Landesklinikum Thermenregion

BADEN

Leberambulanz
Wimmergasse 19
2500 Baden
Tel.: 02252/205-401
www.baden.lknoe.at

Landesklinikum Wr. Neustadt

Chirurgische Ambulanz, Leberambulanz
Corvinusring 3 –5
2700 Wiener Neustadt
Tel.: 02622/321-2341
(oder DW -2343, -2344, -2345)
www.wienerneustadt.lknoe.at

Prim. Univ.-Doz. Dr. Johann Pidlich, ärztlicher Direktor des LK Thermenregion Baden-Mödling: „Ein erhöhter Leberwert oder eine plötzlich auftretende Gelbsucht ist bereits ein deutlicher Hinweis auf eine Lebererkrankung.“
„Können wir den Tumor operieren, haben die Betroffenen die besten Prognosen.“

Chemiekraftwerk & Steuerzentrale

Sie ist rund um die Uhr hochaktiv und erfüllt ganz unauffällig mehr als 700 lebenswichtige Funktionen. Dass mit unserer Leber etwas nicht stimmt, merkt man erst, wenn es weh tut. Grund genug, unser fleißigstes und schwerstes Organ im Auge zu behalten.

Hätten wir sie nicht, wären wir um etwa 1,5 Kilo leichter – auf die lebenswichtige Funktion dieses Mini-Chemiekraftwerks könnten wir jedoch nicht verzichten. Die Leber, unser größtes Organ, besteht aus zwei verschieden großen Lappen, ist hochaktiv und an einer Reihe von Vorgängen im Körper beteiligt – von der Immunabwehr, über die Wundheilung bis zur Steuerung unserer Libido. Sie liegt zum Großteil im rechten Oberbauch. Die Leber und die viel kleinere Gallenblase sind umgeben von einer Kapsel aus Bindegewebe und vom Bauchfell. Diese Bereiche sind gut mit Nerven versorgt und deshalb sehr schmerzempfindlich.

Hochkomplizierter Umbauprozess

Unsere Nahrung wählen wir mit Sorgfalt aus und achten auf ausgewogene Nährstoff- und ausreichende Energiezufuhr. Was der Körper jedoch aus all den „gesunden Bausteinen“ macht, das ist im Wesentlichen von der Leber abhängig. Sie ist eine Art „High-Tech-Organ“, das mit verschiedenen chemischen Zyklen und Prozessen dafür sorgt, unsere Nahrung in speicherbare Bestandteile umzuwandeln. Dies schafft die Leber beispielsweise mit Hilfe der Galle, in der die Gallenflüssigkeit produziert wird. Diese ermöglicht es erst, Fette aufzuspalten und sie in einen für den Organismus verwendbaren Zustand zu bringen. An diesem komplizierten Prozess ist das Blut wesentlich beteiligt.
Mit Blut versorgt wird die Leber auf zwei Wegen: Die Leberarterie bringt sauerstoffreiches Blut. Durch die Pfortader strömt sauerstoffarmes, aber energiereiches Blut mit den aus der Nahrung aufgenommenen Nährstoffen aus dem Darm.
In der Leber laufen alle Stoffwechselprozesse ab, wie etwa der Fett-, der Kohlenhydrate- oder der Aminosäure-Stoffwechsel. Nehmen wir etwa durch eiweißhaltige Nahrung Aminosäuren auf, entsteht bei deren Abbau Ammoniak – ein Giftstoff, der vor allem das Gehirn schädigen kann. Daher baut die Leber das Ammoniak sofort um: Durch den „Harnstoffzyklus“, einen komplizierten chemischen Kreislauf, entsteht ungefährlicher Harnstoff, der über die Niere im Urin ausgeschieden wird.

Energie-Spender

Für körperliche Anstrengungen, fürs Denken und Handeln brauchen wir Energie. Der Körper bekommt sie aus den Kohlenhydraten, die wir essen (z. B. aus Brot und Nudeln). Die Kohlenhydrate werden im Darm in kleine Teilchen zerlegt und in Glucose (Blutzucker) umgewandelt. Braucht der Körper im Moment gerade nicht so viel Energie, speichert er diesen Blutzucker in der Leber – als „Notration“ für schlechte Zeiten. Die Leber kann Glucose auch aus anderen Nahrungsbestandteilen herstellen. Sie speichert wichtige Nährstoffe, wie z. B. Zucker und Vitamine, und versorgt die übrigen Organe und Zellen des Körpers, wenn sie es brauchen.
Energie gewinnt die Leber auch aus Fetten – sie werden gespeichert, aus ihnen werden später beispielsweise Cholesterin oder Gallensäure gebildet. 

Alles unter Kontrolle

Eigentlich müsste unser Blutzuckerspiegel extrem schwanken, etwa wenn gestern eine kräftige Suppe, Schnitzerl mit Salat, Topfenpalatschinken und Kaffee mit Schlag auf dem Ernährungs-Programm standen, heute dagegen Gemüsesuppe, Salat und Fruchtteller. Um trotz unterschiedlicher Nahrungszufuhr den Blutwert konstant zu halten, schaltet sich die Leber als „Kontrollorgan“ dazwischen. Das ist nötig, denn nur wenn das Blut in seiner chemischen Zusammensetzung immer annähernd gleich bleibt, können die Hirnfunktionen ungestört und gleichmäßig ablaufen. Bei starken Veränderungen in der Blut-Zusammensetzung kann es zu psychischen oder geistigen Ausfallserscheinungen oder zu Verhaltensstörungen kommen.

