GESUND WERDEN & BLEIBEN  - VORSORGEAKTIV

(v.l.) Diätologin Jennifer Kellner mit Emmerich und Helga Lederle

FOTO: ÖSTERREICHISCHE APOTHEKERKAMMER/APA-FOTOSERVICE/NIELSEN

Ein neues Leben

Den Lebensstil verändern wollen viele.

Mit dem Programm VORSORGEaktiv stehen die Chancen gut. So wie bei Familie Lederle aus dem Weinviertel.

Erika Loichtl, Programm-

leitung VORSORGEaktiv,

Tel.: 02742/9011-14500,

erika.loichtl@noetutgut.at

Es ist ein kalter Wintertag in der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Niederleis. Das Wetter ist so un- gemütlich, dass man es sich am liebsten zu Hause auf dem Sofa bequem machen würde. Nicht so Helga und Emmerich Lederle, die dem Team von GESUND&LEBEN mit frischem Schwung die Tür zu ihrem Haus öffnen – einem Haus, das seit kurzem einen voll ausgestatteten Fitnessraum beherbergt, in dem die beiden nahezu täglich am Laufband, am Rudergerät, mit Gymnastikbällen, Therabändern, Jonglierbällen oder Faszi- enrollen trainieren. „Ein bisschen sportlich waren wir immer, doch seit wir im Vorjahr am Programm VOR- SORGEaktiv teilgenommen haben, wissen wir genau, was wir wie tun müssen, um fit und gesund zu bleiben, unser Herz-Kreislauf-Risiko zu senken und dabei auch noch jede Menge Spaß zu haben“, sagt Emmerich Lederle, 56, der – genau wie seine Frau – schlank, durchtrainiert und lebensfroh wirkt.


Das war nicht immer so. Vor allem Helga Lederle, 52, kämpfte lange Jahre erfolglos gegen Übergewicht, Schlafstörungen und Depressionen, hatte einen Cholesterinwert von fast 350. „Heute wiege ich um zehn Kilo weniger, meine Cholesterinwerte sind auf etwa 230 gesunken, ich fühle mich wohl und fit. Das alles habe ich dem Anstoß durch VORSORGEaktiv zu verdanken“, sagt sie lachend. Und ihr Mann, der ebenfalls unter ge- sundheitlichen Problemen und großem Stress litt, kann Ähnliches für sich bestätigen

Was ist VORSORGEaktiv? Doch was ist VORSORGEaktiv genau? Elke Springer ar- beitet bei der Initiative »Tut gut!« des Landes Niederösterreich im Bereich Vorsorge: „Mit diesem Programm unterstützen wir Menschen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreis- lauf-Erkrankungen auf ihrem Weg zu einem gesünderen Leben. Experten aus den Be- reichen Ernährung, Bewegung und Mentale Gesundheit begleiten Gruppen über einen Zeitraum von sechs bis neun Monaten und zeigen den Teilnehmenden, wie man seine Gesundheit verbessern kann – und zwar individuell und alltagstauglich“, erklärt Sprin- ger, die für die Planung und Umsetzung von VORSORGEaktiv im Wein-viertel zustän- dig ist.

Wie wichtig das ist, wissen wir alle: Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen, und da ist auch Österreich keine Ausnahme. Laut Sta- tistik Austria verstarben im Jahr 2015 insgesamt 35.537 Menschen an Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, 5.744 davon allein in Niederösterreich. „Jeder Euro, der in Ge- sundheitsförderung und Prävention investiert wird, bringt dem Einzelnen mehr gesunde Lebensjahre und spart der Gesellschaft künftige Ausgaben für die Reparaturmedizin“, umreißt Elke Springer den Hintergrund von VORSORGEaktiv, das sich an alle Nieder- österreicher über 18 Jahre richtet: Hat man ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Er- krankungen, kann der Hausarzt eine Teilnahme an VORSORGEaktiv empfehlen. Mit 199 Euro (von denen man 100 Euro bei mindestens 60 prozentiger Teilnahme pro Bereich wieder zurückbekommt) ist man dabei. Für teilnehmende Personen aus einer »Gesun- den Gemeinde« gibt es zusätzlich noch eine Vergünstigung von 15 Euro. VORSORGE- aktiv feiert im kommenden Jahr das zehnjährige Jubiläum. Das Programm wird ständig optimiert und weiterentwickelt, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnis- sen.

