BLUTDRUCK

Der schleichende Tod

Bluthochdruck ist eine echte Volkskrankheit. Er macht keine Symptome und ist umso gefährlicher für Organe und Arterien.

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Kaum eine andere Krankheit ist in unseren Breitengraden so häufig wie die Hypertonie. Schätzungen zufolge sind in Mitteleuropa und den USA ein Viertel aller über 18-Jährigen davon betroffen. In Österreich sind das rund eineinhalb Millionen Menschen. Aber: 50 Prozent jener, die unter Bluthochdruck leiden, wissen gar nichts von ihrem Problem, weil Bluthochdruck in den meisten Fällen nicht zu spüren ist. Er bleibt oft viele Jahre unbemerkt. Nur sehr selten treten Warnsignale wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Na- senbluten auf. Das Fatale daran ist, dass ein ständig erhöhter, unbehandelter Blutdruck im Laufe der Zeit wichtige Organe wie Herz, Gehirn und Nieren schädigen kann. Und: Er begünstigt auch Schädigungen an den Blutgefäßen, die zu Verengungen und Verlet- zungen an der Innenhaut der Arterien führen können. Dort lagern sich dann überschüssige Fett- und Kalkpartikel ab, die sogenann- te Plaques hervorrufen. So entsteht Arteriosklerose – die häufigste Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese wiederum sind für die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich.


Risiko Bluthochdruck

-Herzerkrankungen: Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann das Herz schädigen. Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Herzversagen oder Herzinfarkt sind oft die Folgen. Dieser Zusammenhang ist durch zahlreiche Studien untermauert: Etwa die Hälfte aller Herzinfarkte lassen sich auf Bluthochdruck zurückführen.

-Schlaganfall: Patienten mit Bluthochdruck haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

- Nierenschädigungen: In wechselseitiger Beziehung steht die Höhe des Blutdrucks auch mit der Gesundheit der Nieren. Dieses Organ, das nicht nur Filterfunktion hat, sondern unter anderem auch die Höhe des Blutdrucks regelt, ist besonders anfällig für die Auswirkungen von Arteriosklerose, denn die Nieren sind von zahlreichen kleinen Gefäßen durchzogen.

-Durchblutungsstörungen in den Beinen: Die durch Bluthochdruck begünstigte Arteriosklerose kann, wenn sie an den Extremitäten auftritt, zu starken Einengungen oder sogar zum kompletten Verschluss der Bein-, manchmal auch der Armarterien führen. Schmerzen, Taubheitsgefühle und ein fehlender Puls können die Folgen sein.

-Hals- und Kopfschlagader: Gleiches gilt für die Gefäße an den Hals- und Kopfarterien. Bluthochdruck-bedingte Gefäßverengun- gen sind für Bewegungs-, Sprach-, Empfindungs- und Wahrnehmungsstörungen sowie das Nachlassen der Leistungsfähigkeit des Gehirns typisch.

- Augen: Zu schlechter Letzt greift Bluthochdruck auch die Gefäße an der Netzhaut des Auges an. Er stört die Versorgung mit Nährstoffen und führt zu Ablagerungen und Blutungen an der Netzhaut. Die Folgen sind Sehstörungen, die bis zur Erblindung rei- chen können.


Die gute Nachricht

Doch es gibt auch eine gute Nachricht, denn all diese Risiken lassen sich verringern. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Er- nährung mit moderatem Salzkonsum und Stressabbau sind Faktoren, die entscheidend dazu beitragen, den Bluthochdruck zu sen- ken und damit das Risiko für lebensbedrohliche Erkrankungen hintanzuhalten. Viele Experten plädieren heute dafür, diese Lebens- stilmaßnahmen in Angriff zu nehmen, bevor mit Medikamenten gearbeitet wird. Muss man dennoch Tabletten gegen Bluthochdruck nehmen, um den Zielblutdruck zu erreichen, so wird einen der Arzt des Vertrauens sicher gut beraten. Mittlerweile gibt es sogenann- te Kombinationspräparate, bei denen in einer einzigen Tablette zwei oder drei Wirkstoffe kombiniert sind und die im günstigsten Fall nur einmal täglich eingenommen werden müssen. Und für uns alle gilt: Wir sollten Blutdruckvorsorge ernst nehmen, um Herz und Kreislauf gesund zu erhalten, damit wir ein langes Leben in Gesundheit führen können.


Gabriele Vasak

Wie der Blutdruck funktioniert


Das Blut fließt durch die Arterien wie Wasser durch ein Leitungsrohr. Je nach Intensität übt es dabei einen bestimmten Druck auf die Blutgefäße aus. Gemessen wird der Blutdruck in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Dabei sind zwei Werte von Bedeutung – der systolische und der diastolische Blutdruck. Der systoli- sche Blutdruck wird auch als erster oder oberer Wert bezeichnet. Er definiert den Druck, mit dem das Blut in die Arterien gepumpt wird, wenn sich das Herz zu- sammenzieht. Der diastolische Blutdruck definiert den Druck, der gegeben ist, wenn das Herz wieder erschlafft.

Der Blutdruck ist keine stabile Größe: Er schwankt im Tagesverlauf sowie in Abhängigkeit von der Leistung, die das Herz-Kreislauf-System gerade erbringen muss. So ist der Blutdruck in der Regel im Schlaf niedriger als tagsüber und in Ruhe niedriger als bei körperlicher Anstrengung. Wenn der (derzeit gültige euro- päische) Grenzwert von 140 zu 90 überschritten wird, spricht man von Bluthochdruck oder Hypertonie. In Österreich gelten folgende Grenzwerte:

-120/80 mmHg: optimaler Blutdruck

-120–129/80–84 mmHg: normaler Blutdruck

-130–139/85–89 mmHg: hoch normaler Blutdruck (wenn sonst keine Risikofaktoren vorliegen, ist keine medikamentöse Therapie notwendig)

-140–159/90–99 mmHg: Bluthochdruck Grad 1 (ab hier Lebensstiländerungen und Medikamente)

-160–179/100–109 mmHg: Bluthochdruck Grad 2

->180/>110 mmHg: Bluthochdruck Grad 3


Unterschieden wird auch zwischen primärem und sekundärem Bluthochdruck. Der primäre Bluthochdruck (auch: essentielle Hypertonie) tritt ohne tatsächliche Ursache, die sich in Form von Krankheiten oder Medikamenten äußert, auf. Hier spielen vor allem Faktoren wie Alter, Ernährungsweise, Bewegungsausmaß und Körpergewicht eine Rolle. Der sekundäre Bluthochdruck wird entweder durch Krankheiten oder durch bestimmte Medikamente ausgelöst. Beispiele dafür sind Nierenerkrankungen oder auch das sogenannte Cushing-Syndrom. Quelle: Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2018