Vera Russwurm zählt zu den erfolgreichsten Medien-Frauen in Öster- reich. Schon mit 18 war sie das „Tritsch Tratsch“-Girl in der gleichnami- gen Show. Derzeit ist sie jeden Freitagabend im ORF zu sehen: „Vera. Das kommt in den besten Familien vor“.

FotoS: Manfred Baumann, NLK Burchhart

IM PORTRÄT

Bewegung ist das Wichtigste

TV-Star Vera Russwurm ist ein echtes Energiebündel. Im Gespräch mit GESUND&LEBEN verrät sie, dass sie manchmal brüllt, sich nie langweilt, Schokolade nicht als Sünde sieht und wie sie mit den berührenden Schicksalen in ihrem Beruf umgeht.

Die Frau Doktor moderiert regelmäßig den Vorsorge- preis, den das Land Niederösterreich auslobt. Sie fin- det ihn toll: „Er ist sehr sinnvoll, weil er Ideen gibt und Vorbild ist.“ Bekannt ist Vera Russwurm schon seit über 30 Jahren durch ihre Bildschirm-Präsenz. Drei „Romy“ und zahlreiche andere Auszeichnungen bele- gen das. Sie hat Medizin studiert, aber die Medien- welt ist stärker: Mit 18 hat sie ihre erste TV-Show als „Tritsch-Trasch-Girl“ und ist seither fast immer in unse- rem Wohnzimmer präsent.


Gesund leben im TV-Business

Gesundheit – ab wann war das für sie ein Thema? „Es ist ja ein großer Unterschied, ob man etwas intellektuell erfasst und weiß, oder ob man es umsetzt“, sagt sie und berichtet von dem Spannungsfeld, in dem sie großgeworden ist: Ihr Vater ist heute mit über 90 noch topfit, raucht, seit er 17 ist, und liebt alles, was ordentlich fett ist. Ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter, die besonders gesundheitsbewusst lebt. Zum Thema wurde Gesundheit erst mit der Geburt ihrer drei Töchter. Vera, die nicht gerne kocht und schon gar nicht aufwändig, hat im- mer darauf geachtet, dass es in der Zeit mit den Kindern täglich warmes Mittagessen gibt, keine Fertigprodukte, nur frisch Gekochtes, und immer Salat – „der ist mir heute sogar wichtiger als Obst, Salat brauche ich immer.“ Und naschen? „Also, eine dunklere knackige Schokolade oder ein Kuchen muss schon jeden Tag sein. Eine Sünde? Nein, das gehört dazu.“ Und sonst? „Kaffee. Da brauch ich gleich drei in der Früh, leider.“

Das Wichtigste für die Gesundheit, findet Russwurm, ist Bewegung. Und die Freude daran. Sie selbst durfte als Heranwachsende ge- meinsam mit ihrem Bruder verschiedene Sportarten erlernen, und so hat sie esauch bei ihren drei Töchtern gehalten. Das fruchtet: Die drei erwachsenen Mädchen gehen alle laufen und ins Fitnessstudio – „die Motivation zur Freude an der Bewegung funktioniert.“ Russ- wurm selbst hält sich aus einem tiefen Bedürfnis daran: Ist sie wütend, hilft schreien, aber noch besser, sich auf der Laufrunde auszu- powern.

Bei der jüngsten Pressekonferenz zum Vorsorgepreis fragt sie die verdutzten Journalisten, wer denn heute schon Bewegung gemacht hat – sie sei immerhin schon drei Minuten Springschnur gesprungen, ein schnelles intensives Gesundheitstraining, das man immer ma- chen könne, „nur drei Minuten – da gibt es keine Ausrede“.

Eislaufen, Radfahren, Schifahren und andere Sportarten hat sie mit ihren Mädchen gemacht. Und als berufstätige Mutter oft einfach mit den Kindern im Garten Fangen gespielt – statt der Laufrunde. „Da ist man nach einer Stunde auch ordentlich durchgeschwitzt!“ Was ihr wichtig ist: „Natürlich sollen Kinder Sport machen. Aber sie brauchen auch unbedingt Zeit zum Träumen, Freundetreffen und Nichtstun – wir dürfen sie nicht mit zu vielen Terminen überfordern.“


Gutes Sozialleben

Die Familie geht Vera Russwurm über alles. Drei Dinge für die einsame Insel? Die Frage kann sie nur beantworten, wenn „Familie“ als ei- ner der drei Punkte akzeptiert ist. Ihr Ehemann Peter Hofbauer, Direktor des Theaters Metropol in Wien, und wie sie selbst abends oft eher spät zu Hause, ist für sie wichtigste Ansprechperson, wenn sie beruflich mit kaum fassbaren Tragödien konfrontiert ist. In den Ge- sprächen mit ihrem Mann könne sie das alles ablegen und abschließen. In ihrem aktuellen Format „Vera. Das kommt in den besten Fami- lien vor“ am Freitagabend trifft sie nur auf Menschen, die „durch den Tunnel durch sind;  besonders wenn ich vom Tod junger Menschen oder Kinder erfahre oder anderes Schlimmes ins Leben knallt, wenn man die eigene Endlichkeit begreift, relativiert sich so manches.“ Sie sei sehr viel gelassener geworden seither, sagt Vera. Und dankbar. Für ihre Kinder, ihren Mann, dass alle gesund sind, für ihr gutes Leben.