Dabei sein heißt Theorie und Praxis von Bewegung, gesunder Ernährung und Mentaler

Gesundheit von engagierten Experten vermittelt zu bekommen. Eine von ihnen ist die Diätologin Jennifer Kellner, die für den Bereich Ernährung zuständig ist: „Meine Aufgabe ist es, die Kleingruppe in Sachen Ernährung aufzuklären, zu leiten und bei der Umstellung des Lebensstils dort zu unterstützen, wo es an Motivation oder Wissen fehlt.“ Das hat sie auch in der Gruppe von Helga und Emmerich Lederle getan, und sie berichtet von großem Interesse und echtem Ehrgeiz, Neues zu ler- nen. Kein Wunder, sind doch die Informationseinheiten auch von praktischen Übungen wie dem Kochen von gesunden Mahlzeiten, bewussten Einkaufstouren in Supermärkten oder Lebensmittelverkostungen begleitet. „Am Ende des Pro- gramms wird durch eine Bioelektrische Impedenzanalyse (BIA) eindeutig sichtbar, was sich bei jedem Teilnehmenden für seine Gesundheit verbessert hat. Sie gibt Auskunft über die genaue Körperzusammensetzung, die Muskelmasse, den Was- serhaushalt und die Fettmasse und -verteilung“, erklärt Jennifer Kellner die Mes- sung, die sie zu Beginn und am Ende des Programms durchführt. „Die meisten ver- lieren Gewicht, was auch einen Verlust an Fettmasse bedeutet. Oft sehen wir auch einen Zuwachs an Muskelmasse.“ (Anmerkung: Die BIA ist noch nicht an allen Standorten verfügbar.) Bei Helga und Emmerich Lederle waren die Verbesserun- gen ganz besonders deutlich, und die beiden haben mit vollem Engagement und Begeisterung an dem Programm teilgenommen. „Wir haben unseren Lebensstil nachhaltig geändert und fühlen uns jetzt einfach viel wohler, leistungsfähiger und vitaler denn je“, sagt Helga Lederle. Jetzt im Winter trainiert sie mindestens dreimal die Woche zwei Stunden in ihrem gemütlichen Fitnessraum, im Sommer geht sie gemeinsam mit ihrem Mann ausgiebig Rad fahren oder walken, Helmut Lederle spielt auch noch regelmäßig Tennis, und täglich ist ein langer Spaziergang mit dem Retriever-Hund Lara angesagt. Doch das ist noch lange nicht alles. Was die Ernäh- rung betrifft, hat sich Helga Lederle, selbst ausgebildete Köchin, enorm von VOR- SORGEaktiv inspirieren lassen. Täglich kocht sie frisch, ausgewogen, vollwertig und sehr abwechslungsreich. „Wir kaufen sogar das Getreide bei unserem Biobau- ern, mahlen es selbst und backen Brot, denn die meisten bioaktiven Substanzen sind in den Randschichten oder im Keimling enthalten, und die leiden bei der in-

dustriellen Fertigung. Mehrmals täglich kommen Obst und Gemüse auf den Tisch, und das meiste davon haben wir selbst im Garten – wir sind beinahe Selbstversorger“, sagt die 52-Jährige stolz. „Sogar im Winter gibt es wertvolle Vitamine in Form von Biosamen zum Kei- men auf dem Küchenfensterbankerl. Egal welche Sprossen man selbst zieht, es macht Spaß und hält Körper, Geist und Seele gesund.“