Fleißig und unermüdlich

Entgiften, speichern, kontrollieren – unsere Leber arbeitet unermüdlich und ist viel beschäftigt. Als größte Drüse unseres Körpers produziert sie etwa 600 ml Gallensaft pro Tag. Durch diese Flüssigkeit können umgebaute Giftstoffe, Schlackenstoffe und andere Abbauprodukte mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Die Leber erkennt und schützt uns auch vor feindlichen Eindringlingen, wie Viren, Bakterien und sogar Tumorzellen, und ist wichtiger Partner in punkto Immunabwehr.

Wenn die Leberwerte erhöht sind

Dass die Leber gut funktioniert, ist für uns meist eine Selbstverständlichkeit. Erst ein erhöhter Leberwert rüttelt auf. Prim. Univ.-Doz. Dr. Johann Pidlich, ärztlicher Direktor des Landesklinikums Thermenregion Baden-Mödling und Vorstand der Internen Abteilung Baden, erklärt: „Ein erhöhter Leberwert oder eine plötzlich auftretende Gelbsucht (Ikterus) ist bereits ein deutlicher Hinweis auf eine Lebererkrankung.“ Im Landesklinikum Baden können sich Betroffene auch in der Leberambulanz untersuchen, beraten und therapieren lassen. „Heute ist ein Großteil der Lebererkrankungen durch den Lebensstil bedingt: Übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht und Ernährungsfehler sind die häufigsten Ursachen.“
Etwa ein Drittel aller Österreicher ist übergewichtig und hat daher ein erhöhtes Risiko, eine „Fettleber“ zu entwickeln: „Eine gesunde Leber enthält etwa drei bis vier Prozent Fett, eine Fettleber 70 bis 80 Prozent. Schlimm und wirklich gefährlich wird es, wenn eine Entzündung dazukommt, eine so genannte Fettleber-Hepatitis.“ Gewichtsreduktion, Verzicht auf Alkohol und eine gesunde Ernährung sind die Basis für eine erfolgreiche Therapie. In dieser Phase können auch Medikamente helfen. Schlimmstes und letztes Stadium bei unbehandelten Lebererkrankungen ist eine Zirrhose, sie ist nicht heilbar.

Gefährliche Zirrhose

Um das Überleben zu sichern, arbeitet die Leber mit allen ihr möglichen Mitteln. Bei Alkoholmissbrauch etwa versucht sie, das Zuviel an Alkohol mit zusätzlicher Energie abzubauen. Dadurch vernachlässigt sie jedoch den Fettabbau. Bei chronischem Alkoholmissbrauch sinkt die Regenerationsbereitschaft der Leber drastisch: Durch die stetige Alkoholzufuhr werden die Leberzellen „überreizt“, entzünden sich langsam und werden zerstört. Dann verhärtet sich die Leber und schrumpft bis zum Stadium der Zirrhose. Auch eine chronische Hepatitis, Autoimmunerkrankungen oder Speichererkrankungen können im schlimmsten Fall zu einer lebensgefährlichen Zirrhose führen.

Vorsicht: Ansteckend!

Viele kennen die Gefahr, überspielen sie jedoch gekonnt: Hepatitis, eine Entzündung der Leber, ist gefährlich. Gegen Hepatitis A und B gibt es heute eine wirksame Impfung. Mit einer Hepatitis-B-Impfung kann man sogar dem Leberkrebs vorbeugen, denn die häufigste Begleiterscheinung einer Hepatitis B ist das so genannte Hapatom, eine bösartige Form von Leberkrebs. Wer geimpft ist, minimiert dieses Risiko.
Im Gegensatz zu Hepatitis A und B gibt es gegen das Hepatitis-C-Virus noch keine wirksame Impfung. Weltweit leiden etwa 170 Millionen Menschen an dieser chronischen Virus-Infektion, die Dunkelziffer ist hoch. Pidlich weiß: „In Österreich dürfte es mindestens 100.000 Betroffene geben.“ Das Virus wird in erster Linie durch infiziertes Blut übertragen, Drogenkonsumenten gelten als Hochrisikogruppe. Das Virus kann man sich auch bei Sexualkontakten holen; Tattoos und Piercings sollte man nur in Studios machen lassen, die den Hygieneanforderungen entsprechen. Hepatitis C verläuft fast immer chronisch, die Infektion bleibt in der Regel lebenslang bestehen.
Nur jeder zehnte Betroffene entwickelt eine akute Hepatitis C – doch meist wird die Erkrankung sehr spät erkannt. Gegen Hepatitis B und C gibt es heute bereits gute Therapien, so etwa mit Interferon und einem Virostatikum, also einer virenhemmenden Substanz.

