angesehen.“
Ab etwa dem 30. Lebensjahr bauen unsere Knochen Substanz ab und verlieren dadurch Festigkeit und Belastbarkeit. „Langsam, aber stetig – und oftmals unbemerkt“, warnt Halmschlager. Die Folgen zeigen sich oft erst Jahrzehnte später: Die Knochen brechen bei vergleichsweise kleinen Stürzen oder Verletzungen. Für die Betroffenen bedeutet dies neben Schmerzen auch oft Bettlägerigkeit, die im Alter auch zum vollkommenen Verlust der Mobilität führen kann. Besonders betroffen sind Frauen, weiß Halmschlager: „Bei den über 50-Jährigen sind etwa 30 Prozent betroffen, im Alter von über 80 Jahren gar zwei Drittel. Vier von zehn Frauen erleiden im Laufe ihres Lebens einen Knochenbruch durch Osteoporose. Doch auch Männer sind bedroht.“

Rechtzeitig entgegenwirken

Gesunde Knochen sind kein Geschenk der Natur, betont Primar Halmschlager: „Jede und jeder kann ganz gezielt etwas für die Knochen tun und das Osteoporose-Risiko entscheidend mindern.“ Am wichtigsten sind regelmäßige und tägliche Bewegung, um den Bewegungsapparat zu stärken und weniger empfindlich zu machen. Außerdem wichtig: eine gesunde, ausgewogene Ernährung, bei der die wichtigen Knochenbausteine nicht zu kurz kommen: Kalzium (z. B. in Milchprodukten, grünem Gemüse wie Brokkoli, Lauch, Kohlrabi und in kalziumreichem Mineralwasser) und Vitamin D (z. B. Milch, Eier und Fisch, wichtig ist auch Sonnenlicht!).

 

Text: Roland Goiser

Rat vom Experten

Die häufigsten Fragen zum Thema Osteoporose beantwortet Dr. Edwin Halmschlager, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am LK Waldviertel Zwettl.

 

G+L: Was bedeutet die Diagnose „Osteoporose“?
Halmschlager: Osteoporose bedeutet immer, dass im Körper mehr Knochenmasse abgebaut als neu eingelagert wird. Die Knochen verlieren unbemerkt an Festigkeit, werden porös und können leichter brechen – auch bei relativ „kleinen“ Stürzen. Vor allem ältere Menschen plagen sich mit Schmerzen und Bettlägerigkeit, im hohen Alter oft auch dauerhaft.

G+L: Wer ist gefährdet?
Halmschlager: Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung im höheren Lebensalter. Mehr als drei Viertel aller Erkrankungen treten bei Frauen nach den Wechseljahren auf. Neben erblicher Veranlagung und Alter sind bestimmte Risikofaktoren für Osteoporose bekannt, z. B. falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Kalziummangel, Alkohol, Rauchen sowie bestimmte medikamentöse Therapien.

G+L: Wie macht sich Osteoporose bemerkbar?
Halmschlager: Der Abbau von Knochenmasse verursacht an sich keine Symptome – und damit zunächst auch keine Schmerzen. Oft deutet ein Knochenbruch als erstes Anzeichen auf eine Osteoporose hin. In vielen Fällen sind Speiche, Rippen, Oberarm, Becken und Oberschenkelhals betroffen.

G+L: Welche Vorsichtsmaßnahmen können Betroffene beachten?
Halmschlager: Wer Osteoporose hat, muss Stürze und Verletzungen soweit wie möglich vermeiden. 80 Prozent davon passieren in den eigenen vier Wänden. Deshalb ist es wichtig, „Stolperfallen“ zu beseitigen, z. B. durch Halterungen im Badewannen- oder Duschbereich, Geländer an Treppenaufgängen, eine gute Ausleuchtung des Wohnbereichs und keine Teppiche und Läufer hinzulegen. Empfehlenswert sind auch zweckmäßige, flache Schuhe mit rutschfester Sohle.

G+L: Kann man einer Osteoporose vorbeugen?
Halmschlager: Je fester die Knochen in jungen Jahren sind, umso langsamer verläuft der Abbauprozess. Gezielt entgegenwirken kann man außerdem durch einen gesunden Lebensstil, vor allem mit knochenfreundlicher Ernährung (reich an Kalzium und Vitamin D) und regelmäßiger und täglicher Bewegung. Außerdem hält die Medizin mittlerweile eine ganze Reihe von wirksamen Medikamenten bereit.

Termine

Mehr über die Diagnose, Behandlung und Vorbeugung von Knochenschwund erfahren Sie bei den kommenden Terminen des Vortrags „Osteoporose – das unterschätzte Gesundheitsrisiko“ von Primar Dr. Edwin Halmschlager:

  • 13.05. LK Lilienfeld
  • 17.06. LK Mistelbach