Apropos Körper, Geist und Seele: VORSORGEaktiv verzahnt die Bereiche Bewegung, Ernährung und Mentale Gesundheit, und Helmut Lederle weiß heute, dass es auch darum geht, den Kopf für positive Veränderungen frei zu machen. „Durch die mentalen Programmein- heiten, in denen es unter anderem um Ideen und Strategien zur Stressbewältigung und Entspannung, um das Dosieren von Nähe und Distanz und um das Erkennen von eigenen Bedürfnissen ging, habe ich erkannt, dass ich mindestens zwei Jahre lang beruflich unter enormem Stress stand. Ich habe gelernt, viel besser damit umzugehen.“ Und Helga Lederle, die jahrelang unter schweren Depressionen litt und bereits viele Jahre Psychotherapie hinter sich hatte, meint, dass VORSORGEaktiv entscheidend dazu beigetragen hat, dass es ihr nun wesentlich besser geht. „Die Schlafstörungen sind erträglicher geworden, die Lebensfreude ist wieder da – dank guter Medikation durch meine Neurologin und vor allem wegen unseres neuen Lebensstils. Ich fühle mich auch psychisch so wohl wie schon lange nicht mehr.“


Ein erfolgreiches Programm

Helga und Emmerich Lederle sind wohl wirklich so etwas wie ein Vorzeigepaar, was den Erfolg von VORSORGEaktiv betrifft. Das Pro- gramm, an dem bisher mehr als 6.000 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher teilgenommen haben, wurde auch von der Do- nau-Universität Krems evaluiert. Die Resultate zeigen generell deutliche Verbesserungen bei den meisten Zielparametern. „Insgesamt re- duzierten 77 Prozent aller Teilnehmenden ihr Körpergewicht. Body-Mass-Index (BMI) und Gesamtcholesterin zeigten ebenfalls statistisch signifikante Verbesserungen der Werte. Besonders erfreulich ist jedoch ein deutlich besseres Gesundheitsempfinden: Der Anteil der Per- sonen, die ihren allgemeinen Gesundheitszustand als ‚ausgezeichnet‘ oder ‚sehr gut‘ angaben, wurde mehr als verdoppelt“, freut sich VORSORGEaktiv-Koordinatorin Elke Springer. Sie berichtet auch von großer Zufriedenheit der Teilnehmenden mit dem Programm – und was Niederleis betrifft, von der großartigen Unterstützung seitens der Gemeinde.

Mehr als zufrieden sind auch Helga und Emmerich Lederle: „Gesunde Ernährung, ausreichend Sport und Relaxen, wie wir es bei VOR- SORGEaktiv gelernt haben, sind für uns beinahe lebensnotwendig geworden. Wir appellieren an alle: Nehmt an diesem Programm teil. Es lohnt sich wirklich!“


Gabriele Vasak


Mag. Sonja Lugbauer,

Programm-Mitarbeiterin

VORSORGEaktiv,

Tel.: 02742/9011-14515,

sonja.lugbauer@noetutgut.at

Ansprechpartner in Ihrer Region

Waldviertel:

Stefanie Mader-Wagner, BSc,

Tel.: 0676/858 723 4534,

stefanie.mader-wagner@

noetutgut.at

Weinviertel:

Elke Springer, MBA,

Tel.: 0676/858 723 4535, elke.springer@

noetutgut.at

NÖ Mitte:

Birgit Ott, BA,

Tel.: 0676/858 723 4537,

birgit.ott@noetutgut.at

Mostviertel:

Gerhard Rötzer,

Tel.: 0676/858 723 4533,

gerhard.roetzer@noe- tutgut.at

NÖ Mitte:

Mag. (FH) Susanne

Vorstandlechner,

Tel.: 0676/858 723 4536,

susanne.vorstandlechner@noe- tutgut.at

Industrieviertel:

Monika Kronaus,

Tel.: 0676/858 723 4532, monika.kronaus@

noetutgut.at

VORSORGEaktiv – gesundheit für mich


Wer kann teilnehmen? Alle Niederösterreicher über 18 Jahre, bei denen bei der Vorsorgeun- tersuchung ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreis- lauf-Erkrankungen festgestellt wird. Der Arzt kann diesen Patienten das Programm VOR- SORGE-aktiv vorschlagen und so über die me- dikamentöse Behandlung hinaus die Risikofak- toren behandeln.