Chirurgische Interventionen

Um bei verschiedenen Krebserkrankungen rund um Leber und Bauchspeicheldrüse eine medizinisch adäquate Versorgung zu garantieren und um am Puls der Wissenschaft zu bleiben, hat Prim. Univ.-Doz. Dr. Friedrich Längle, Vorstand der Chirurgischen Abteilung am Landesklinikum Wiener Neustadt, vor drei Jahren die Leberambulanz gegründet. Dieses Zentrum behandelt beispielsweise Menschen mit gutartigen Tumoren, wie etwa Zysten, Adenomen oder FNH (Fokal Noduläre Hyperplasie), und mit bösartigen Erkrankungen der Leber.
In der Medizin hat sich bei Diagnose und Therapie in den letzten Jahren vieles verändert. Heute sind die technischen Leistungen von Magnetresonanz-, Nuklearmedizin- oder Computertomographie-Verfahren hervorragend – selbst die kleinste organische Veränderung ist dadurch diagnostizierbar. Bei bösartigen Erkrankungen unterscheiden Mediziner zwischen primären Tumoren und Lebermetastasen, die unterschiedlicher Behandlungskonzepte bedürfen.
Wichtigste Herausforderung am Zentrum in Wiener Neustadt ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb eines so genannten „Tumor-Boards“.
Gemeinsam mit Onkologen, Gastroenterologen bzw. Hepatologen, Strahlentherapeuten und Pathologen werden zum Wohle des Patienten Gesamtkonzepte erstellt, die individuell auf den Menschen und seine Erkrankung zugeschnitten sind. Längle: „Wir führen pro Jahr 50 Operationen im Bereich Leber- und Bauchspeicheldrüsen-Karzinome durch – mit Hilfe neuester Techniken.“ Während bei gutartigen Tumoren je nach Beschwerden und medizinischer Prognose häufig nicht operiert werden muss, zielt die Therapie bei bösartigen Tumoren darauf ab, den Tumor in ein operables Stadium zu bringen. „Können wir den Tumor operieren, haben die Betroffenen die besten Prognosen“, weiß Längle.

Vorsorgend leben

„Rechtzeitig an die Leber denken“, lautet daher die Botschaft von Pidlich. Eine Untersuchung der Leber umfasst eine ausführliche Anamnese sowie eine klinische Untersuchung, ebenso können auch eine Blutuntersuchung und eine Sonographie der Leber Aufschluss über möglich vorliegende Erkrankungen geben.
So etwa sind Laborwerte wie Bilirubin, Transaminasen (GOT/GPT), Gamma-GT, Alkalische Phosphatase oder Serum-Cholinesterase, Blutgerinnungswerte und Blutbild wichtige Parameter,
die in ihrem Zusammenspiel ein gutes Gesamtbild über den Gesundheitszustand der Leber geben.

 

doris simhofer

Tumor-Therapie

Für die Therapie bösartiger Tumore gibt es drei Möglichkeiten, weiß Prim. Univ.-Doz. Dr. Friedrich Längle, Vorstand der Chirurgischen Abteilung am Landesklinikum Wiener Neustadt: die Operation, eine Chemotherapie oder eine Kombination aus beiden Varianten. Mit operativen Therapie-Verfahren wie Thermoablation oder Chemoembolisation können individuelle Therapie-Konzepte erstellt werden.  Am häufigsten werden heute kombinierte Verfahren angewendet, mit Chemotherapie und Operation: „Die EORTC-Studie (European Organisation for Research and Treatment of Cancer, groups.eortc.be/qol) hat gezeigt, dass die Überlebensrate damit deutlich höher ist. Die Studie wurde bei Betroffenen mit Lebermetastasen durchgeführt, um den Effekt einer Kombinationstherapie von Chirurgie und Chemotherapie zu messen.“
Die Radiofrequenzablation ist eine relativ neue komplementäre Methode, bei der der Tumor lokal zerstört wird: Eine Nadelelektrode in der Größe eines Bleistiftes wird dabei über die Haut am Tumor platziert. Durch den Energiefluss entsteht Hitze, die das Tumorgewebe zerstört. Dieses Verfahren wird noch evaluiert. Auch die Chemoembolisation ist eine lokale, ergänzende minimal-invasive Therapie, erklärt Längle: „Ein Kontrastmittel macht die Leberarterie und das den Tumor durchblutende Gefäß sichtbar,  sodass wir ein Chemotherapeutikum in den Tumor spritzen können, das das Wachstum der bösartigen Zellen hemmt.“ Vor allem bei Lebermetastasen hilft SIRT (Selective Internal Radiation Therapy): Eine radioaktive Substanz wird direkt in die leberversorgenden Gefäße eingebracht. Dadurch werden Tumore einer lokal hohen Strahlendosis ausgesetzt und gleichzeitig Tumorgefäße verschlossen.
Die Prognosen bei operablen Tumoren sind also gut, weiß Längle: „Es hat sich gezeigt, dass Erkrankungen der Leber heute bei vielen Menschen nicht nur gut behandelbar, sondern vielfach sogar heilbar sind.“