GESUNDHEITSVORSORGE

Gesund bleiben ist das Beste

Bewegung, Ernährung, mentale Gesundheit – wir wissen alle, dass wir da ansetzen können. Sollte, müsste, schlechtes Gewissen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach.

FotoS: Gesundheitsresort Königsberg, Andi Bruckner

Dr. Sabine Stangl,

ärztliche Leiterin im

Gesundheitsresort

KönigsbergAin

Bad Schönau

Ausdauer-Bewegung in der kalten Jahreszeit? Ja, unbedingt: Raus mit Ihnen, auch wenn es kälter wird. Es gibt kein schlechtes Wetter, wenn man die richtige Kleidung hat. Zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche an der frischen Luft sollten es schon sein, sagt Dr. Sabine Stangl, ärztliche Leiterin im Gesundheitsresort Königsberg in Bad Schö- nau in der Buckligen Welt: „Flott spazieren gehen, dass man gerade noch gut miteinander reden kann, oder Nordic Walking – beides sehr empfehlenswert in der kalten Jahreszeit.“ Das tut den Muskeln gut, regt den Kreislauf an, ver- sorgt das Gehirn mit Sauerstoff und schützt so vor allen möglichen Zivilisationskrankheiten ebenso wie vor depressi- ven Verstimmungen und altersbedingten Abbauprozessen im Gehirn. Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall – wenn Sie sich bewegen, haben Sie bessere Karten.


Umfassendes Training

Doch was ist das richtige Maß? Zweieinhalb Stunden pro Woche, 150 Minuten also. Wer „nur“ spazieren geht, braucht kein schlechtes Gewissen haben, weiß Ärztin Sabine Stangl: „Hauptsache, der Kreislauf kommt in Schwung. Denn das brauchen wir, um gesund zu bleiben.“ Wer mit Stöcken geht, also Nordic Walking macht, tut gleichzeitig auch etwas für die Muskulatur in den oberen Extremitäten, denn beim kräftigen Ausschreiten mit Stock-Schub sind gut 90 Prozent aller Muskeln im Einsatz. Vorausgesetzt, Sie nutzen die Stöcke richtig, lassen sie nach dem Schub los und packen dann wieder fest zu. Wenn man beim flotten Spaziergang die Arme mitschwingen lässt, ist das aber auch eine kraftvolle Aufwertung.


Rutschgefahr

Und was tun, wenn das Wetter einfach zu schlecht ist? Wenn es rutschig, schlammig oder eisig und damit gefährlich

ist? Für Kurärztin Stangl kein Grund zum Faulenzen: „Mit entsprechendem Schuhwerk kann man fast bei jedem Wet- ter

kraftvoll ausschreiten“, ermutigt sie, den Schweinehund zu ignorieren und stattdessen die Lungen mit Frischluft zu füllen. „Und wenn es gar nicht anders geht, muss man auf einen Ergometer ausweichen oder ins Fitnessstudio ge- hen.“


Kraftwerk Muskeln

Ausdauer ist gut, aber auch Kraft brauchen wir, und das bis ins hohe Alter. Die gute Nachricht: Es lohnt sich jeder- zeit, die Muskeln zu kräftigen. Starke Muskeln schützen den Körper vor Fehlbelastungen und Verletzungen. Und sie sind tolle Fettverbrenner: Erhöhen Sie den Anteil der Muskulatur im Körper, erhöht sich auch Ihr Grundumsatz – jene Menge an Kalorien, die Sie im Ruhezustand brauchen. Und wie macht man das? Sabine Stangl ist da sehr deutlich: „Idealerweise im Fitnesscenter, denn Sie brauchen eine gute Anleitung, um die Übungen richtig zu machen.“ Auch andere Anbieter gibt es, zum Beispiel Stangls Arbeitsplatz, das Gesundheitsresort Königsberg in Bad Schönau. „Natürlich haben wir auch Kurse für Menschen, die keine Kur machen.“ Hören Sie sich also in Ihrer Region um, viel- leicht gibt es sogar etwas in Ihrem Wohnort, zum Beispiel einen Kurs für Rückengymnastik. Und natürlich sind es auch die uralten, millionenfach bewährten Dinge, die den Muskeln Kraft verleihen, Kniebeugen zum Beispiel. Zwei Mal in der Woche Krafttraining sollte zum Gesundbleiben auf Ihrem Kalender stehen, jeweils 30 Minuten lang.


Koordination trainieren

Und noch ein Trainingsfeld gibt es – eines, das leicht zu bewältigen ist und auch noch Spaß macht. Denn starke Muskeln und ein kräftiger Kreislauf müssen auch wissen, wohin mit der Energie und wie man die täglichen Heraus- forderungen gut bewältigen kann: Damit Bewegungen wie das Tragen eines vollen Glases oder der kleine Sprung über die Lacke gut gelingen, braucht es Koordinationsfähigkeit. Und wie trainiert man die? „Natürlich können Sie zum Beispiel üben, mit drei leichten Tüchern zu jonglieren oder auf einer Wackelplatte Kniebeugen machen. Aber

die einfachste Version ist: Zähne putzen im Einbein-Stand.“ Also, die erste Minute auf dem rechten Bein stehend und die zweite Minute auf dem linken. Und wenn das kei- ne Herausforderung ist, versuchen Sie, dabei die Augen zu schließen.

Und im Alltag? „Es geht darum, einfach einmal etwas anders zu machen. Zum Bei- spiel im Büro für eine Minute aufzustehen und das eine Bein zu schwingen.“ Allein so kleine Änderungen können das Wohlbefinden steigern.


Die richtige Energie

Wer sich ausreichend bewegt, dem fällt die Gewichtskontrolle leicht, ist die Kurärztin überzeugt. Woher unser Körper die Energie für den Alltag bekommt, ist allerdings kei- nesfalls gleichgültig. Eine ausgewogene Ernährung mit einem großen Anteil an fri- schem Gemüse und Obst sei ideal. „Essen Sie, was es in der jeweiligen Jahreszeit gerade frisch aus unserer Region gibt. Diese Lebensmittel haben die richtigen Nähr- stoffe, die Sie gerade jetzt

brauchen.“ Fertigprodukte kann die erfahrene Ärztin keinesfalls empfehlen. Selber kochen sei ein hervorragendes Rezept. Und falls Ihnen da die Lust oder die Rezepte fehlen, rät Stangl zu einem Kochkurs. „Bei uns zum Beispiel sind die Teilnehmenden immer wieder total erstaunt, dass man mit wenigen Zutaten wunderbare Speisen ma- chen kann. Die passenden gesunden Rezepttipps findet man kostenlos auf unserer Website.“


Mentale Gesundheit

Und dann wäre da noch der Stress und die mentale Gesundheit, weiß Stangl: „Gera- de jetzt, in der dunklen Jahreszeit, braucht die Seele Zuwendung. Das Beste gegen das Winterdunkel ist auf jeden Fall Bewegung – also, raus in die frische Luft. Wer sich regelmäßig bewegt, reduziert die Stresshormone. Bewegung wirkt antidepressiv und fördert das Wohlbefinden. Das Gehirn wird besser durchblutet und die kognitiven Fä- higkeiten wachsen.“ Noch ein gutes Argument für frische Luft und Bewegung. Und sonst? Ein bisschen Stille. In Ruhe einen Tee trinken und ins Kerzenlicht schauen. Schließlich ist es ja jetzt die stillste Zeit im Jahr.


Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2017