REISEAPOTHEKE

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Sommerzeit – Reisezeit

Ihre Reiseapotheke sollte ebenso umfassend wie individuell bestückt sein.

Lunzer See oder Schneeberg, Griechenland, Kroatien, ein Städtetrip oder gar eine Fernreise? Die Frage, wohin Ihre Sommerreise heuer führt, ist der Knackpunkt für die Zusammenstellung der dafür passenden Reiseapotheke. Wer in Niederösterreich wandert, ra- delt oder badet, ist da schnell versorgt. In vielen europäischen Ländern ist das Angebot an Medikamenten zwar gut sortiert, und so kann man sich bei einem Großstadttrip getrost auf das Notwendigste beschränken. Anders sieht die Sache aber bei Fernreisen, spe- ziell in tropische Länder aus, denn dort ist die Verfügbarkeit und Medikamentenqualität nicht immer gewährleistet. Und: Insekten und pathogene Mikroorganismen in Nahrung und Getränken können eine weitere Herausforderung sein. Wesentlich ist außerdem die Fra- ge, wie viele und welche Medikamente man mitnehmen darf, ohne Schwierigkeiten bei den Sicherheitskontrollen zu bekommen. Grundsätzlich gilt, dass Reisende jene Menge an Medikamenten mit sich führen dürfen, die sie für den eigenen Bedarf während der Reise brauchen. Der Eigenbedarf ist also das Maß der Dinge. Bei Flüssigkeiten wie etwa Insulin wird die Mitnahme einer ärztlichen Bescheinigung empfohlen, um sie auch im Handgepäck mitführen zu dürfen. Welche Medikamente in welchen Ländern problemlos mitgeführt werden können, erfahren Sie auch auf der Homepage des Außenministeriums: www.bmeia.gv.at.


Wichtig: Wirkstoffnamen

Informieren Sie sich sicherheitshalber schon zu Hause über die Wirkstoffnamen der Medikamente, die Sie brauchen und mitnehmen, denn in manchen Ländern läuft die ärztliche Verschreibung über die Substanz und nicht über den Handelsnamen. Wirkstoffnamen sind hingegen international gebräuchlich. In Österreich ist der Wirkstoff in jeder Gebrauchsinformation eines Medikaments angeführt. Stellt sich noch die Frage, wohin mit den Medikamenten? Auch da gibt es eindeutige Empfehlungen: Bei Flugreisen sollte man Medi- kamente jedenfalls im Handgepäck mit sich führen, denn im Laderaum eines Flugzeugs kommt es manchmal zu extremen Tempera- turschwankungen, die der Wirksamkeit der Arzneimittel schaden können. Außerdem kann ein Koffer schon mal verloren gehen.


Thrombose-Prophylaxe

Apropos Flugreisen: Vor allem auf Langstreckenflügen besteht ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Durch langes Sitzen staut sich das Blut in den Venen, und es steigt die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden. Daher: Trinken Sie viel, da durch die trockene Luft im Flugzeug viel Flüssigkeit abgeatmet wird. Wadenpumpen sind ebenfalls ein guter Tipp zur Thromboseprävention: Fußspitzen und Fersen abwechselnd anheben bzw. durchdrücken. Thrombose-Prophylaxe-Strümpfe oder Kompressionsstrümpfe sind ebenfalls gut geeignet, das Risiko zu senken. Was die Anwendung von Acetylsalicylsäure zur Prophylaxe der Reisethrombose betrifft, so wird sie in der Fachliteratur kontrovers diskutiert, deshalb ist hier jedenfalls eine Rücksprache mit dem Arzt angeraten. Thrombose ist zwar die größte Gefahr bei Flugreisen, aber auch andere Beschwerden können zumindest unangenehm werden. Ohrenschmerzen etwa, die wegen des geringeren Drucks in den Kabinen leicht auftreten können. Beim Start kann deshalb das Lutschen eines „Start-Bonbons“ den Druckausgleich über die Eustachische Röhre erleichtern. Dies funktioniert jedoch nur beim Steigflug (abnehmender Außendruck). Im Landeanflug ist die Valsalva-Methode geeignet: Nase zuhalten und Luft in die Nase pressen, bis es in den Ohren knackt. Wenn Sie an einer Erkältung leiden, können Sie vor dem Start und der Landung abschwellende Nasentropfen nehmen, um den Druckaus- gleich zu erleichtern. Falls die trockene Kabinenluft die Nasenatmung behindert, helfen Nasensprays auf Meerwasser-Basis. Empfind- liche Kontaktlinsenträger sollten wegen der geringen Luftfeuchtigkeit während des Fluges lieber eine Brille tragen und allenfalls Au- gentropfen verwenden. Wer zum Tauchen in den Urlaub fliegt, sollte noch beachten, dass Medikamente gegen Reiseübelkeit die Empfindlichkeit für den gefürchteten Tiefenrausch erhöhen, weswegen man am Ankunftstag nicht bzw. nicht tief tauchen sollte.


