WEIHNACHTEN

Das perfekte Geschenk

Was schenken? Der Gedanke treibt viele Menschen gerade in der stillen Zeit in Hektik und Stress. Doch das ist ganz und gar nicht Sinn der Sache. Verabschieden Sie sich lieber gleich von „perfekt“.

Alle Jahre wieder steht die Qual der Weihnachtsgeschenke -Wahl bevor. Viele Menschen verzweifeln daran, möglichst kreative oder besondere Präsente für ihre Lieben zu finden- . Doch das ist gar nicht nötig und in den allermeisten Fälle- n auch gar nicht sinnvoll. Das belegen mehrere Studien über- einstimmend.

Geschenke müssen überhaupt nicht teuer, romantisch ode- r selbst gemacht sein. Es sei denn, die oder der Beschenkt-

e legt darauf Wert. Die Wahrheit ist nämlich extrem banal: Am liebsten haben die Österreicherinnen und Österreicher Gut- scheine (34 Prozent), Bargeld (33 Prozent) und Reisen (22 Prozent). Das besagt eine Weihnachtsstudie des heimischen On- line-Siegels „E-Commerce Gütezeichen“ aus dem Vorjahr. Mit Karten für Veranstaltungen, Erlebnisse oder Ausflüge und auch mit Büchern ist das Christkind ebenfalls auf der sicheren Seite- .

Beschenkt werden vor allem Eltern, Partner und eigene Kinder. Auf den Plätzen vier und fünf der Beschenkten finden sic- h dann noch Geschwister und Freunde. Arbeitskollegen, Tanten, Onkeln oder Nachbarn gehen dagegen meist leer aus. Un- d das ist gut so. Schließlich geht es darum, gemeinsame Zeit schön zu verbringen- .


Gutschein als Top-Geschenk

Doch erfüllten die Österreicherinnen und Österreicher beim Geschenkekaufen mehrheitlich auch die Wünsche ihrer Lieben ? Nach einer Umfrage des Statistik-Portals statista lautet die Antwort grundsätzlich „Ja“. Gut so, denn damit haben es d- ie Schenkenden nicht so schwer. So wollten im Vorjahr 43 Prozent der Befragten einfach Gutscheine herschenken. Nur ein Fünftel konnte sich in dieser Umfrage für Bücher, Kosmetik- und Pflegeartikel erwärmen, sie lagen mit Kleidung, Schuhe- n und Accessoires auf den hinteren Plätzen. Für derartige Dinge kommen sicherheitshalber Gutscheine ins Spiel, womit sic- h Beschenkte den Wunschartikel im Nachhinein selbst auswählen können- .

Mit derart einfachen, dafür aber sicheren Präsenten liegen die meisten also goldrichtig. Das untermauert eine sozialpsychol- ogische Studie der Indiana University (USA) zu den Hintergründen des Schenkens. Demnach ist es eher schwer, den Ge- schmack des Beschenkten zu treffen, wenn man mit kreativen Geschenken liebäugelt. Oft genug geht das ziemlich ins Aug- e. Und bereitet dem Beschenkten sogar Stress: Wohin mit dem Geschenk, das nicht den eigenen Geschmack oder die eigen- en Wünsche trifft? Darf man sagen, dass man es nicht schön findet oder nicht haben mag? Ist man es dem Schenkenden schu- ldig, das Geschenk zu verwenden? Kann man es zurückweisen? Manchmal helfen Verkaufs-Plattformen im Internet wie Will- haben oder Ähnliches- .


Alltagsgegenstände & Experimente

Auf der sicheren Seite ist man oft mit praktischen Geschenken, die man im Alltag benötigt, meinen die Studienautoren der I- ndiana University. Auch wenn es scheinbar so triviale Alltagsgegenstände wie ein Küchengerät für den Hobbykoch, Werkzeu- g für die Bastlerin oder ein Tee-Ei für die Teeliebhaber sind. Doch Vorsicht: Hier sollte man über ausreichend Hintergrundwis- sen verfügen – sowohl über den Besitzstand des Beschenkten als auch über seine Vorstellungen von Qualität. Es macht kei- nen Sinn, seinem Kind den dritten Bohrer oder der Schwiegermama die zweite Küchenmaschine zu verehren, noch daz- u, wenn der Beschenkte womöglich schon ein höherwertiges Produkt im Hausstand hat oder sich eigentlich nur eine bestimmt- e und keine andere Marke wünscht- .

Ebenfalls in die Kategorie „praktische Geschenke“ fallen die bereits erwähnten Gutscheine in jeder Form. Sehr beliebt sin- d sie einerseits für Sportevents, Konzerte, Massagen, Thermenbesuche, Reisen usw. oder etwa für gemeinsam verbrachte Zei- t bei einem netten Abendessen. Ebenfalls sehr gefragt sind andererseits Wertkarten für Einkäufe wie Bekleidung, Elektrogerä- te oder Bücher.

Was wir vielleicht weniger gerne hören möchten: Spenden für wohltätige Organisationen im Namen des Beschenkten sin- d laut der US-Studie selten beliebt. Es sei denn, man ist sich dessen absolut sicher. Also eine Delfin-Patenschaft für die Delfin -Liebhaberin oder eine Ziege in Form eines Gutscheins für jemanden, der sich für Menschen in einem fernen Land interessie- rt und sich für sie eine bessere Lebenssituation wünscht- .

Nehmen Sie sich jetzt im Advent Zeit und denken Sie in Ruhe darüber nach, was Ihren Lieben wirklich Freude bereiten könn- te und was sie sich tatsächlich wünschen. Übrigens gilt Zeit als eines der wertvollsten Güter. Wie wäre es mit einem gemein- samen Erlebnis, mit einem Nachmittag ohne Blick aufs Handy und mit offenen Augen und Ohren, um für diese Mensche- n wirklich da zu sein?



Heinz Bidner

Foto: istockphoto/ Alex Raths

Weihnachtsgeschäft in Zahlen


-Vier von zehn Menschen in Österreich (ab 15 Jahren) verschenken Gutscheine- .

-Acht von zehn Gutscheinen werden im neuen Jahr eingelöst- .

-Einer von acht Menschen in Österreich tauscht Geschenke wieder um, schenkt sie weiter oder verkauft sie- .

-Einer von acht Euro für Geschenke fließt ins Internet zu in- und ausländischen Anbietern- .

-Das Weihnachtsgeschäft im stationären und Online-Einzelhandel ist hierzulande insgesamt rund 1,7 Milliarden Euro schwer.


Quelle: WKO, Statistik Einzelhandel-Weihnachtsgeschäft 2017

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2018