GESUND WERDEN & BLEIBEN  - BLUTHOCHDRUCK

(v.l.) Mag. Elisabeth Biermeier (Vizepräsidentin der Apothekerkammer NÖ), Dr. Miklas Rohla (3. Medizinische Abteilung für Kardio-logie Wilhelminenspital, Wien), Mag. Michael Maiwald (Rosen-Apotheke), Mag. Jan Pazourek (Generaldirektor der NÖGKK), Ing. Maurice Androsch (Gesundheits-Landesrat), Mag. Heinz Haberfeld (Präsident der Apothekerkammer NÖ)

FOTO: ÖSTERREICHISCHE APOTHEKERKAMMER/APA-FOTOSERVICE/NIELSEN

Unter

Druck

Drei von fünf Bluthochdruck- Patienten haben trotz Medikamenten zu hohe Werte. Betroffen sind vor allem Menschen, die Diabetes haben, übergewichtig oder alt sind.

Zu hoher Blutdruck verursacht nur selten Symptome. Daher wird die Erkrankung auch als „stiller Killer“ bezeichnet. Jeder dritte Erwachsene in Österreich ist von Bluthochdruck betroffen. Bei den über 60-Jährigen ist etwa die Hälfte an arterieller Hy- pertonie erkrankt. Damit ist Bluthochdruck in Österreich – wie auch in vielen anderen westlichen Industrienationen – zur Volks- krankheit aufgestiegen und einer der bedeutendsten Risikofak- toren. Bluthochdruck gilt als Ursache für etwa zwei Drittel aller Schlaganfälle und die Hälfte aller Herzinfarkte.


Zahlen zur Behandlungsqualität

In Österreich wurden die letzten repräsentativen Daten in den späten 1990er Jahren erhoben. Im Vorjahr führten die NÖ Apo- theken, unterstützt von der Initiative »Tut gut!« und der NÖ Ge- bietskrankenkasse, eine Studie durch. Sie sollte diese Lücke schließen und die Wirksamkeit der Behandlung von Bluthoch- druck untersuchen. Die Apothekerinnen und Apotheker maßen in einem zehntägigen Erhebungszeitraum bei 4.303 Patienten, die mit einem Rezept für ein Medikament gegen Bluthochdruck

in die Apotheke gekommen waren, den Blutdruck. Diese Patienten hatten im Mittel Rezepte für 2,2 verschiedene Substan- zen gegen Bluthochdruck, 45 Prozent erhielten ein modernes Kombinationspräparat. Bei einem Grenzwert 140/90 mmHg er- reichten nur 41 Prozent der Patienten die angestrebten Blutdruckwerte.

Studienleiter Dr. Miklos Rohla, Kardiologe an der 3. Medizinische Abteilung des Wilhelminen-spitals in Wien, sieht dies als einen alarmierenden Wert: „Das sind diagnostizierte und behandelte Patienten, die ihre Therapie verordnet einhalten.“

3,7 Millionen Packungen an Medikamenten gegen Bluthochdruck wurden im Vorjahr allein von Versicherten der NÖGKK bezogen, sie kosten 41 Millionen Euro. NÖGKK-Generaldirektor Mag. Jan Pazourek sagt: „Jeder fünfte NÖGKK-Versicherte bekommt Hypertonie-Medikamente. Gleichzeitig wissen wir, dass die Dunkelziffer der Hypertoniker viel höher liegt: Viele Be- troffene kennen ihre Gefährdung gar nicht – weil man Bluthochdruck kaum spürt.“ Besorgniserregend sei, dass viele der ver- schriebenen Medikamente nicht oder nicht ausreichend eingenommen werden – das haben ebenfalls die Ergebnisse der Aktion gezeigt. Hier sind Aufklärung und Erhöhung der Gesundheitskompetenz die Mittel der Wahl. Darüber hinaus setzt die NÖGKK Schwerpunkte in den Bereichen Bewegung und Ernährung, um schon frühzeitig der Volkskrankheit Bluthochdruck vorzubeugen.


Intensive Beratung

158 niederösterreichische Apotheken beteiligten sich an der Bluthochdruck-Studie. Sie liefert Antworten darauf, welche Fak- toren auf die Blutdruckkontrolle tatsächlich Einfluss haben. Erschreckend ist, dass die Wahrscheinlichkeit, das Blutdruckziel zu erreichen, um 20 Prozent sinkt, wenn man Diabetiker ist, betont Mag. pharm. Hans Haberfeld, Präsident der Apotheker- kammer NÖ: „Die Studie zeigt, dass nur zwei von fünf Behandelten ihren Blutdruck ausreichend unter Kontrolle haben. Wir müssen weiter das Bewusstsein zum Thema Bluthochdruck schärfen und vermehrt auf die Therapie-Treue schauen. In den Apotheken werden wir Bluthochdruck-Patienten noch intensiver unterstützen.“

BLUTHOCHDRUCK: WAS TUN?


Ideale Blutdruckwerte liegen bei 120/80 mmHg. Normale Werte unter 135/85 mmHg bei der Selbstmessung. Werte darüber werden als Bluthochdruck qualifiziert, wobei man zumin- dest über eine Woche morgens und abends misst und daraus den Durchschnittswert be- rechnet. Bluthochdruck ist sehr häufig auf Le- bensstilfaktoren zurückzuführen. Bei Überge- wicht, Bewegungsmangel oder zu hohem Salz- konsum kann es bei leicht erhöhten Werten hel- fen, den Lebensstil zu modifizieren, um auf Me- dikamente verzichten zu können. Falls dies nicht gelingt, ist eine medikamentöse, blut- drucksenkende Therapie unbedingt erforder- lich, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkran- kungen zu senken.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2016