VOLKSKRANKHEITEN I KREBS

Volkskrankheit

Demenz

22.000 Menschen leiden in Niederösterreich an Demenz. Wichtig ist die möglichst frühzeitige Diagnose und ein wertschätzender Umgang mit den Betroffenen.

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Prim. Univ.-Doz. Dr. Friedrich Längle, Leiter der Chirurgis- chen Abteilung am Landesklinikum Wiener Neustadt

Dass wir alle immer älter werden, hat sein Gutes, doch es bringt auch Gefahren mit sich. Etwa die mit höherem Alter steigende Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Schon jetzt leiden 22.000 Menschen in Niederösterreich an der „Krankheit des Vergessens“; bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl durch die steigende Lebenserwartung der Be- völkerung verdoppeln.


Warnsignale & Diagnose

Woran erkennt man Demenz? „Hinweise sind auffallende Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, also Klassiker wie die brennende Herdplatte oder der unauffindbare Schlüssel“, erklärt Dr. Andreas Schneider, Leiter der NÖ Psychia- trie-Koordinationsstelle beim NÖ Gesundheits- und Sozialfonds. „Ein Warnsignal ist auch, wenn jemand sich aus dem Sozialleben zurückzieht. Das kann aber auch ein Zeichen für eine Depression sein, ebenso wie eine Depressi- on auch auf eine Demenz hindeuten kann.“ Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie betont, wie wichtig es ist, dass Betroffene sich an Vertrauenspersonen wenden. Einen kleinen Test, den Uhren-Test, findet man auf der Home- page des Demenz-Service NÖ (www.demenzservicenoe.at). Die Diagnose stellt der Facharzt für Neurologie, ergänzt durch die gründliche Testung durch einen Klinischen Psychologen.


Wertschätzung als oberstes Prinzip

Leider ist die Erkrankung nach heutigem Wissensstand nicht heilbar. „Mit Verhaltens- oder Gedächtnistraining und Medikamenten kann man den Krankheitsverlauf aber um gut zwei Jahre verzögern und danach stabilisieren“, erklärt Schneider. Er weist darauf hin, dass Betroffene erst einmal lernen müssen, worum es geht, und sich darauf einstel- len.

Ganz wichtig ist auch, wie die Umgebung des Erkrankten mit dem Problem umgeht. Eine wertschätzende Haltung dem Erkrankten gegenüber zählt hier am meisten. Experten empfehlen die  Methode der Validation, die grundsätz- lich leicht zu erlernen ist. Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, „in den Schuhen des anderen zu gehen“, also zu versuchen, die Welt aus seiner Sicht zu sehen und ihn daher auch besser zu verstehen. Ein wichtiger Grundsatz: den Erkrankten weder beschwichtigen noch korrigieren. Stattdessen empfiehlt es sich, immer mit W-Fragen nachzu- fragen, also wer, was, wann, wo, wie – aber nicht „warum?“


Die speziellen Probleme

Von Demenz betroffene Menschen fühlen sich meist am wohlsten in gewohnter Umgebung. Anderswo sind sie schnell desorientiert. Das kann aber auch zu Hause auftreten: Symbolbilder beispielsweise auf den Türen von Bad und Toilette können helfen. Dabei sollte man, wie auch in anderen Belangen, auf die Biographie des Betroffenen Rücksicht nehmen und auf das, was er gut kennt. Ängste und Zwänge sowie aggressives Verhalten sind häufige Probleme in Zusammenhang mit Demenz. Wertschätzung ist immer angesagt, bei Zwängen und Aggressivität kann man auch mit dem Mittel der Ablenkung arbeiten.

An Demenz erkrankte Personen sind nicht an sich aggressiv, meist machen wir sie durch unser falsches Verhalten wütend. Natürlich wird man in manchen Situationen auch Grenzen setzen müssen und bei manchen Problemen den Arzt einschalten. Er kann eine hilfreiche medikamentöse Therapie einleiten.

Man kann der Demenz vorbeugen, sagen Experten: Bewegung, gesunde Ernährung und eine Teilhabe am sozialen Leben wirken nachgewiesenermaßen präventiv. Achten Sie also auf gute Gesundheit und einen gesunden Lebens- stil!


Gabriele Vasak

Demenz-Service NÖ


Informationen und Angebote zum Thema Demenz in Niederösterreich findet man auf der neuen Website www.demenzservicenoe.at über- sichtlich und aktuell zusammengefasst: Vom Krankheitsbild, Anlaufstellen für Betreuung und Therapie, Unterstützungs- und Entlastungs- möglichkeiten, Veranstaltungs- und Literaturtipps bis hin zu vorbeugenden Gesundheitstipps.


NÖ Demenz-Hotline: 0800 700 300


Die neue kostenlose NÖ Demenz-Hotline bietet Betroffenen und Angehörigen Informationen und lotst sie an die für sie richtigen Experten im Gesundheitssystem. Die Anrufenden finden so rasch die bestmögliche wohnortnahe Betreuung und die richtige Ansprechperson für ihr An- liegen.

NÖ Demenz-Hotline: 0800 700 300 (Montag bis Freitag: 08:00–16:00 Uhr)

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2017