AUGEN-OP

FotoS: Nadja Meiste- r


Prim. Dr. Andreas Kölbl operiert Johann Rößl

DGKP Barbara Leidenfrost überprüft die Daten des Patienten- .


DGKP Eva Anibas leitet das OP-Assistenz-Team.

Alles wieder klar!

Immer mehr Menschen benötigen eine Operation des Grauen Stars. In der neuen Augen- Tagesklinik des Landesklinikums Gmünd werden sie bestens versorgt.

Prim. Dr. Andreas Kölbl, Vorstand der Augenabteilung im Landesklinikum Horn und Leiter der Augen-Tagesklinik im Landesklinikum Gmünd

Seit zwei Jahren hat Johann Rößl aus der Gemeinde Rapottenstein „Probleme mit den Augen“. Der ältere Herr sieht die Welt ver- schwommen und wie unter einem Grauschleier. Die fachärztliche Untersuchung ergab die Diagnose Katarakt, besser bekannt unt- er dem Namen Grauer Star. Damit ist Herr Rößl ein typischer Katarakt-Patient, denn die stark beeinträchtigende Augenerkrankung kan- n zwar viele Ursachen haben; in den allermeisten Fällen aber ist es das Altern der Linse, die sie trüb werden lässt. Das gesehene Bil- d verliert immer mehr an Schärfe.


Fast alle Älteren betroffen

Betroffen sind mehr als 90 Prozent aller über 65-Jährigen, und so verwundert es nicht, dass an den Kliniken Niederösterreichs rund 12.000 Mal pro Jahr eine Katarakt-Operation durchgeführt wird. Fast 5.000 dieser medizinischen Eingriffe leistete bisher die Augen- abteilung des Landesklinikums Horn. Doch seit Juni dieses Jahres gibt es eine Kooperation zwischen der Augenabteilung in Horn und der neuen Augen-Tagesklinik im Landesklinikum Gmünd: Seither können Patientinnen und Patienten auch dort auf höchstem medizinischen Niveau „ihre“ Katarakt-Operation durchführen lassen, und die Wartezeit auf den Eingriff wird damit erheblich verkürzt. Voruntersuchungen hat Johann Rößl – wie in diesem Kooperationskonzept vorgesehen – an der Augenambulanz des Landesklini- kums Horn hinter sich gebracht, jetzt geht es nur mehr um ein paar Minuten, denn gleich wird er in den OP-Saal gebracht. Er hat ke- ine Angst, denn er weiß, er ist in besten Händen. Prim. Dr. Andreas Kölbl, Vorstand der Augenabteilung im Landesklinikum Horn und Leiter der neuen Augen-Tagesklinik in Gmünd, wird den Eingriff durchführen. Der erfahrene Augenspezialist kommt neben weiteren Fachärzten alle zwei Wochen nach Gmünd und operiert dort täglich zwischen acht und zehn Patienten. Johann Rößl wurde an die- sem Tag von der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin Barbara Leidenfrost fachgerecht und einfühlsam vorbereite- t.


Ablauf der Operation

Das Team des OP-Saals ist bereit, der Patient wurde mit speziellen Augentropfen lokal betäubt, jetzt geht es darum, die getrübte Lin- se zu entfernen und stattdessen eine Kunstlinse in das Auge einzusetzen. Konzentriert blickt Andreas Kölbl durch das Mikroskop und öffnet mit einem millimeterkleinen Schnitt das Auge am Hornhautrand. Die trübe Linse wird mithilfe eines Ultraschallgeräts zerkleinert und danach durch diese minimale Öffnung abgesaugt. „Alles in Ordnung, Herr Rößl?“, fragt der Primar. „Mir geht es gut“, ist die An- twort. In der Zwischenzeit hat die OP-Assistenz schon die künstliche Linse in der passenden Stärke vorbereitet, und der Primar im- plantiert die neue, noch gerollte Linse aus Acryl, die sich durch die Wärme der Augenflüssigkeit entfaltet, steif wird und sich schlie- ßlich verspreizt. Das alles hat in etwa zehn Minuten Zeit in Anspruch genommen, nun wird dieselbe Prozedur am zweiten Auge durch- geführt. Nach einer knappen halben Stunde wird Johann Rößl aus dem OP-Saal in ein Patientenzimmer gebracht, wo er noch etwa eine Stunde von Barbara Leidenfrost betreut wird. Sie fragt ihn nach Schmerzen und klärt ihn auf, was er in den nächsten Tagen zu beachten hat, doch es gibt keine nennenswerten Probleme- .

