VOLL IM LEBEN - GESCHENKE

Richtig schenken

Die Freude in den Augen des Beschenkten sehen – das macht glücklich. Richtig schenken ist eine Kunst. Eine, die man lernen kann.

FOTOS: FOTOLIA/TIJANA, PRIVAT

Schenken und beschenkt werden – ein Lebensthema. Die kleine sil- berne Feder, die der Achtjährige seiner Mutter, einer Journalistin, schenkt – sie wird sie als Talisman immer bei sich haben. Das klu- ge Buch, von der besten Freundin ausgesucht, es begleitet über viele Jahre. Die vom Partner so umsichtig ausgesuchte Outdoor-Ja- cke mit dem plüschigen Futter wird bei vielen gemeinsamen Hun- de-Spaziergängen wärmen. Das vom Kind geduldig geflochtene bunte Armband trägt die Mutter wie eine Auszeichnung, bis es zer- fällt. Die selbstgebackenen Kekse – sie schmecken nach Liebe und Wärme. Und der Gutschein für einen gemeinsamen Ausflug in den Tierpark – er garantiert schöne Stunden im kommenden Früh- ling.

Schenken, dass der andere glücklich ist, sich geliebt und wahr- genommen fühlt, dass seine Augen strahlen – wie geht das? In ei- ner übervollen Welt, in der jeder Haushalt aus tausenden Dingen besteht und das Weggeben von Sachen zur Kunstform erhoben wird? Psychologin Mag. Irene Burian rät, zuerst genau für sich zu klären, warum man jemanden beschenken will: Geht es darum, Freude zu bereiten oder verfolgt man mit dem Geschenk einen an- deren Zweck?

Kleine Höflichkeits-Geschenke sind okay – ein klei- nes „Ich denk an Dich“ für Arbeitskollegen, Verwand- te, Nachbarn tut gut. Es sollte aber kein Muss sein und nicht stressen. Auch ein Anruf oder ein paar per- sönliche Worte erfüllen diesen Zweck.

Manchmal steckt hinter einem Geschenk aber mehr, etwas, das eigentlich auf einer anderen Ebene ausgetragen werden soll, weiß die Gesundheitsexper- tin. Man erinnere sich an die Witze über Ehefrauen, die erst durch das Geschenk auf die Untreue des Mannes aufmerksam wurden. Ein Geschenk kann also auch den Zweck haben, eine Schuld zu beglei- chen oder aber auch Schuldgefühle zu wecken. Kei- ne gute Idee, meint Burian. Und beim Schenken gehe es auch immer um das richtige Maß. „Das perfekte Geschenk muss nicht teuer sein“, sagt Burian. Und auf keinen Fall sollte man sich für Geschenke ver- schulden. Wie macht man es richtig? Möglichst früh darüber nachdenken, rät die Expertin. Sich dafür Zeit nehmen und auch dem nachspüren, was dieser Mensch für das eigene Leben bedeutet – und was man sich an Gemeinsamem wünscht.

Zeit zu schenken, das finden die Leserinnen und

Leser von GESUND&LEBEN eine gute Idee. „Wir nehmen uns so wenig Zeit für unsere Liebsten“, weiß Burian. „Ist nicht gemeinsame Zeit das schönste Geschenk, das man einem Menschen machen kann? Die hundertprozentige Aufmerksamkeit, die man sonst so selten füreinander hat? Einfach du und ich?“ Den Gutschein für ein gemeinsames Picknick oder einen Ausflug zu ei- nem Ziel, das beiden etwas bedeutet, sieht Burian als gute Idee. Der erprob- te Wanderer kann dem Freund eine gut geplante Wanderung schenken, die ihn nicht überfordert. Die Oma schenkt dem Enkerl einen Ausflug in den Zoo, der bleibt noch lange Gesprächsstoff. Ein gemeinsamer Thermen-Tag, ein Ausstellungs-Besuch, ein Konzert, gemeinsam eine neue Stadt „erobern“ oder auch ein neues Restaurant testen. Wissen vermitteln wie etwa gemein- sam Brot backen. Eine Pflanze schenken, ruhig auch als Gutschein und dann gemeinsam aussuchen und einpflanzen. Ihnen fallen bestimmt noch viele Dinge für Ihre Liebsten ein.


