SCHWIMMEN

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Köpfchen unter Wasser

Ob Brustschwimmen oder Kraulen: Schwimmen ist ein gelenkschonender Allroundsport, trainiert Kondition und Muskeln. Lernen sollte man es am besten im Volksschulalter.

Sandra Neubauer

(36 Jahre) aus Gmünd, ehemalige Leistungsschwimme- rin beim ASV Wien,

seit 2016 staatlich ge- prüfte Instruktorin Schwimmen, seit 2017 staatlich geprüf- te allg. Trainerin mit Schwerpunkt Schwimmen,

seit 2018 staatlich ge- prüfte Trainerin Schwimmen.

Tel.: 0664/2010863,

sandra_neubau- er@gmx.at

Mit den warmen und sommerlichen Temperaturen steigt auch die Lust auf einen Sprung ins kühle Nass. Viele Frei- bäder öffnen Anfang Mai ihre Tore. Damit steigt allerdings auch die Gefahr von schweren Badeunfällen. Einer der Gründe sind die immer schlechteren Schwimmkenntnisse bei Kindern und Jugendlichen. Nichtschwimmer ist, wer weniger als 15 Meter frei schwimmen kann. Damit läuft man Gefahr, zu ertrinken, denn auch abseits der Schwimmbäder kommt man in seinem Leben immer wieder in Situationen, in denen man mit Wasser zu tun hat. Schwimmen ist aber auch ein Gesundheitssport, der gelenksschonend und bis ins hohe Alter möglich ist.


Schulschwimmen

Den Trend der immer schlechteren Schwimmkenntnisse beobachtet auch die staatlich geprüfte Schwimmtrainerin und jahrelange Leistungsschwimmerin Sandra Neubauer aus Gmünd. Sie leitete einen Kurs für eine Volksschule, auch einige Nichtschwimmer waren dabei. „Ich habe die Schülerinnen und Schüler in mehrere Gruppen geteilt, und so haben wir gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern tolle Erfolge erzielt!“

Viele Lehrkräfte sind beim Schulschwimmen überfordert: Zu große Gruppen und eine eher oberflächliche Ausbil- dung machen es ihnen schwer, den Kindern das Schwimmen beizubringen. Sandra Neubauer wünscht sich des- halb generell mehr Engagement, auch wenn es bereits ein paar Gemeinden gibt, die sie für professionelle Schwimmkurse für ihre Schulen engagieren.

„Ein großes Problem ist, dass man als Schwimmtrainer keine Ausbildung haben muss. Dabei ist es wichtig zu ler- nen, wie man einem Kind das Schwimmen gut und effektiv beibringt, denn nur so klappt es flott und verlässlich. Ich wünsche mir klare Richtlinien, um eine möglichst hohe Qualität der Kurse garantieren zu können“, fordert Neubau- er.


Tauchen als Grundlage

Das optimale Alter, um die Technik des Brustschwimmens richtig zu erlernen, ist mit rund fünf Jahren. „Ab diesem Alter sind die Kinder bereit, das Zusammenspiel zwischen Armzug und Beinschlag zu koordinieren. Wobei sich die Kids leichter tun, wenn sie etwas älter sind. Zu Beginn lernen sie spielerisch zu tauchen – das klappt auch bei ängstlichen Kindern in der Gruppe meist sehr gut, da sie dann oft gar nicht bemerken, dass sie schon unter Was- ser sind. Wenn sie das beherrschen, kann man gut mit ihnen arbeiten. Man lernt immer zuerst das Brustschwim- men, die schwierigste aller Lagen“, erklärt die Schwimmtrainerin. In insgesamt zehn Einheiten zu jeweils 50 Minu- ten sind die Kinder meist in der Lage, die Sportart zu erlernen, wobei nicht zu viel Abstand zwischen den einzelnen Trainings liegen soll.

Schwimmen dient aber nicht nur der Sicherheit, sondern soll vor allem auch großen Spaß machen. Die Bewe- gungserfahrung im Wasser ist für Kinder sehr wichtig, da sie dadurch auch Wassergefühl, Gleichgewicht und Kör- perspannung trainieren.

