Foto: Gerald Lechner

IM GESPRÄCH

Blutspenden zeigt Sozialkompetenz

Wer Blut spendet, beweist, dass er hilft und nicht wegschaut, sagt

Birgit Augsten von der Blutbank St. Pölten. Die 29-Jährige arbeitet im Labor und fährt zu Blutspende-Terminen durchs ganze Land.

Blut ist … ein besonderer Saft, wenn man bedenkt, dass er absolut lebensnotwendig ist. Ohne Blut kein Leben. Deshalb brauchen wir in den NÖ Kliniken Spenderblut als Medikament.


Das Thema Blut fasziniert mich ... weil es so komplex ist. Ich sehe bei meiner Arbeit beide Seiten – das Blut der Spenderin, des Spenders und das der Patientin, des Patienten, der eine Blutspende braucht. Ich kann im Prozess der medizinischen Ver- sorgung eines Menschen im Labor einen Teil der Diagnostik erledigen, damit das gespendete Blut als Medikament dienen kann.


Besonders spannend finde ich es … wenn es kompliziert wird. Wenn es darum geht, für einen bestimmten Menschen mit seiner Erkrankung und seinem Blut das bestmöglich passende Blut zu finden. Da geht es um Antikörper, Kreuzproben, um zahlreiche Parameter, nicht nur um die Blutgruppe. Denn der Körper reagiert auf das Spenderblut. Heikel ist das vor allem bei Menschen mit Krebs.


Biomedizinische Analytikerin (BMA) wurde ich … weil ich in der Oberstufe sehr gerne Chemie und Biologie hatte. Und ich wollte nicht so lang studieren, also war die Fachhochschule genau das Richtige für mich. Der Beruf gibt einem viele Möglich- keiten, wo man arbeiten kann.


BMA bin ich gern, weil … es einerseits spannend ist: Man braucht Genauigkeit und muss präzise arbeiten. Und eigenverant- wortlich. Das passt hier alles sehr gut für mich und die Arbeit erfüllt mich, weil sie sinnvoll und wichtig ist. Und man nimmt An- teil.


Blut spenden bedeutet … Sozialkompetenz zu zeigen. Ich habe zwei kleine Kinder. Mir ist es wichtig, ihnen zu vermitteln, dass man nicht wegschaut, nicht mit einem Tunnelblick durchs Leben geht. Und das kann man mit einer so einfachen Sache wie dem Blutspenden tun: Ihre Blutspende ist ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft!

Wenn jemand Angst vorm Blutspenden hat … sollte das kein Hindernis sein. Ich sehe bei den Blutspende-Terminen in den Ortschaften immer wieder, dass sich ängstliche Menschen zu zweit oder in der Gruppe leichter tun. Wenn zum Beispiel die Feuerwehr-Jugend kommt, die Landjugend oder die Katholische Jugend, ist es leichter, weil sie es gemeinsam machen und sich gegenseitig ein bisschen ablenken. Gut finde ich, wenn Eltern ihre Kinder mitbringen, damit sie von klein auf sehen, dass man Blut spenden geht. Immer wieder kommen auch drei Generationen einer Familie – da sieht man, dass es gut weitergeht.


Ein besonderes Erlebnis ist für mich … immer wieder, wenn ich Menschen eine Blutspende abnehme, die das schon 100 Mal gemacht haben, sogar 160, 170 Mal – diese Menschen beeindrucken mich wirklich sehr. Oder wenn Spender berichten, dass sie immer wieder spenden kommen, weil sie selbst einmal eine Blutspende gebraucht haben. Diese Geschichten sind berührend! Dass man Blut braucht, kann jeden und jede von uns einmal treffen.


Wie wichtig Blut spenden ist, wurde mir klar, als … ich hier zu arbeiten begonnen habe. Das ist mir tatsächlich erst hier be- wusst geworden. Deshalb finde ich die Lifesaver-Kampagne so toll und so wichtig.


Wer Blut spenden will, sollte darauf achten, dass… er oder sie ausreichend gegessen und getrunken hat. Und danach ist das Beste für den Kreislauf, Cola zu trinken – ausnahmsweise kann ich das hier absolut empfehlen.


Regelmäßige Blutspender tun sich selbst etwas Gutes … das ist tatsächlich so. Ich bin nicht so interessiert an alternativ- medizinischem Wissen. Aber es ist schon spannend, dass Hildegard von Bingen zum Beispiel für den Aderlass plädiert hat.

Zur Person


Birgit Augsten, 29, zwei Kinder, hat Biomedizinische Analytik studiert. Sie arbeitet in der Blutbank des Uni- versitätsklinikums St. Pölten.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2018