RIKI RITTER-BÖRNER


Zeit als Geschenk


Vor einiger Zeit habe ich begonnen, meine Familie und Freunde mit Selbst- gemachtem zu beschenken. Marmela- de, ein selbst gebackener Gugelhupf, ein frisch gepflückter Wiesenblumen- strauß zum Beispiel. Außerdem ver- schenke ich gerne Zeit! Ich verbringe zum Beispiel einen Tag mit dem jewei- ligen Geburtstagskind. Wir machen zu- sammen einen Ausflug, eine Wande- rung, gehen schwimmen, ins Kino oder Museum. Oder ganz einfach: Wir sitzen bei Kaffee und Kuchen und ma- chen uns eine schöne Zeit. Man kann so vieles zusammen machen und es erfüllt alle mit Freude.

Emilie Richter, Zöbing

Mag. Irene Burian, Klini- sche und Gesundheits- psychologin, Leitung Fachbereich Mentale Gesundheit der Initiati- ve »Tut gut!«

Mehr als ein Buch


Ich habe vor Jahren von ei- nem guten Freund „Das Buch vom Honig“ bekom- men, mit einem großen Glas köstlichen Honigs. Die übli- chen Weihnachtswünsche zierte ein Spruch von Shake- speare: „1000 Geheimnisse des Honigs sollst Du wis- sen“. Bald wusste ich um das Geheimnis des Honigs: Lebenselixier – wertvollste Gabe der Natur für die Ge- sundheit. Wie wäre es heuer zu Weihnachten, Wertvolles zu schenken?

Honig!

Helga W., Hollabrunn


HILFE SCHENKEN


„Hilfe im eigenen Land“ hilft Menschen, die in Not geraten sind. Die finanzielle und anteil- nehmende Hilfe geht direkt an Menschen, deren Einkommenssituation durch einen plötzlichen Todesfall oder eine schlimme Krankheit so verändert wird, dass sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr weiter wissen. Bei Unwet- terkatastrophen wird in Zusammenarbeit mit an- deren Hilfseinrichtungen geholfen. Spenden an den Verein „Hilfe im eigenen Land – Katastro- phenhilfe Österreichischer Frauen“ können steuerlich geltend gemacht werden.

Spenden: Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien (IBAN: AT25 3200 0000 1220 0002, BIC: RL- NWATWW), PSK (IBAN: AT77 6000 0000 0240 0000,

BIC: OPSKATWW)

Informationen: Tel.: 01/5125800, office@hil- feimeigenenland.at,

www.hilfeimeigenenland.at

Tägliche Zuwendung


Ich habe schon mal selbst Kochbücher zusam- mengestellt – speziell ausgerichtet auf die be- schenkte Person, Gedichte geschrieben, Schals gehäkelt, kleine Herztörtchen gebacken etc. Das letzte Neujahrsgeschenk an meine Mutter beeindruckte sie nachhaltig: ein Gut- schein für 365 Brieflein. Nun bekommt sie ein Jahr lang täglich ein Zettelchen mit einem Sinn- spruch, einem Witz oder einer persönlichen Botschaft wie „Ich hab dich lieb!“ oder „Ich bin für dich da!“. Dazu hab ich ihr eine kleine Box geschenkt, in der meine Mutti die Zettel aufbe- wahren und sie immer wieder ansehen kann, wenn ihr danach ist.

Marlene Holzer

Ein besonderes Geschenk


Meine Freundin ist fast blind, doch trotzdem noch mobil,

sie interessiert sich für vieles und hat stets ein Ziel:

noch teilzunehmen an der Kultur, sei es Theater oder Gesang.

Mir – es ist noch nicht lange her – Folgendes gelang:

Ich hatte zwei Karten für „Ich war noch niemals in New York“ gewonnen,

und meine Gedanken habe ich weiter und weiter gesponnen.

Ich fragte einfach Inge, ob ihr das vielleicht gefallen würde

und es für sie dort hinzukommen sei keine allzu große Bürde.

Sie freute sich wirklich und wir trafen uns vor dem Ronacher dort.

Natürlich wurde ein Foto von uns beiden geschossen vor Ort.

Inge sieht zwar sehr schlecht, oft nur Schatten, doch ihr Gehör,

das ist wirklich noch perfekt, sie hört besser als ich, bitte sehr.

Ich denke, ich habe Inge wirklich Freude damit gemacht

und dies hat in meinem Herzen so ein Glücksgefühl entfacht.

Meine Devise: Freude, die du anderen Menschen angedeihen lässt,

bringt dir sicher Zufriedenheit für des Lebens Rest.

Agnes Thinschmidt

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2016