Ablauf: Die Teilnehmenden werden über einen Zeitraum von bis zu neun Monaten betreut. Sie absolvieren regelmäßig jeweils 24 Einheiten zu den Themen Ernährung, Bewegung und Menta- le Gesundheit.

Anmeldung: Bei Ihrem Arzt oder VORSORGE- aktiv-Regionalkoordinator (siehe Seite 15)

Informationen: Tel.: 02742/22655, www.noetut- gut.at

Fotos: Nadja Meister, privat

Laufband, Rudergerät, Faszienrolle, Therabänder und Gymnastikbänder: Familie Lederle nutzt jede Bewegunsgm- öglichkeit.


Mehrmals täglich kommen Obst und Gemüse auf den Tisch. Das meiste hat Familie Lederle selbst im Garten..

INTERVIEW

Interview mit Dr.

Oskar

Kienast,

Allgemein- mediziner

in Mistel- bach

VORSORGEaktiv aus ärztlicher Sicht

Was bringt Lebensstiländerung in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen in direkter Beziehung zum Lebensstil. Selbst wenn das Alter oder die genetischen Faktoren für die Erkrankung bestimmend sind, gibt es einen Bezug zu veränderbaren physiologischen und biochemischen Parametern. Ein gesunder Lebensstil hat daher in der Vorbeugung große Bedeutung. So kann etwa das Risiko für Atherosklerose verhindert oder zumindest deren Entwicklung verzögert wer- den.


Was ist beim Ändern des Lebensstils zu beachten?

Von der Entscheidung, den Lebensstil gesünder zu gestalten, bis zur Umsetzung ist es er- fahrungsgemäß ein weiter Weg. Gewohnheiten nachhaltig umzustellen gehört zu den schwierigsten Dingen des Lebens. Es zeigt sich immer wieder, dass eine sinnvolle, nach- haltige Lebensstilmodifikation durchzuführen umso schwieriger wird, je länger der gesund- heitsabträgliche Lebensstil praktiziert wird. Aber: Man kann es schaffen!


Wie kann das Programm VORSORGEaktiv dazu beitragen?

Effektive Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedarf einer Veränderung des Le- bensstils hinsichtlich der Faktoren Ernährung, Bewegung, Rauchen und Stress. Darauf fo- kussiert VORSORGEaktiv. Das Programm bietet mit der Betreuung durch ein interdiszipli- näres Team über den Zeitraum von sechs bis neun Monaten eine gute Hilfestellung – be- sonders weil es direkt in den jeweiligen Gemeinden stattfindet; im Optimalfall können die Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu den Einheiten kommen.


Wem würden Sie das Programm empfehlen?

Menschen mit Übergewicht und Adipositas sind eine wichtige Zielgruppe: Hier geht es grundsätzlich um Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie, vor deren Beginn eine ärztliche Untersuchung durchzuführen ist. Bei einer anhaltenden Verringerung des Übergewichts um zehn Kilo wird die Sterblichkeitsrate bedeutsam gesenkt, Blutdruck-, Blutfett- und Blutzuckerwerte bessern sich signifikant. Auch die koronare Herzerkrankung entsteht zu 90 Prozent als Folge von Risikofaktoren wie Rauchen, falscher Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und Stress. Aber parallel zur medikamen- tösen Therapie hängt die Prognose dieser Patienten entscheidend von der Änderung des Lebensstils ab. Was Patienten betrifft, die bereits an Diabetes leiden, so sind zum Zeit- punkt der Diagnose die atherosklerotischen Gefäßveränderungen in der Regel so weit fort- geschritten, dass mit einer alleinigen Änderung des Lebensstils keine nachhaltige Verbes- serung der Prognose zu erzielen ist. Trotzdem ist auch hier neben der konsequenten phar- makologischen Behandlung Lebensstilmodifikation, bei der ein ausreichendes Maß an ge- sundheitsfördernder Bewegung eine besonders große Rolle spielt, sehr wichtig.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 01+02/2017