WECHSELJAHRE

Wechselvolle

Zeit

Sind die Wechseljahre ein Leiden, das alle Frauen trifft? Wie steht es um die Risiken der Hormonersatztherapie? Was können pflanzliche Mittel im Kampf gegen Hitzewallungen?

Foto: Fotolia/missty, Thomas Karl

Dr. Doris Linsberg- er, Gynäkologin in Krems

Das Klimakterium ist ein heißes Thema, doch nicht alles, was frau über diese wechselvolle Zeit hört und liest, stimmt. Um diese Lebensphase ranken sich viele Halbwahrheiten und Mythen. GESUND&LEBEN bat die Kremser Gynäkolo- gin Dr. Doris Linsberger zum Faktencheck.


Der Wechsel beginnt mit 50

„Das stimmt definitiv nicht“, sagt die Gynäkologin, „Wechsel bedeutet den Übergang von der fruchtbaren zur unfrucht- baren Lebensphase, und der beginnt bei den meisten Frauen in ihren Vierzigern. Gekennzeichnet ist diese Zeit durch das Nachlassen der Hormonproduktion in den Eierstöcken, wobei zuerst das Gelbkörperhormon Progesteron vermin- dert gebildet wird. Dadurch kann die Regelblutung unregelmäßig, stärker, schwächer, häufiger oder weniger häufig werden. Manche Frauen leiden in dieser Zeit unter psychovegetativen Beschwerden wie Schlafstörungen, verminder- ter Belastbarkeit oder Stimmungsschwankungen.“ Um das 50. Lebensjahr herum haben dann die meisten Frauen ihre letzte Regelblutung; zu diesem Zeitpunkt findet also die sogenannte Menopause statt. „Jetzt sinkt auch der Östro- genspiegel und damit können auch die berüchtigten Hitzewallungen und Schwitzen verbunden sein.“


Alle Frauen haben Beschwerden

„Das ist nicht richtig“, stellt Doris Linsberger klar. Bei vielen Frauen verlaufen die Wechseljahre sozusagen sang- und klanglos. Andere haben leichtere Probleme, nur 20 bis 30 Prozent leiden unter starken Beschwerden, die laut der Gy- näkologin aber effektiv behandelt werden können und sollen.


Das Depressionsrisiko ist größer

Das stimmt. Bei manchen Frauen können Depressionen auftreten. „Durch den Abfall des Progesterons kann es zu Stimmungsschwankungen und depressiven Verstimmungen kommen. Davon betroffene Frauen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Progesteron-Ersatztherapie profitieren. Meine Erfahrung zeigt, dass diese sehr gut wirkt.“


Die Beschwerden dauern ein bis zwei Jahre

Das ist nicht richtig. „Manche Frauen haben nur ein paar Monate lang Beschwerden, andere tatsächlich ein bis zwei Jahre, und einige wenige leiden sogar zehn bis 15 Jahre“, sagt Doris Linsberger. „Letztere brauchen unbedingt eine adäquate Therapie, um die Beschwerden zu

lindern.“


Nur Hormonersatztherapie hilft

Die Hormonersatztherapie als einzige effektive Therapie? „Bei erträglichen Beschwerden sollte man zunächst zu pflanzlichen Mitteln greifen. Erst wenn diese nach zwei bis drei Monaten keine ausreichende Wirkung zeigen, sollte man eine Hormonersatztherapie einsetzen. Diese ersetzt, wie der Name schon sagt, jene Hormone, deren Mangel Beschwerden auslösen kann“, sagt die Gynäkologin.


Hormonersatztherapie als Jungbrunnen

Die Fachärztin weiß auch, dass die Hormonersatztherapie in mancher Hinsicht eine schützende Funktion hat: „So- bald der Östrogenspiegel sinkt, steigt etwa das Risiko für Osteoporose deutlich an, genauso wie das Risiko für Herz- Kreislauf-Erkrankungen. Die Hormonersatztherapie bietet dagegen Schutz und einen zusätzlichen Effekt: Sie hilft ge- gen das Trockenwerden der Haut und Schleimhäute, das durch den Östrogenmangel im Wechsel ausgelöst wird.“


Hormonersatztherapie erhöht Krankheitsrisiken

Allerdings steht die Hormonersatztherapie auch im Kreuzfeuer der Kritik. Unter anderem heißt es, dass sie das Risiko von Brustkrebs erhöht und anfällig für Herzinfarkt und Schlaganfall macht. „Ungünstige Hormonkombinationen, zu lange Anwendung und zu hohe Dosis machen das Gift!“, lautet das Resümee von Doris Linsberger.


Pflanzenmedizin ist wirkungslos

In vielen Fällen empfiehlt die Expertin pflanzliche Präparate, denen manche Kritiker aber die Wirkungsfähigkeit ab- sprechen. Doch sie sind nicht wirkungslos. „Leichtere Beschwerden kann man mit alternativen Methoden und pflanzli- chen Medikamenten behandeln. Viele Frauen erzielen damit sehr gute Effekte“, sagt die Gynäkologin.


Wechsel ist gleich Lustlosigkeit

Tatsächlich muss frau nicht immer gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen, es gibt auch Hilfsmittelchen ohne Ne- benwirkungen, zum Beispiel gegen die oft kolportierte sexuelle Lustlosigkeit. Auch die ist natürlich ein Mythos, denn zwar werden in dieser Lebensphase die Scheidenschleimhäute trockener, was Sex schwieriger oder anders macht, aber lokale Salben und Gleitgels schaffen hier rasch und effizient Abhilfe. „Wir sind Zeit unseres Lebens auch sexuel- le Wesen, aber die Sexualität verändert sich mit dem Alter wie vieles andere an uns. Wer sich mit seinem Körper aus- einandersetzt und auf seine Signale hört, wird auch in dieser Lebensphase eine befriedigende Sexualität leben kön- nen“, weiß Doris Linsberger.


Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2018