GEBURT

Prim. Dr. Peter M. Hauer, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, und seine Ärztinnen und Ärzte halten sich bei den Geburten im Hintergrund bereit, falls sie gebraucht werden. Und sie holen die Kaiserschnitt-Babys auf die Welt. Die leitende Hebamme Susan- ne Kunzlik und Stationsleitung DGKP Heidi Feilacher sind stolz darauf, dass die Kreißzim- mer Sicherheit und Wärme vermitteln. Und fast alle Zimmer der Station eignen sich als Fa- milienzimmer, in die Papa und Geschwister mitaufgenommen werden können.

Hebamme Anna Eulenstein und Hebamme Karin Unger-Wennesz mit der Geburts-Bade- wanne in der BabyVilla Klosterneuburg

Das Wunder der Geburt liegt in den Händen der Hebammen. Ärztinnen und Ärzte stehen

bei Bedarf bereit. Gebärende und Babys sind bestens umsorgt.

Konstanze Göschl und Tochter Leonie, die am 1. April zur Welt kam, fühlen sich richtig wohl und gut betreut in der Geburtenstation.

Kinderschwester Silvia Lichtenberger steht den Müttern immer für Fragen zur Verfügung.

Wenn gerade kein Baby kommt, erledigen die beiden Hebammen Anna Eulenstein und Ka- rin Unger-Wennesz die diversen administrativen und organisatorischen Aufgaben.

Die Familie des kleinen Kavin Karthik stammt aus Indien, Vater Sundaram arbeitet seit zehn Jahren bei Raiffeisen International im EDV-Bereich, derzeit nach Jahren in Schweden nun in Wien. Gemeinsam mit dem neugeborenen Sohn wohnen sie jetzt im Familienzimmer, bis Mama Kavitha nach Hause gehen darf. Für Tochter Neha ist diese Zeit in der neuen Rolle als große Schwester etwas ganz Besonderes: Mama und Papa sind rund um die Uhr bei ihr und können sie ganz normal betreuen.

Ob normale Geburt oder Kaiserschnitt-Baby: Während sich die Mama von der Geburt erholt, nützen Papa und Kind das Tepidarium, um zu kuscheln und einander in Ruhe kennenzuler- nen.

Fotos: Nadja Meister

Teamwork für das Leben

In der BabyVilla in Klosterneuburg steht ein kompetentes Team von Hebammen, Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften bereit, um neue Erdenbürger rund um die Geburt zu begleiten.

Die Wüste mit dem Mountainbike durchqueren, dem Vulkan in den Krater schauen oder im zugefrorenen See tauchen – derartige Extremer- lebnisse gelten als größte Abenteuer auf unserer Erde. Nicht weniger aufregend ist die Geburt eines Kindes: Die werdende Mutter freut sich darauf, dieses kleine Wesen, das in ihrem Bauch herangewachsen ist, nun zur Welt zu bringen. Ein echtes Abenteuer, auch wenn es in Niederösterreich pro Tag im Durchschnitt 48 Mal geschieht. 48 Mal pro Tag wird in unserem Bundesland nicht nur ein neuer Mensch ge- boren; die Frau wird zur Mutter, der Partner zum Vater und ein schon vorhandenes Kind zur großen Schwester oder zum großen Bruder.


Geborgenheit & Sicherheit

Jede Geburt ist auch die Geburt einer Familie oder einer erweiterten Familie in neuer Konstellation. Gut, wenn man dafür einen Ort der Ge- borgenheit und Sicherheit findet, wie zum Beispiel die Geburtenstation BabyVilla im Landesklinikum Klosterneuburg. Hier ist für alles bes- tens gesorgt:

Tatkräftige, engagierte Hebammen begleiten die Mütter durch den Geburtsprozess. Ärztinnen und Ärzte stehen jederzeit bereit – falls sie gebraucht werden sollten. Kinderpflegekräfte und allgemeine Pflegekräfte kümmern sich rund um die Uhr um Mütter und Kinder. Aus dem Universitätsklinikum Tulln mit dazugehöriger Neonatologie kommen Kinderärztinnen und -ärzte zu Visiten und Untersuchungen bei den Neugeborenen. 650 bis 700 Kinder pro Jahr erblicken in der BabyVilla das Licht der Welt, im Schnitt zwei pro Tag.