Kraftquelle Freundschaft

Nur eine Freundin hat die Talk-Queen aus der Medienbranche, Job und soziales Netz hält sie fein säuberlich auseinander; manche Freundin hat sie schon seit der Schulzeit. „Das sind echte Freundschaften, aber die muss man auch bewusst pflegen. Es ist generell sehr wichtig, sozial eingebettet zu sein.“ Als ihre Töchter klein waren, habe sie diese Freundinnen zu Hause getroffen, Nachmittage ge- meinsam verbracht. Und heute? „Wenn ich ins Museum will, frag ich meinen Mann, die Kinder oder eine Freundin. Dann gehen wir an- schließend noch einen Kaffee trinken und reden. Gemeinsame Zeit ist sehr wichtig. Ich steh nicht auf Glitzerschein und Trallala und pfle- ge diese ausgewählten tiefen Freundschaften sehr bewusst.“

Der Vorsorgepreis, der auch heuer wieder verliehen wird, gibt Ideen und Impulse für ein gesünderes Leben. Hat die Frau Doktor auch einen Rat, was man unbedingt für seine Gesundheit tun sollte? „Nehmen Sie sich einen Hund, das hilft, in mehrfacher Hinsicht“, rät Vera und erzählt von ihrer Schwiegermutter, auch schon 92: Ihr Schwager hat einen Golden-Retriever-Welpen bei ihr „geparkt“ – aber bald war die fitte Oma so verliebt, dass sie den Hund nicht mehr hergeben wollte. Und geht nun täglich eineinhalb Stunden mit ihm Gassi. Und auf der Hundewiese hat sie einen großen Kreis neuer Freunde gefunden. Deshalb rät die Frau Doktor dazu, sich einen Hund zuzule- gen. Und sonst? „Bewegung, frische Kost, gute Freunde – das ist alles, mehr brauchen Sie nicht.“


Riki Ritter-Börner


Dr. Karl-Heinz Feldhoff (Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Heinsberg und Vorstandsvorsitzender der Stiftung euPrevent EMR), Dr. Vera Russwurm, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, NÖGUS-Vorsit- zender Landesrat Ludwig Schleritzko

Der Vorsorgepreis


Er prämiert heuer bereits zum siebenten Mal brillante Projekte mit Vorbildwirkung und herausragende Initiativen im Bereich der Ge- sundheitsvorsorge. Seit 2008 wurden rund 1.600 Vorsorgeprojekte aus ganz Österreich eingereicht und 54 Projekte ausgezeichnet. Der Vorsorgepreis unterstützt die Bewusstseinsbildung im Bereich der Gesundheitsvorsorge. Er belohnt besonderes Engagement und fördert heuer erstmals einen länderübergreifenden europäischen Ideen- und Gedankenaustausch.

Informationen: www.vorsorgepreis.at

INTERVIEW

Welche Bücher liegen am Nachttisch?

Biografien großer Persönlichkeiten. Ich bin ein Fan von Stefan Zweig und mag besonders seine „Marie Antoinette“. Viele Bücher lese ich quer, ich habe gelernt, dass ich sie nicht zu Ende lesen muss. Viele meiner Gäste haben Bü- cher geschrieben.


Mit wem würden Sie, gäbe es eine Zeitmaschine, gern auf einen Kaffee gehen?

Mit Napoleon, der fasziniert mich. Oder mit Prinz Eugen. Mich interessieren Menschen, die in ihrer Lebensspanne so unglaublich viel aus eigener Kraft geschafft haben. Gern auch mit einem der großen Abenteurer und Entdecker – Magellan, Kolumbus.


Und was kommt mit auf die einsame Insel?

Meine Familie, hoher Sonnenschutz und gute Musik.


Was ist für Sie gute Musik?

Das hängt von der Stimmung ab. Jazz, etwas aus Südamerika, Rock, Pop. Mit Spotify ist das jetzt so schön einfach: Man wählt und bekommt dann einen feinen Mix.


Was hilft gegen Langeweile?

Hab ich nie. Schon gar nicht, wenn mein Handy mit ist. Dann lern ich halt die Namen der afrikanischen Staaten oder so etwas.


Ihre Seelenlandschaft?

Das Meer, ich bin am allerliebsten am Wasser. Seen. Endlose Weite. Sandstrand. Der absolut schönste Strand ist Diani Beach in Kenia – Meer, Sand, Mischwald, endlos.


Was hilft, wenn Sie grantig sind?

Auspowern, laufen, bis ich erschöpft bin. Ärger fresse ich prinzipiell nicht in mich hinein, weil das schlecht für die Ge- sundheit ist.


Was ist Ihnen wichtig?

Wirklich innehalten und danke sagen. Ich fühle mich sehr privilegiert, weil wir alle gesund sind. Dafür bin ich froh und dankbar.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2017