Es gibt aber auch zahlreiche Erwachsene, die nicht schwimmen können. Hier ist die Hemmschwelle, einen Schwimmkurs zu besu- chen, meist groß. „Erwachsene melden sich selten mit dem Wunsch schwimmen lernen zu wollen. Da in unserer Gesellschaft vorausgesetzt wird, dass man schwimmen kann, wollen sich das Nichtschwimmer nicht wirklich eingestehen und trauen sich des- halb nicht, sich zu outen. Aber das braucht einem keinesfalls pein- lich zu sein“, findet Neubauer.

Dabei ist es zum Glück nie zu spät, um daran etwas zu ändern – auch wenn man im Kindesalter in Gebieten aufgewachsen ist, wo es weder Schwimmbäder noch Seen in der Nähe gab und es des- halb keinen echten Grund gab, schwimmen zu lernen.


Gesunder Sport

Oft etwas unterschätzt, dient Schwimmen nicht nur der Sicherheit, es ist auch ein tolles Ganzkörpertraining, das sowohl die Muskula- tur als auch das Herz-Kreislauf-System stärkt. Für diese Sportart gibt es auch kaum Ausreden, wie Sandra Neubauer bestätigt: „Schwimmen ist total gesund, wenn man es richtig macht. Es ist ein Sport für Groß und Klein und man kann ihn beispielsweise auch bei Übergewicht problemlos betreiben!“ Da im Wasser die Gelenke geschont werden, eignet sich Schwimmen auch als the- rapeutische Maßnahme sowie als Wiedereinstieg nach Verletzun- gen oder Operationen.


Erfolgserlebnisse

In der Funktion als Schwimmtrainerin gibt es für die ehemalige Leistungsschwimmerin Sandra Neubauer immer wieder schöne und emotionale Momente: „Eine Mutter meinte, dass ihr Kind das Schwimmen nie lernen wird, da es extrem ängstlich war und bis dahin nur bis zum Knöchel ins Wasser ging. Nach einigen Einhei- ten hatte ich das Kind soweit, dass es mit dem Kopf unter Wasser tauchte, dabei richtig ausatmete und auch noch Spaß daran hatte – das war ein großer Erfolg, den die Mutter kaum glauben konn- te.“

Aber auch nach dem Absolvieren eines Kurses sollte man dran bleiben und in regelmäßigen Abständen schwimmen gehen. Sonst geht die Sicherheit verloren und man muss das Vertrauen erst wieder aufbauen.


Werner Schrittwieser

Schwimm-Tipps von Sandra Neubauer


Das „klassische“ (nicht korrekte) Brustschwimmen mit Kopf über Was- ser führt durch die Überstreckung der Halswirbelsäule zu Verspannun- gen im Nacken und zu einem Hohlkreuz, das Rückenschmerzen auslö- sen kann. Bei der richtigen Brusttechnik sollte der Kopf bei jedem Zug untertauchen, um die Halswirbelsäule zu entlasten.

Viele Menschen beherrschen die richtige Brusttechnik nicht und bean- spruchen ihre Gelenke deshalb falsch. Auch die Beintechnik beim Brustschwimmen ist problematisch, wenn man Gelenksprobleme im Bereich von Hüfte oder Knien hat. Deshalb rate ich Menschen mit Knie- oder Rückenproblemen vom Brustschwimmen ab und empfehle stattdessen Rücken- oder Kraulschwimmen.

Der große Vorteil am Rücken- und Kraulschwimmen ist, dass der Kör- per gestreckt im Wasser liegt und Kopf und Körper eine Ebene bilden – das entlastet die Wirbelsäule. Gesundes Schwimmen setzt immer die richtige Technik voraus.

Gut ausgebildete Schwimmlehrerinnen und -lehrer kennen alle Tricks, wie man das sichere und kräfte- sparende Schwimmen schnell lernt.

Auch Erwachsene können schwimmen lernen oder ihren Stil verbessern.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018