IM GESPRÄCH

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Bewegung hilft

beim Lernen & Wachsen

Was brauchen Kinder, um körperlich gesund durch die Schulzeit zu kommen? Wie schwer darf die Schultasche sein? Und wie viel Bewegung wäre gut? Prim. Assoc. Prof. Dr. Andrea Zauner- Dungl vom Universitätsklinikum Krems gibt Antworten.

Schulbeginn ist ... eine Herausforderung für Kinder und Eltern – darum sollte man ihn gut vorbereiten. Zum Beispiel positiv- e Gedanken an die Schule anknüpfen, wie dass man Freundinnen und Freunde treffen kann oder was in der Schule Spaß macht. Die Tagesstruktur passt man möglichst schon in der letzten

Ferienwoche an. Wichtig ist auch, dass Eltern oder Großeltern mit dem Kind den Schulweg üben. Und natürlich spart e- s Stress, wenn man die nötigen Einkäufe soweit wie möglich schon vor Schulbeginn zumindest teilweise erledigen kann- .


Kinder brauchen Bewegung, weil ... das Stillsitzen in der Schule Wirbelsäule und Muskulatur belastet. Bewegung hilft auch , Stress zu reduzieren, verbessert das Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Darum sollten Kinder, je nac- h Alter, alle 20 bis 60 Minuten eine kurze Pause mit Bewegung einlegen, zum Beispiel den Hampelmann machen, tanzen ode- r hüpfen – alles, was Spaß macht, und am besten in der frischen Luft oder zumindest am offenen Fenster- .


Bewegung hilft beim Lernen, weil ... sie die Durchblutung des Gehirns verbessert, den Körper besser mit Sauerstoff versorg- t, damit die Konzentrationsfähigkeit steigert und den Stress reduziert. Eigentlich ein Wundermitte- l!


Wenn sich Kinder zu wenig bewegen ... führt das vorrangig zu Haltungsschäden – deshalb sind auch das Gewicht und d- er gute Sitz der Schultasche so wichtig. Ich beobachte leider oft frühzeitige Schädigungen des Körpers durch Bewegungsmang- el, die zu Abnützungserscheinungen an den Gelenken führen können. Und natürlich neigen Kinder, die sich zu wenig bewege- n, zu Übergewicht. Das fördert, dass sich Kinder sozial isolieren und kindliche Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes beko- mmen – eine schwere Bürde! Übergewichtige Kinder leiden oft unter einem geringen Selbstwertgefühl und sind motorisch in ihr- er Entwicklung beeinträchtigt. Das heißt, sie können sich nicht so gut und geschickt bewegen wie Kinder, die gerne und viel la- ufen, springen und Rad fahren. Damit haben übergewichtige Kinder leider auch oft ein erhöhtes Verletzungsrisiko, das sich b- is ins Alter auswirken kann.


Es ist wichtig, dass Schultaschen nicht zu schwer sind, weil ... die knöchernen Strukturen im Kindesalter noch vergleichs- weise weich sind (zum Beispiel der Knorpelkerne) und die Knochen sich noch leicht verformen können, denn sie werden er- st später „knochenhart“. Auch die Muskulatur wird oft überfordert. Das führt dann zu Schmerze- n.


Gegen schwere Schultaschen könnte helfen ... zum Beispiel Abmachungen mit den Lehrkräften, dass man gewisse Büche- r oder möglichst viele Hefte und Bücher in der Schule lassen darf, oder dass man nur nach Hause trägt, was man für die Hau- saufgabe tatsächlich braucht- .


Wenn sich Kinder zu wenig bewegen, sollten Eltern ... ihr eigenes Verhalten reflektieren, denn häufig ist Bewegungsman- gel ein Familienproblem. Nicht jeder ist ein Bewegungstalent, abe- r

-Spazieren gehen kann jeder.

-Federball kann man in jedem Alter lernen- .

-Balancieren an der Bordsteinkante oder über eine Holzstaffel kann jeder- .

-Radfahren fördert nicht nur die Motorik, es gibt auch Freiheit- .


Der Schulweg ... ist eine Chance, dass Kinder sich mehr bewegen, entspannt und wach in der Schule ankommen, mehr Soz- ialkontakte pflegen und einen besseren Überblick im Straßenverkehr trainieren. Eltern tun dem Kind, sich selbst und der Um- welt etwas Gutes, wenn sie das Kind nicht zur Schule bringen. Daher mein Apell: Nehmen Sie sich die notwendige Zeit, u- m das Kind langsam und sicher an seinen Schulweg zu gewöhnen- .


Ein starker Rücken ist im Kindesalter besonders wichtig, weil ... man damit Haltungsschäden vorbeugt. Die Wirbelsäule is- t ein tragendes Element für eine gleichmäßige Belastung von Armen und Beinen. Und wer einen starken Rücken hat und dam- it eine aufrechte Haltung, vermittelt Selbstbewusst-sein- .


Mein bester Tipp für einen starken gesunden Körper in der Schulzeit ist ...

-Sich täglich zumindest eine halbe Stunde zu Hause bewegen, unabhängig davon, was in der Schule gemacht wir- d.

-Spaß an der Bewegung vermitteln.

-Sich ausgewogen ernähren- .

-Das Kind auch einmal nichts tun zu lassen- .



Riki Ritter-Börner

Zur Person


Prim. Assoc. Prof. Dr. Andrea Zauner-Dungl leitet das Klinische Institut für Physikalische Medizin und Reha- bilitation am Uniklinikum Krems und hat an der Donau-Universität Krems die Abteilung für TCM und Komple- mentärmedizin aufgebaut. Das Thema Prävention für einen gesunden Körper wurde ihr in die Wiege gelegt: Vor 50 Jahren gründete ihr Vater Willi Dungl das Dungl-Gesundheitszentrum in Wien. Er gilt als Pionier in Sachen Vorsorgemedizin, betreute als Masseur Spitzensportler wie Niki Lauda oder die Tennis-Stars Tho- mas Muster und Steffi Graf und half Menschen, die Sorgen mit ihrer Gesundheit hatten. Sein „Drei Säulen Modell“ der Gesundheit – Ernährung, Bewegung und mentaler Ausgleich – half vielen Menschen, aktiv E- igenverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Andrea Zauner-Dungls Schwester Claudia Dungl ent- wickelte als Pharmazeutin die erste Staffel der Dungl-Produkte und leitet das Dungl-Gesundheitszentrum. Dieses bietet monatliche Gesundheitstreffs zu den Bereichen Ernährung, Bewegung und mentaler Ausgegl- ichenheit sowie Workshops zur „Hilfe zur Selbsthilfe“ mit naturheilkundlichen Methoden. Das Dungl-Gesund- heitszentrum in Wien feiert 50 Jahre mit einem Tag der offenen Tür am 26. September 2018.


Informationen:

www.dunglwien.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2018