Auch Primarius Kölbl ist zufrieden. Die Standard-Operation ist bestens verlaufen, die Prognose für Johann Rößl ist wie für die aller- meisten Patientinnen und Patienten nach dem Eingriff sehr gut. „Nach einer Katarakt-Operation ist das Sehvermögen weitgehend wieder hergestellt, und die neu gewonnene gute Sicht bleibt in der Regel sehr lange sehr gut erhalten“, sagt er und berichtet auch von bildenden Künstlern, die er so operiert hat und die dadurch die Farben der Welt wieder neu entdecken und in ihren Bildern festhalten konnten.


Anzeichen nicht ignorieren

Tatsächlich bringt die Katarakt-Operation neue Lebensqualität. Sie ist auch die einzige Möglichkeit, dem Problem des Grauen Stars wirklich beizukommen. Immer wieder kolportierte Berichte von Behandlungen mit Tropfen oder Tabletten sind Mythen, wie Augenarzt Kölbl betont, und er rät dazu, erste Anzeichen nicht zu ignorieren. Gerade beim altersbedingten Grauen Star führen viele Betroffene die Symptome häufig auf das „Nachlassen der Augen“ zurück und bedenken nicht, dass sie eine manifeste Augenerkrankung haben könnten. „Man sollte daher vor allem aufmerksam werden, wenn sich das Sehen verschlechtert, man zunehmend blendempfindlich wird und in der Mitte des Gesichtsfeldes eine Art Nebel entsteht, durch den Gegenstände unscharf oder wie hinter einem Schleier wahrgenommen werden“, sagt der Facharzt. Dieser Nebel wird mit der Zeit immer dichter und breitet sich im Laufe der Erkrankung auf das gesamte Gesichtsfeld aus: Farben, Kontraste und Konturen verblassen nach und nach und scheinen miteinander zu ve- rschmelzen. Gefährlich daran ist, dass sich dadurch die räumliche Wahrnehmung und damit auch die Orientierungsfähigkeit ve- rschlechtern. Heute raten Expertinnen und Experten dazu, den Grauen Star operieren zu lassen, sobald man sich in seiner Leben- squalität eingeschränkt fühlt. Das war nicht immer so, denn lange Zeit wurde mit der OP zugewartet, bis erhebliche Einschränkungen der Sicht eingetreten waren. Die heutigen, sehr sicheren Verfahren haben dieses vorsichtige Vorgehen aber unnötig werde- n

lassen, und so sollte man selbst auch nicht zögern, denn der Graue Star kann, wenn er nicht behandelt wird, zum Erblinden führe- n.


Neue klare Sicht

Noch einmal zurück zu Johann Rößl, der sich bald zum Heimgehen fertig machen wird. „Die Operation ist super gelaufen. Ich habe nichts als ein kleines Brennen beim Eintropfen der Augen gespürt und bin sehr froh, dass ich bald wieder gut sehen werde“, freut er sich. Noch sind seine Augen abgedeckt, und ein Tag, den er ohne Anstrengungen verbringen soll, liegt vor ihm. Doch schon morgen wird er wieder einsatzfähig sein, und seine Augen werden ihm schon nach wenigen Tagen wieder ein leuchtendes, klares Bild der Welt schenken.


Gabriele Vasak

Wie der Graue Star entsteht


Die Linse im menschlichen Auge besitzt zwei wichtige Eigenschaften: Sie ist durchsichtig, sodass sie klare Bilder liefert, und sie ist weich und flexibel, damit sie von den kleinen Augenmuskeln bewegt werden kann und so ermöglicht, sowohl nahe als auch weit entfernte Dinge scharf sehen zu können. Diese beiden Mer- kmale werden von der inneren Linsenflüssigkeit reguliert. Im Laufe der Zeit sammelt sich immer mehr Flüssigkeit in der Linse, was dazu führt, dass die Regulie- rungs-Fähigkeiten nachlassen – der Graue Star beginnt. Neben dem zunehmenden Alter sind es auch Linsenstoffwechsel-Defekte, Mangelernährung, ultravi- olettes Licht und Rauchen, die den Grauen Star begünstigen. Aber auch Erkrankungen wie Diabetes, Nebenwirkungen von Medikamenten wie etwa Kortison, Dr- ogen oder Schädigungen des Auges von außen können dazu führen. Ein sogenannter Feuerstar kann durch Infrarot-Strahlung hervorgerufen werden – zum Bei- spiel beim Arbeiten am Hochofen oder in der Glasbläserei. Angeborene Formen der Katarakt beim Neugeborenen können beispielsweise durch eine Anstecku- ng der Mutter mit Röteln während der Schwangerschaft entstehen- .

Landesklinikum Gmünd

Conrathstraße 17

3950 Gmünd

Tel.: 02852/9004-0

www.gmuend.lknoe.at

Landesklinikum Horn

Spitalgasse 10

3580 Horn

Tel.: 02982/9004-0

www.horn.lknoe.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2018