VOLL IM LEBEN - PORTRÄT

Die

Bienen- mama

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen haben Angst vor Bienen und versuchen sie sich vom Leibe zu halten. Zu den anderen gehört Christine Simek. Sie ist seit 27 Jahren Imkerin aus Leidenschaft.

FOTOS: PHILIPP MONIHART

In Christine Simeks Garten in Maria Anzbach ist die Natur zu Hause. Unterschiedliche Obstbäume – unter ihnen auch wahre Raritäten wie die Felsenbirne – finden sich darin. Eine „Natur im Garten“-Plakette ziert die Gartentür, Laufenten tummeln sich im Gras, ein Hund bellt und eine Katze schleicht durch ein Blumen- beet. Die Mutter von vier Kindern und vielfache Oma verrät ihr Alter nicht: „Unser Bürgermeister sagt, wenn ich mein Alter schätzen lasse, komme ich billiger davon.“ Seit 30 Jahren hegt und pflegt die Kräu- terpädagogin und Imkerin ihren Garten und ihre Tiere; diese Liebe zur Natur wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. „Mein Vater hat immer gesagt ‚Zubetonieren und grün anstreichen‘, wenn es um den Garten ging“, erklärt die Maria Anzbacherin. Das Interesse an Pflanzen und Tieren kam bei ihr erst durch die vier Kin- der.


Imkerei

„Man muss sie ja irgendwie beschäftigen“, meint sie, „und wir haben halt alles angeschaut, ausprobiert, zerlegt. In der Natur gibt es viel zu entdecken.“ Das hat nicht nur sie, sondern auch die Kinder geprägt. „Sie setzen sich Hustensirup selbst an oder kochen sich einen Tee, wenn es wo zwickt.“ Als der älteste Sohn, Thomas, eines Tages nach Hause kam und seinen Eltern offenbarte, dass er gerne Bienen züchten würde, war das anfangs ein kleiner Schock. Als er sich nicht von der Idee abbringen ließ, stimmten seine Eltern zu, jedoch: „Mein Mann hat beschlossen, dass ich die Imkerei mit Thomas gemeinsam erlernen muss, damit sich auch jemand um die Tiere kümmern kann, wenn der Bub in der Schule ist.“ So fand Simek vor 27 Jahren zur Imkerei, der sie bis heute treu geblieben ist.


Wissen

Ein Bienenvolk kostet etwa 120 Euro; der Preis schwankt von Jahr zu Jahr, je nachdem, wie dringend Bienen gebraucht werden und ob gerade viele Krank- heiten kursieren. Das Volk besteht aus einer Königin und zwischen 50.000 und 100.000 Bienen. Sechs sol- cher Völker betreut die Bienenmutter derzeit in ihrem Garten. Eine Imkerin aus dem Ort hat ihr beigebracht, was sie weiß. „Ich habe mir alles aufgeschrieben, was mir die ehemalige Schuldirektorin, Frau Dr. Waldherr, gesagt hat“, erzählt Simek, „und es kann noch heute passieren, dass ich meine alten Aufzeichnungen her- aushole und nachlese.“ Dieses Wissen gibt die Imke- rin heute ebenfalls gerne weiter.


Leidenschaft

In Maria Anzbach ist ein syrischer Flüchtling namens Abdullah untergekommen, der in seiner Heimat eben- falls Imker war. Er hat Simek bei der Arbeit geholfen und möchte selbst gerne wieder Bienen züchten. Des- halb hat die Bienenliebhaberin Spenden für ihn ge- sammelt, sodass er im nächsten Jahr sein eigenes Volk samt Bienenstock und Imkerjacke bekommt.

Seine Leidenschaft kann sie gut nachvollziehen: „Man hat Ruhe, wenn man bei den Bienen ist. Da viele Leute Angst vor den Tieren haben, ist man bei der Arbeit wirklich ungestört.“ Simek selbst hat keine Angst. Sie verrichtet die Arbeit am Bienenstock im Sommer mit Flipflops, kurzer Hose und Trägertop. Stiche könnten schon manchmal vorkommen, gibt sie zu, aber diese seien für sie nicht unangenehm.


Honig

So erzeugen die Bienen also den Honig, den Simek zu Met, Senf, Essig und Chili-Honig verarbeitet. Honig verkauft sie in Gläsern, ihrer verfügt über eine deutliche Apfelnote. Wahrscheinlich, weil so viele Apfelbäume in ihrem Gar- ten stehen. Der Honig entsteht nämlich, indem Bienen Pflanzennektar auf- nehmen, mit körpereigenen Stoffen anreichern und ihn dann in Waben spei- chern und reifen lassen. Die Waben werden mit einer Entdeckelungsgabel aufgemacht und geschleudert, sodass der Honig herausgepresst wird und in Gläser gefüllt werden kann. Normalerweise füllen sich die Waben so schnell, dass Simek alle vier Wochen schleudern kann. Damit versorgt sie ihre Kinder und Enkel, und auch die Nachbarn kaufen den Honig gleich nebenan. Die Honig-Saison beginnt um Ostern und endet meist Ende Juli. Das Wetter spielt dabei eine entscheidende Rolle. 2016 haben es die sechs Bienenvöl- ker in Simeks Garten nur auf 20 Kilo Honig gebracht. Im letzten Jahr waren es hundert Kilo mehr. „Der Grund ist ganz einfach“, erklärt die Expertin, „als die Pflanzen geblüht haben, hat es geregnet und die Bienen konnten nicht fliegen. Als die Sonne gescheint hat, hat nichts geblüht.“ Ein Phänomen, das die gesamte Gegend um den Wienerwald betraf. „Ist halt so“, lacht die Bie- nenmama. Denn ihr geht es nicht um das Geld, sondern allein um die Tiere.


MARKUS FEIGL


Fünf Tipps zur Behandlung von Bienenstichen

1. Wird man von einer Biene gestochen, sollte man zuerst den Stachel sorgfältig mit langen Fin- gernägeln oder einer Pinzette entfernen, ohne die darin befindliche Giftblase zu zerquetschen.


2. Spitzwegerich-Blätter zerkauen und die Stelle einreiben, damit die Schmerzen abklingen.


3. Löffel in heißem Wasser erhitzen und auf die Stichstelle legen. Wichtig: Machen Sie das nur bei sich selbst und niemals bei anderen, denn nur der Betroffene selbst kann abschätzen, wie lange er das heiße Metall auf der Haut aushält.


4. Ein Tuch in Salmiakgeist aus der Apotheke oder in Weinessig tränken und auf die Stichstelle legen.


5. Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion so- fort einen Arzt rufen!





1. Bienen können gut sehen, deshalb sollte man schnelle Bewegungen vermeiden. Sie reagieren aggressiv auf schwarze Kleidung. Saubere wei- ße Kleidung wird daher empfohlen.


2. Bienen haben einen guten Geruchsinn und verhalten sich abwehrend bei Parfum-, Alkohol- oder Schweißgeruch. Wegpusten sollte man Bienen nicht, denn das CO2 in unserem Atem deutet für die Biene einen Feind an.


3. Bienen haben einen Erschütterungssinn, des- halb sollte man in ihrer Gegenwart nicht klopfen, stoßen und rütteln.


4. Beim Gehen in Wiesen sollte man Schuhe tra- gen, um nicht mit nackten Füßen auf eine Biene zu treten.


5. Allergiker sollten Picknicke unter Nussbäu- men abhalten. Diese werden von Bienen gemie- den.

Fünf Tipps gegen Bienenstiche

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2016