Dem Jetlag vorbeugen

Langstreckenfliegende kennen noch ein anderes Problem allzu gut – den berüchtigten Zeitzonen-Kater. Dazu sollte man wissen, dass die Toleranz des Körpers bei Zeitverschiebungen durch lange Flugreisen etwa zwei Stunden beträgt. Für den Organismus von Bedeutung wird die Verschiebung, wenn mindestens drei Zeitzonen auf einmal überschritten werden. Dann kommt es zum Jetlag, also zur Desynchronisation der inneren Uhr. Als Maßnahme zur Optimierung der Zeitumstellung kann insbesondere der bewusste Einsatz von externen Zeitgebern wie Licht, Kontakt, Aktivität oder Essen am Zielort helfen. Orientieren Sie sich unmittelbar nach An- kunft am lokalen Tagesrhythmus und vermeiden Sie Tagschlaf und Belastungen am ersten Tag.


Zeitumstellung & Medikamente

Ein anderes Problem, das die Zeitverschiebung mit sich bringt, entsteht für Menschen, die dauerhaft Medikamente einnehmen müssen. Bei Antibiotika kommt es darauf an, einen bestimmten Wirkstoffspiegel im Körper konstant aufrechtzuerhalten. Man sollte sie deshalb immer im gleichen Abstand einnehmen. Ande- re Medikamente wie Glucocorticoide müssen dem Rhythmus des Organismus angepasst werden. Man geht von einer „Anpas- sungsgeschwindigkeit“ von etwa zwei Stunden pro Tag aus. Folglich werden diese Medikamente bei Reisen ostwärts dann jeden Tag zwei Stunden früher, westwärts zwei Stunden später eingenommen, bis der Einnahmezyklus wieder komplett ist.


Die Pille auf Reisen

Einen Spezialfall kann die Verwendung der Pille auf Reisen dar- stellen. Bei der Verhütung mit Kombinationspräparaten wird die Pille normalerweise alle 24 Stunden genommen. Der Empfäng- nisschutz ist jedoch gewährleistet, wenn zwischen zwei Einnah- men nicht mehr als 36 Stunden liegen. Wenn die Zeitverschie- bung am Zielort nicht mehr als zwölf Stunden beträgt, kann die Pille also zur gewohnten Uhrzeit eingenommen werden. Einen Sonderfall stellt die Minipille dar. Sie enthält nur Gestagen. An- ders als bei den Kombinationspräparaten beeinträchtigt bei der Minipille schon eine Zeitverschiebung von mehr als drei Stunden den Empfängnisschutz. Denn die Minipille muss exakt alle 24 Stunden genommen werden. Bei einer Zeitverschiebung ab drei Stunden sollte eine zusätzliche Pille zwölf Stunden nach der letz- ten Einnahme genommen werden. Bedenken sollte frau auch, dass Magen- und Darmstörungen den Schutz der oralen Kontra- zeptiva beeinträchtigen können. Sollte innerhalb von vier Stun- den nach Einnahme der Pille Erbrechen oder Durchfall auftreten, ist der Schutz vor einer Schwangerschaft nicht sicher gegeben. Es empfiehlt sich daher die Einnahme einer weiteren Tablette in- nerhalb von zwölf Stunden. Danach setzt man die Einnahme der restlichen Tabletten wie gewohnt fort. Jetzt sollten Sie alles über Ihre Medikamente auf Reisen wissen. Schönen Urlaub!


Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018