Herzinsuffizienz lässt sich mittels Herzultraschall diagnostizieren.

KUREN & REHABILITATION IN NÖ - HERZ & KREISLAUF

Kraftlos

Herzinsuffizienz oder Herz- schwäche: Erkennen Sie Ihre per- sönlichen Risikofaktoren und steuern Sie gezielt gegen.

Prim. Univ.-Doz. Dr.

Sebastian Globits,

Leiter des Herz-

Kreislauf-Zentrums

Groß Gerungs

Herzinsuffizienz klingt bedrohlich. Und ist es auch: Die Aufgabe des Herzens ist es, den Blutkreislauf zur Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen aufrechtzuerhal- ten. Ist die Leistungsfähigkeit des Herzens vermindert, spricht man von einer Herzinsuffi- zienz oder Herzschwäche: Das Herz ist zu schwach, um die nötige Pumpleistung zu schaffen. Die Prognosen dieser Menschen sind schlecht, betont Prim. Univ.-Doz. Dr. Se- bastian Globits, Leiter des Herz- Kreislauf- Zentrums Groß Gerungs: „Mit Herzinsuffizienz hat man eine schlechtere Prognose als mit Lungenkrebs: Ein Jahr nach der Diagnose ver- sterben 30 Prozent der Erkrankten. Nach fünf Jahren sind es fast 90 Prozent.“ Globits ist es ein großes Anliegen, mehr Bewusstsein für diese schwere Herzerkrankung in der Bevölke- rung und auch bei den Ärztinnen und Ärzten selbst zu wecken. Deshalb engagiert er sich in der internationalen Initiative CORE.


„Bösartige Erkrankung“

Herzinsuffizienz ist unheilbar, erklärt Globits: „Es gibt verschiedene Stufen der Verschlechterung, aber es geht auf jeden Fall bergab.

Und auch volkswirtschaftlich ist die Krankheit ein Problem: Erkrankte müssen immer wieder ins Spital, um entwässert zu werden, neu eingestellt und stabilisiert.“ Schuld sind in zwei Dritteln der Fälle Gefäßwandablagerungen in den Ko- ronargefäßen mit Narbenbildungen nach einem Infarkt, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündungen durch Vi- ren und seltene genetische Erkrankungen. Ein Drittel der Menschen mit Herzinsuffizienz leidet an zu hohem Blutdruck. Das Leben mit Herzinsuffizienz ist anstrengend: Bei Belastungen tritt Atemnot ein, man wird sehr schnell müde, ist kaum mehr belastbar, die Beine schwellen an. Wenn die Krankheit fortschreitet, kann man nicht mehr flach liegen, weil man durch das viele Wasser im Körper keine Luft bekommt.


Diagnose

Die Herzinsuffizienz ist die häufigste Aufnahmediagnose in den österreichis- chen Spitälern bei Patienten über 70 Jahre. Wie viele Menschen in Österreich betroffen sind, ist nicht bekannt. Globits schätzt auf Basis internationaler Dat- en, dass bei uns etwa 15.000 Menschen pro Jahr die fatale Diagnose bekom- men. Etwa vier Prozent des gesamten Gesundheitsbudgets betragen die Kosten der Behandlung von Menschen mit Herzinsuffizienz. Allein 2017 müsse man die Behandlungskosten zumindest mit etwa 350 Millionen anset- zen. Für die Diagnose der Pumpschwäche ist lediglich ein Herzultraschall nötig, den ein Internist oder Kardiologe machen kann.


Vorbeugen

Atherosklerose, Gefäßverkalkung, ist eine über die Jahre entstehende Verän- derung der Blutgefäße: Die Gefäßwände verlieren ihre Elastizität und veren- gen sich zunehmend. Das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen. Arterien- verkalkung ist ein natürlicher Alterungsprozess, der jedoch auch vom Lebensstil abhängt: Blutfette und weiße Blutkörperchen (Makrophagen) reich- ern sich an der Gefäßwand an und bilden Plaques. Wenn sie platzen, bildet sich ein Blutgerinnsel, ein Thrombos mit Gefäßverschluss und Infarkt „Die Bil- dung der Plaques und damit eine Atherosklerose kann man durch einen

gesunden Lebensstil hintanhalten“, betont Globits.


