GARTEN

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Ein Garten

für immer

Gartenarbeit kann den Pensionsschock vergessen lassen.

Mit ein paar Helfern kann man den Garten bis ins hohe Alter selber bewirtschaften – und genießen.

Wieder steht der Postler mit einem Paket vor der Türe. Marianne verdreht die Augen und ruft ihren Mann: „Schatz, kommst du mal, da ist was für dich, was Gro- ßes.“ Walter stapft mit einem breiten Grinser zur Tür, „da ist es ja, mein kleines Gewächshäuschen.“ Walter hat nämlich begonnen, seine Pflänzchen selber aufzu- ziehen, um sie dann in seinem Garten auszusetzen. Walter ist zu einem Profihobbygärtner geworden, die Garten-Bücher stapeln sich am Nachtkastl und die Heizkörper in der Wohnung sind mit seinen kleinen zar- ten Pflänzchen bevölkert. Marianne hat ihre liebe Not

mit ihrem Mann, seit er in Pension ist. Früher war er den ganzen Tag weg und kam erst, ein bisschen mürrisch zwar, am Abend wieder nach Hause. Heute hat er schon in der Früh gute Laune und pfeift ein fröhliches Gärtnerliedchen. Noch dazu ist die ganze Wohnung voll mit seinen Garten-Utensilien: Schaufeln, Spaten, Düngerfläschchen, undichte Samensackerl und Minigießkannen stehen überall herum: „Beim Gießen muss man vorsichtig sein, sonst ertränkt man die Kleinen“, sagt Walter liebevoll. Fast 40 Jahre war er im Verwaltungsdienst tätig, hat sich bis zum Abteilungsleiter hochgedient. Aber seit er in Pension ist und zu Garteln begonnen hat, ist er im wahrsten Sinn des Wortes aufgeblüht.


Rund ums Jahr Freude

Schon im Februar geht bei ihm die Gartensaison los. Dann setzt Walter Pfefferoni, Tomaten, Gurken und Kürbispflanzen in lange Plastik- schalen mit Deckel ein. Nach ein paar Tagen kommen aus den Samen schon die zarten Pflänzchen heraus. „Ein echtes Wunder“, jubelt Walter. Dazwischen wuchert der junge Schnittlauch, und alle Junggewächse warten, dass sie in die frische Gartenerde dürfen. Auch Mari- anne ist dann froh, dass alle draußen sind und sie ihre Heizkörper von Erde befreien kann.

Walter tut die Gartenarbeit gut, seinen Pensionsschock hat er schnell vergessen. Mit seiner Abfertigung hat er sich einiges für seinen Gar- ten geleistet, etwa einen Rasenroboter und eine Bewässerungsanlage. „Je älter man wird, umso mehr Technik braucht man im Garten“, schmunzelt Walter, in dem nicht nur ein Gärtnerherz schlägt, sondern auch eine Technikerseele ruht. Stolz fachsimpelt er über Schaltkrei- se und eine automatische Sonnengießeinstellung. Und gebaut hat er auch etwas, ein Hochbeet, da fällt nicht nur das ungesunde Bücken weg, sondern den Schnecken macht er auch einen Strich durch die Rechnung. Das liebt Marianne, wenn Walter stolz mit einem frisch ge- pflückten Salat oder einem duftenden Rucola-Bund in die Küche kommt „da ist meine Frau dann auch

wieder glücklich mit mir“, sagt Walter augenzwinkernd.


Hausapotheke

Marianne liebt aber auch Walters Kräuterbeet, eigentlich hat sie es in Besitz genommen: „Das ist unsere Hausapotheke. Sie macht wenig Arbeit, mit Kräutern kann einfach nix schiefgehen, die wachsen wie von alleine“, freut sich Marianne. In der eingezäunten Garten-Apothe- ke wachsen Lavendel, Salbei, Minze und Brennnessel, aus denen Marianne Tee macht. „Brennnessel entgiften den Körper nach einem langen Winter“, hat sie in einem von Walters Büchern gelesen. Ein Heilkraut ist auch die Goldrute, sie tut den Nieren gut, und natürlich darf Beinwell nicht fehlen, „wenn wir uns mal wo anhauen, dann macht meine Frau schnell eine Kompresse mit Beinwell.“ Der Wirkstoff Al- lantoin fördert die Wundheilung. Fehlen darf auch nicht der Löwenzahn, den man als Salat verwenden kann – und die Wurzel enthält Bit- terstoffe, die gut für die Leber sind.

Walter und Marianne sind stolz auf ihren Garten und dass sie die Arbeit gemeinsam noch schaffen, „alles macht Arbeit, aber man kann sich vieles erleichtern und auf pflegeleichte Pflanzen setzen.“ Manchmal messen sich Marianne und Walter ein bisschen, wer den besse- ren grünen Daumen hat – und so bleibt ihre Ehe auch noch frisch und knackig.


Sandra Sagmeister

Heilpflanzen und ihre Wirkung


Auf der Garten Tulln, der großen NÖ Bio-Gartenschau, hat die Apothekerkam- mer eine eigene Naturapotheke mit über achtzig Arzneipflanzen eingerichtet: Der Apothekergarten gibt Einblick in die Welt der arzneilich verwendeten Kräu- ter und Pflanzen und informiert über Wirkweise und Anwendungsgebiete. Das Spektrum reicht von bekannten Pflanzen, wie Baldrian oder Wermut, bis zum kleinblütigen Weidenröschen, der Engelwurz oder der Geißraute. Auch giftige Pflanzen wie Tollkirsche oder Fingerhut haben pharmazeutische Bedeutung und sind daher in Tulln vertreten. Die Heilpflanzen sind neun Indikationsgebie- ten zugeordnet, wie zum Beispiel Herz/Kreislauf, Rheuma, Haut oder Ma- gen/Darm.

An folgenden Tagen und Terminen führen Apothekerinnen und Apotheker durch die Naturapotheke auf der Garten Tulln:

-13. Mai 2018, 20. Mai 2018,  3. Juni 2018,  12. Juni 2018,  14. Juni 2018,  15. Juni 2018, jeweils 15:00 Uhr

-17. Juni 2018, 11:00 Uhr und 16:00 Uhr – Gesundheitstag auf der Garten Tulln

Informationen: www.diegartentulln.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018