Geheimnisvoller Start

Das Schöne an diesem unglaublichen Wunder der Geburt: Wir Menschen sind dafür bestens gerüstet. Das bestätigt auch das Team in Klosterneuburg: Meistens läuft alles problemlos. Seit 40 Wochen wächst das Baby im Idealfall geborgen heran, seit 28 Wochen sind be- reits alle Organe fertig angelegt. Nun starten Mutter und Kind auf geheimnisvolle Weise, die noch immer nicht ganz entschlüsselt ist, in den komplexen Prozess der Geburt. Das Bindungshormon Oxytocin und ein ganzer Cocktail anderer Botenstoffe spielen dabei eine Rolle. Das Baby macht sich auf den Weg und der weibliche Körper ermöglicht durch die Wehen, dass sich das Baby durch Becken und Vagina auf die Welt schieben kann.


Gute Vorbereitung

Idealerweise hat sich die werdende Mutter gut auf dieses Abenteuer vorbereitet, gemeinsam mit dem Vater oder einer anderen vertrauten Person, die sie bei der Geburt begleiten wird. Im Landesklinikum Klosterneuburg etwa geht das im Mütterstudio, das im Haus unterge- bracht ist: Hier gibt es Geburtsvorbereitungskurse und vieles mehr. Im Rahmen eines wöchentlichen Infoabends besuchen Schwangere auch Kreißsäle und  die Familienzimmer.

Beim Vorbereiten hilft eine Neuerung im Mutter-Kind-Pass, der die Mutter und das Kind vom Beginn der Schwangerschaft bis zum fünften Lebensjahr des Kindes begleitet: Zwischen 18. und 22. Schwangerschaftswoche ist die Beratung durch eine Hebamme vorgesehen (siehe Infokasten Seite 09). Gerade in diesen Wochen spüren Mütter erstmals die Bewegung des Ungeborenen in ihrem Bauch.




Wenn die Wehen kommen

Wenn alles in Ordnung ist, kommen Schwangere ab der 38. Woche regelmäßig zur Kon- trolle in die Geburtenstation. Am CTG lässt sich ablesen, wie es dem Baby geht und ob sich eventuell schon Wehen zeigen. Bei diesen Kontrollterminen wird auch der Mutter- mund untersucht und die Lage des Babys überprüft. Wenn es richtig liegt, steht einer normalen Geburt nichts im Wege. Bei diesen Kontrollen bekommt die Mutter individuelle Informationen, wie es weitergeht, was beispielsweise bei einem Blasensprung zu tun ist und wann genau sie ins Klinikum kommen soll. Auf Wunsch der Mutter können Vater und Geschwisterkinder ein Familienzimmer beziehen.


Guter Rahmen auch bei Kaiserschnitt

Im OP darf bei einem Kaiserschnitt meist auch eine Begleitperson anwe- send sein, um die Mutter zu entlasten und die kleine Erdenbürgerin, den kleinen Erdenbürger zu empfangen. Für das Neugeborene ist es wunder- bar, wenn der Papa bereitsteht: Nachdem die Mutter ihr Baby im Arm ge- halten hat und nach der Kaiserschnitt-Geburt im OP fertig versorgt wird, muss das Baby nicht auf den wichtigen Hautkontakt verzichten. Neugebo- renes und Papa kuscheln im warmen Tepidarium, so fühlt sich das Kleine wunderbar willkommen. Auch Papa Sundaram hat den kleinen Kavin Kar- thik gleich in Empfang genommen und ist mittlerweile schon geübt  beim Wickeln und Anziehen.

Der natürlichen Geburt wird in Klosterneuburg der Vorzug gegeben. Nur bei medizinischer Notwendigkeit wird ein Kaiserschnitt durchgeführt.  Bei einem Kaiserschnitt steht sicherheitshalber immer ein Kinderarzt aus dem Universitätsklinikum Tulln im OP bereit.


Was die Schwangere will

Ist alles in Ordnung, kommt die Schwangere mit der Begleitperson in die BabyVilla, wenn die Wehen bereits regelmäßig und kräftig sind. Wenn die Frau möchte, kann sie sich auch von einer Wahlhebamme zur Geburt be- gleiten lassen. „Diese Hebammen sind mit den Abläufen auf der Station bestens vertraut und haben einen Vertrag mit dem Landesklinikum“, be- richtet die leitende Hebamme Susanne Kunzlik: „Wahlhebammen und an- gestellte Hebammen arbeiten Hand in Hand. Ein tolles Angebot für die Frauen.“

Wie genau sich Wehen und Geburt entwickeln, ist höchst individuell. In der Eröffnungsperiode begleitet die Hebamme die Schwangere mit Erfahrung und Wissen. Welche Position tut gerade gut? Was braucht die Frau, um sich gut auf die Wehen einzulassen? Eine sanfte Rückenmassage vom Partner? Ein warmes Kirschkernkissen? Aromaöldüfte? Homöopathische Unterstützung? Frauen dürfen jede Gebärposition einnehmen, die ihnen gut tut. Das ermöglichen ein rundes Geburtsbett, Sitzbälle, Sprossenwän- de, Gebärhocker und die sonnengelbe große Badewanne.


