VOLKSKRANKHEITEN I STRESS

Raus aus der Stressfalle

Wie können Sie Stress bewältigen und den Weg zur Mitte wiederfinden?

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Ein zu hohes Arbeitspensum, nörgelnde Vorgesetzte, steigende E-Mail-Flut und ständiger Zeitdruck gehören zum Alltag vieler Menschen. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Stress heute eine der größten Gesundheitsgefahren. Zum gesund- heitlichen Problem wird Stress, wenn er chronisch wird, weiß Stress-Expertin und Wirtschaftstrainerin Brigitte Zadrobilek: „Wenn Stress mittel- und langfristig nicht abgebaut und ausgeglichen wird, drohen Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Pa- nikattacken, Unlust, sozialer Rückzug, Leistungsabfall, Appetitlosigkeit oder Fresslust sowie Antriebslosigkeit und vermehrter Nikotin- und Kaffeekonsum.“ Am Ende der Skala stehen Infektionen und Depressionen bis hin zu geistiger, körperlicher und emotionaler Erschöpfung. Über einen längeren Zeitraum hinweg auftretende Müdigkeit und Erschöpfung sowie Gefühle von Kontrollverlust und Hilflosigkeit deuten auf ein Burnout-Syndrom hin. Dazukommen können nervöse Spannungszustände, ge- störte Schlafrhythmen, Konzentrationsprobleme, Gehetztheit und Reizbarkeit sowie Einschränkungen im beruflichen und sozia- len Alltag. Dauern die Symptome länger als sechs Monate, sollte man einen Arzt konsultieren.


Frage der Bewertung

Wie sehr wir uns von Kleinigkeiten stressen lassen, ist eine Frage des persönlichen Empfindens, betont Zadrobilek. „Wird der eine schon nervös, wenn er in einen Verkehrsstau kommt, bleibt der andere ruhig und gelassen. Jemand anderer rastet aus, wenn die Internetverbindung zu langsam ist oder nach zwei Stunden keine Antwort auf sein E-Mail gekommen ist. Es hängt von unserer Bewertung ab und davon, welche Bedeutung ich einer Sache gebe. Und auch, welche Bewältigungsstrategien ich mir für mein Leben angeeignet habe. Resiliente Menschen können mit Veränderungen und Widerständen flexibel und gelassen um- gehen, positiv und optimistischbleiben und lösungsorientiert denken und handeln.“


Jacqueline Kacetl

INTERVIEW

Brigitte Zadrobilek ist

Expertin für Stress- und Burnout-Prävention so- wie betriebliche Ge- sundheits-

förderung. Als Wirt- schaftstrainerin und Coach begleitet sie Menschen auf dem Weg zu gesunder Leistungs- fähigkeit, Selbstkompe- tenz und Gelassenheit.

Auslöser & Alarmsignale

Was sind die häufigsten Stressauslöser?

Heutzutage gibt es eine enorme Vielfalt an Stressfaktoren: Unsicherheiten im Erwerbsleben, finanzi- elle Sorgen, Angst vor der Zukunft, Beschleunigung, Informationsflut, Technikstress, ständige Ver- änderungen, Beziehungs- und familiäre Probleme, Trennungen, Rollenvielfalt und Mehrfachbelas- tungen sowie hohe private Ansprüche und Zeitdruck.


Warum ist der berufliche Stress gestiegen?

Stichwort Digitalisierung und Arbeit 4.0. Die veränderten Lebens- und Arbeitswelten, das Eigenin- teresse an professioneller Leistungsentfaltung und die privaten Ansprüche stehen in einem schar- fen Wettbewerb um die verfügbare Zeit und Energie. Nur wo bleibt der Mensch? Im betrieblichen Gesundheitsmanagement gehen wir davon aus, dass die Arbeit an den Menschen angepasst wer- den muss und nicht der Mensch an die Arbeit. So bleibt auch die Leistungsfähigkeit der älteren Mitarbeiter erhalten.


Was sind Alarmsignale des Körpers?

Die Stressreaktionen betreffen den gesamten Organismus. Unter Anspannung sendet der Körper Stresssignale, die sich durch Konzentrationsschwierigkeiten, negative Selbstgespräche, Wut, Ärger, Gereiztheit, Nervosität und Angst bemerkbar machen. Dazu kommen können eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz, Schwitzen, erhöhter Blutdruck, ein Engegefühl in der Brust, Verspannungen, Muskelzucken und Zittern.


Wie reagiert man richtig?

Stress gehört abgebaut, wenn man sich gestresst fühlt und nicht erst nach der Arbeit, am Wochen- ende oder im Urlaub. Sie können die Auslöser von Stress beseitigen oder meiden und Sie können daran arbeiten, die Stressfolgen zu lindern. Die persönliche Einstellung und der momentane Ge- müts- und Gesundheitszustand spielen bei der Bewältigung von Stress eine entscheidende Rolle.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2017