IM GESPRÄCH

Geboren werden

durch Frauenkraft

Iris Burger ist leitende Hebamme im Landesklinikum Lilienfeld und findet, dass man die Natur ihren Teil tun lassen soll. Deshalb gibt’s nach der Geburt erst einmal zwei Stunden Zeit zum Kuscheln, verriet sie GESUND&LEBEN.

Eine Schwangerschaft ist ... ein Wunder und eine große Umstellung für die ganze Familie. Da gibt es un- terschiedliche Gefühle, Ängste und Freude, die man bewusst wahrnehmen und leben darf. Durch die gerin- ge Kinderanzahl pro Frau ist eine Schwangerschaft ein bedeutender Lebensabschnitt, der zunehmend be- wusst gelebt wird.


Schwangere zu beraten und begleiten bedeutet für mich ... unterschiedliche Bedürfnisse wahrzunehmen und den Frauen Informationen zu geben, damit sie ihre eigenen Wege finden können.


Probleme in der Schwangerschaft ... kann es geben, und sie können von unterschiedlicher Dimension sein, psychisch, phy- sisch, wirtschaftlich und sozial. Egal in welcher Richtung und Ausprägung diese Probleme sind, es geht darum, die Ressour- cen zu erkennen, die da sind, und zu unterstützen.


Wenn das Baby sich querlegt ... zum Beispiel in Beckenendlage, gibt es zahlreiche Methoden, um dem Kind den Weg zu zei- gen – Körper- und Dehnübungen, Moxen, bis hin zu äußeren Wendungen. In spezialisierten Kliniken ist selbst bei Beckenend- lage noch eine Spontangeburt möglich. Und ein Kaiserschnitt ist immer eine Option und ein Weg – und keineswegs ein Versa- gen.


Die beste Vorbereitung auf eine Geburt ist ... ein gesunder Lebensstil! Nichts kann ihn ersetzen, er ist sehr wichtig für das Baby. Gesundes Essen, Bewegung und passender Sport in Maßen. Man weiß heute immer mehr darüber, wie sehr die Nah- rung und der Lebensstil generell das Kind prägt und darüber entscheidet, wie es versorgt ist. Klassische Geburtsvorbereitung ist natürlich auch gut, aber das Wichtigste ist der Lebensstil.

Wenn das Baby kommen will ... spürt man das, sag ich immer. Reine Gefühlssache. Die Frauen und oft auch die Partner mer- ken, wenn es Zeit ist, in die Entbindungsstation aufzubrechen.


Spannend während einer Geburt ist ... immer der Ablauf, dass sich die Natur und der Körper alles so richtet, wie es nötig ist. Da laufen spannende hormonelle Prozesse ab im Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind.


Jede Geburt ist ... etwas ganz Besonderes und ein Willkommenheißen eines neuen Menschen.


Neugeborene sind ... neue Wesen mit sehr unterschiedlichen Charakteren, von Beginn an.


Wenn das Baby geboren ist ... ist erst einmal wichtig, dass alles passt. Wir geben den Familien ausgiebig Zeit fürs Bonding und lassen sie zwei Stunden in Ruhe. Viel Wert legen wir auch aufs Auspulsierenlassen der Nabelschnur, weil sich immer mehr zeigt, dass das Baby dadurch mehr Blutvolumen im Körper hat – wichtig für eine bessere Versorgung und auch für seine Entwicklung. Wir greifen so wenig wie möglich und so viel wie nötig ein, so könnte man es zusammenfassen.


Ich bin Hebamme geworden, weil ... ich es mir schon lange gewünscht habe. Ich wollte immer im medizinischen Bereich ar- beiten, aber mit großteils gesunden Menschen. Das habe ich jetzt so.


Sollte ich mich nochmals entscheiden müssen, würde ich ... alles wieder genauso machen.


Ich liebe meinen Beruf, weil ... es kein Beruf wie jeder andere ist. Ich mache ihn jeden Tag aufs Neue gern. Ich sehe meine Arbeit nicht als Arbeit, sondern als zentralen Punkt in meinem Leben, der mir Spaß macht.


Riki Ritter-Börner

Foto: christa hochpöchler

Zur Person


Hebamme Iris Burger, 32, war im ersten Jahrgang der Ausbildung an der IMC Fachhochschule Krems. Sie hat einen 12-jährigen Sohn. Zu Beginn ihrer Karriere, ab 2009, und bis heute arbeitet sie selbstständig, von 2010 bis 2013 im Universitätsklinikum Krems. Sie hat sich ans Landesklinikum Lilienfeld mit seinen rund 400 Geburten pro Jahr versetzen lassen, weil das näher an ihrem Wohnort ist und sie immer schon hier sein wollte. Ist gerade keine Geburt im Gange, arbeitet sie in der Ambulanz, wo die Schwangeren untersucht wer- den, oder auf der Station, wo sie die frischgebackenen Mütter berät.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018