Hilfe bei zu großen Schmerzen

Werden die Wehen zu schmerzhaft, setzt eine Anästhesistin, ein Anästhesist auf Wunsch einen sogenannten Kreuzstich. Eine Epiduralan- ästhesie ist bei Kaiserschnitten übrigens in 99 Prozent der Fälle in Klosterneuburg Standard. Nur bei Notfall-Kaiserschnitten kann eine Vollnarkose nötig sein. So kann die Mutter trotz Operation ihr Baby sofort begrüßen. Bei der vaginalen Geburt ist der Kreuzstich nur selten nötig. Er schadet dem Baby nicht, sondern hilft der Mutter, mit den Wehen besser zurechtzukommen und sich zu entspannen. Hebammen kennen aber auch viele andere Methoden, damit Mütter gut mit den Wehen zurechtkommen.


Die Presswehen

Ist der Muttermund ganz offen, beginnt die sogenannte Austreibungsphase mit den Presswehen. Während die Frau die bisherigen Wehen nur „veratmen“ konnte, darf sie jetzt richtig mitarbeiten und mit den Wehen pressen, um das Kind zu gebären. Gerade jetzt ist die umsich- tige Begleitung durch die Hebamme gefragt.

Dann geht es plötzlich ganz schnell, und das Baby, das die Mutter schon so lange „unter dem Herzen“ getragen hat, ist plötzlich da. Was man im Ultraschallbild sehen konnte, gibt es jetzt live und in Farbe. Und bald auch mit Ton, wenn das Baby seine ersten Atemzüge macht und sich ob der ungewohnten Umgebung lauthals meldet. Eine kurze Kontrolle, dann darf das Baby zur Mama, Haut an Haut. Jedes Mal ein Wunder, diese ersten Momente mit dem Neugeborenen.


Abnabeln & ankommen

Bald ist es Zeit, die Nabelschnur zu durchtrennen, die das Baby noch mit der Plazenta verbindet, über die es die letzten neun Monate mit allem Lebenswichtigen versorgt wurde. Den Schnitt kann der Vater übernehmen. Die Aufgabe der Plazenta ist nun beendet, sie wird mit einer Nachwehe geboren. Sollte eine Geburtsverletzung vorliegen, wird diese versorgt. Und dann gilt es nur mehr, dieses Wunder der Ge- burt zu ehren und wertzuschätzen. Das Baby versucht bald an der Brust zu saugen – die wertvolle Vormilch gibt ihm nun, was es braucht. Jetzt beginnt die wunderbare Phase des Kennenlernens und Staunens. Das Abenteuer ist bestanden. Ein neuer Mensch geboren. Ein neues Leben beginnt.


Riki Ritter-Börner

Beruf Hebamme


Hebammen lernen ihren Beruf in einem sechssemestrigen Bachelor-Studium in einer der sieben Fachhochschulen, die dieses Studium anbieten. Die wissen- schaftlich fundierte, fachpraktische Ausbil- dung bereitet auf die Tätigkeit vor. Heb- ammen arbeiten in Krankenhäusern oder als freie Hebammen.

Kostenlose Hebammenberatung

im Mutter-Kind-Pass


Der Wunsch, eine Hebamme zu Rate zu ziehen, kann schon bei Fragen der Familienplanung und des Kinder- wunsches beginnen. Beim Hebammengespräch im Mut- ter-Kind-Pass können Schwangere zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche eine kostenlose Hebammen- beratung in Anspruch nehmen und früh mit einer Hebam- me in Kontakt treten. Das Gespräch ist ein zusätzliches beratendes Angebot zu den ärztlichen Vorsorgeuntersu- chungen. Es geht dabei um Themen wie die Wahl des Ge- burtsortes, Ernährung und Bewegung in der Schwanger- schaft sowie Informationen über gesundheitsförderndes und präventives Verhalten.

Nach der Entlassung aus dem Klinikum haben Mutter und Kind einen Anspruch darauf, dass eine Hebamme sie im häuslichen Wochenbett besucht.

Alles rund um die Geburt: www.hebammen.at

Wo kann man mit dieser Ausbildung arbeiten?

-Krankenanstalten

-Pflege- und Betreuungszentren

-Arztpraxen und Gruppenpraxen

-Bereich der Hauskrankenpflege

Landesklinikum

Klosterneuburg

Kreutzergasse 12-14

3400 Klosterneuburg

Tel.: 02243/9004-0

www.klosterneuburg.lknoe.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018