Auf die Ernährung achten

Rauchen gehört zu den stärksten Schädigern der Gefäßwände, warnt Globits. Weiters ist es wichtig, die Blutfette, den Cholesterinspiegel im Blick zu haben, ebenso den Blutdruck und den Blutzucker. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist die Basis für gesunde Gefäße. Globits rät zu mediterraner Mischkost: 55 Prozent Kohlenhydrate, 30 Prozent Fett und 15 Prozent Eiweiß. Nur 15 Prozent? „Wir essen viel zu viel tierisches Eiweiß“, betont Globits. Gut für die Gefäße sind hochwertige pflanzliche Fette mit ungesättigten Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren.


Bewegung suchen

Bewegung ist etwas, das vielfach zu kurz kommt. Dabei ist sie ein wichtiger Teil der Prophylaxe, betont Globits: Drei Mal pro Woche 60 Minuten bei mittlerer Intensität sei das richtige Maß, und zwar Walken, Laufen, Radfahren und Ausdauer- Schwimmen. Mit 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz liegen Sie dabei richtig: 220 minus Lebensalter, und davon 70 Prozent ist der Puls, den Sie dabei erreichen sollten. „Das senkt den Blutdruck und ver- mindert damit die Scherkräfte des Blutes in den Gefäßen. Man muss sich vorstellen, dass das Blut mit etwa 36 Kilometern pro Stunde durch den Körper gepumpt wird, also zwölf Meter pro Sekunde. Das sind 7.000 Liter pro Tag. Durch das Training sinkt der Blutdruck, ein starkes, trainiertes Herz kann mehr Blut auswerfen und muss dafür weniger oft schlagen.“


Lebens-Umstellung

Globits weiß, wie schwer es ist, den Lebensstil umzustellen. Er rät, sich dabei helfen zu lassen: „Wir behandeln in Groß Gerungs manifest kranke Menschen. Aber auch viele Gäste, die einfach gesünder leben wollen. Es geht darum, die persönlichen Risikofaktoren zu erkennen und gezielt gegenzusteuern, zum Beispiel die Cholesterin- werte zu senken. Wenn man weiß, was gut tut und was nicht, kann man sich auch im Alltag richtig ernähren.“ Genauso ist es mit dem Sport. Trainingstherapie eignet sich sogar für Menschen, deren Herz bereits geschädigt ist, sagt der Internist: „Sie sollten das Herz durch Training stärken – aber dann nur mit 50 Prozent der eigenen maximalen Herzfrequenz.“ Wichtig sei es, auch die Muskeln zu kräftigen, um die Beweglichkeit und Kraft zu erhal- ten. Das gelte für alle Menschen, ob krank oder gesund.

CORE – Lernen in Sachen Herzschwäche

CORE ist ein unabhängiges, von Experten ge- leitetes Fortbildungsprogramm über Herzinsuf- fizienz, das derzeit in Australien, Österreich, Kanada, Spanien, Schweden und England läuft. Die CORE-Initiative hat sich zum Ziel ge- setzt, die Kooperation zwischen Akutkranken- häusern, Herzinsuffizienz-Ambulanzen, Reha- bilitationszentren und niedergelassenen Ärzten zu verbessern und so die leitliniengerechte Be- handlung flächendeckend zu ermöglichen. Im Rahmen der Initiative finden Fortbildungen in kleinen Gruppen (sogenannte Round Tables) statt, die auf die Bedürfnisse der betreuenden Berufsgruppen (Ärzte, Pflegepersonal, Sozial- arbeiter etc.) maßgeschneidert sind. Prim. Univ.-Doz. Dr. Sebastian Globits, Leiter des Herz-Kreislauf-Zentrums Groß Gerungs, ist ei- ner von 16 österreichweiten ärztlichen Mode- ratoren und veranstaltete mehrere Round Ta- ble für niedergelassene Allgemeinmediziner und Pflegekräfte aus den umliegenden Ge- meinden über Symptome, Diagnose und Be- handlungsmöglichkeiten.

Informationen: www.corehearteducation.com

Mit Herzin- suffizienz

hat man

schlechtere

Prognosen als

mit Lungen- krebs.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2017