KUREN & REHABILITATION IN NÖ - GESUNDHEITSVORSORGE AKTIV

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Aktiv kuren bringt Lebensqualität

„Gesundheitsvorsorge Aktiv“ heißt ein neues medizinisches Leistungsangebot, das hilft, gesünder zu werden. Es ersetzt weitgehend die bisher bekannte Kur. Die Rehabilitation gibt es weiterhin.

Wir leben länger – aber leider verbringen wir laut Statistik die gewonnenen Jahre nicht im Vollbesitz unserer Kräfte, sondern plagen uns mit einer bis mehreren Krankheiten herum. Oft sind das Lebensstil-Erkrankungen wie Diabe- tes, die Knochen schmerzen und machen Bewegung schwer, viele Menschen leiden an Übergewicht und psy- chischen Problemen. Deshalb entwickelten, unter der Lei- tung der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), Experten aus den Bereichen Prävention, Lebensstilmedizin und Praktiker aus dem Kurwesen eine „neue“ Kur, die ganz individuell auf die stärksten Belastungen der Menschen zugeschnitten werden kann: die „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA). Diese wurde drei Jahre lang in einzelnen Pilot-Kurhäusern getestet und hat sich bewährt. Nun wird die GVA flächendeckend ausgerollt.

Die GVA dient vor allem der Gesundheitsvorsorge bei Er- krankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Aber auch die mentale Gesundheit ist ein wesentliches Thema. Bei Erwerbstätigen steht dabei der dauerhafte Erhalt der Arbeitsfähigkeit im Mittelpunkt, bei den Pensionistinnen und Pensionisten soll die GVA dazu beitragen, dass sie möglichst lang ohne Pflege auskommen. Hauptziel für alle: ein besserer Lebensstil, mehr Lebensqualität und damit auch mehr gesunde Lebensjahre.


Aktiv werden

Im Vergleich zum bisherigen Kurmodell stehen bei der GVA mehr Aktivtherapien am medizinischen Programm: Man geht zum Beispiel in der Gruppe walken, macht

Wassergymnastik oder hat Gruppen-Gymnastikeinheiten zu speziellen Themen, zum Beispiel für die Schultern, die Hüftgelenke oder den unteren Rücken. Dabei geht es je nach medizinischer Notwendigkeit um Bewegungsoptimie- rung und Bewegungsmotivation. Man lernt, wie man die Muskeln gut kräftigt, um sich künftig schmerzarm oder schmerzfrei bewegen zu können. Krafttraining kann man ebenso testen wie regelmäßiges Ausdauertraining. Die mentale Gesundheit spielt in der GVA eine wichtige Rolle. Was ist Stress, wie kann man ihn verarbeiten? Was braucht man, um nicht überlastet zu sein oder gar auszubrennen? Auch das Thema Ernährung spielt eine Rolle. Die GVA besteht aus sogenannten Basis-Modulen für alle und aus einem Mix an speziell zusammengestellten An- geboten, je nach Bedarf: Braucht man Entspannungstraining oder ein Gespräch mit einer Psychologin, spezielle Heilgymnastik oder allgemein mehr Kraft oder intensive Ernährungsberatung? Das alles kann die GVA bieten. Und das in Betrieben, die die von der PVA geforderten Qualitätskriterien einhalten. Prim. Dr. Johannes Püspök, ärztli- cher Leiter im Moorheilbad Harbach im Waldviertel, hat bereits seit Start des Pilotprojektes Erfahrung mit der neu- en Form der Kur gesammelt. Er sieht die GVA als „Paradigmenwechsel: Anders als bisher wird die Eigenverant- wortung des Patienten für seinen Lebensstil und damit für seine Gesundheit in den Vordergrund gestellt.“

Gesündere Richtung

Die GVA kann aber nur der Anfang sein, um dem eigenen Leben eine neue gesün- dere Richtung zu geben. Wichtig ist, schon während der Zeit in der Kureinrichtung gut zu planen und mit den verschiedenen Expertinnen und Experten zu besprechen, wie man die neu gelernten Übungen, Programme und veränderten Gewohnheiten auch in den Alltag integrieren kann. Denn der Lebensstil ist etwas, das man schon selber machen muss, das kann einem im Alltag niemand abnehmen. Und eine Ver- änderung, die man dauerhaft beibehalten will, braucht einen langen Atem und gute Motivation. GVA heißt, sich auch darum aktiv zu bemühen. Die GVA dauert 22 Tage. Der Aufenthalt kann, anders als bisher, auch in zwei Teilen absolviert werden.  Denn aus persönlichen Gründen wie Familie oder Beruf ist es manchmal kaum möglich, drei Wochen am Stück für eine stationäre Gesundheitsmaßnahme von zu Hause wegzubleiben.


Medizinische Rehabilitation

Die Rehabilitation ist ein Heilverfahren bei einem organischen Leiden. Sie soll hel- fen, mit der Erkrankung möglichst gut leben zu können und Einschränkungen zu- rückzudrängen. Dafür nutzt man aktive und passive Therapieformen in Verbindung mit örtlichen Heilvorkommen wie Heilmoor oder Thermalquellen. Rehabilitation gibt es zum Beispiel nach schweren akuten Erkrankungen wie Herzinfarkt oder nach größeren Eingriffen wie etwa Gelenks- und Wirbelsäulen-Operationen. Eine individu- elle abgestimmte Therapiekombination hilft, das gesundheitliche Ziel zu erreichen. Die Pensionsversicherungsanstalt bewilligt die Art und die Dauer der Maßnahme so- wie die geeignete Einrichtung.


KUR-INFOS AUS ERSTER HAND


Wohin auf Kur? Umfassende Informationen über das gesamte Angebot hat der Österreichische Heil- bäder- und Kurorteverband.

Die Vielfalt an heimischen Kurzentren deckt ein breites Spektrum an Angeboten ab – aber woher weiß man, welche Einrichtung den eigenen Vorstel- lungen und Bedürfnissen am besten entspricht?

Beratung und Information bietet der Österreichi- sche Heilbäder- und Kurorteverband, die wichtigste Informationsstelle für heimische Heilbäder, Kurbe- triebe, Kurorte und Kneippkureinrichtungen. Für Kur-Interessierte gibt es auch die Broschüre „Kur, Therme, Kneipp in Österreich“, die detailliert Aus- kunft über alle Kureinrichtungen gibt. Sie enthält außerdem alle Kontaktdaten, das Behandlungs- und Therapieangebot sowie die jeweiligen natürli- chen Heilvorkommen.


Österreichischer Heilbäder- und Kurorteverband: Wiedner Hauptstraße 120–124/4/444, 1050 Wien, Tel.: 01/5121904, info@oehkv.at, www.oehkv.at

Prim. Dr. Johannes Püspök, Ärztli- cher Leiter Moorheilbad Harbach im Waldviertel

Informationen:

www.pensionsversicherung.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018