GRIPPE

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Das große Haaatschi

Sie haben nun Hochsaison: Grippeviren. Wie kann man sich ihnen entziehen? Und was ist zu tun, wenn sie zuschlagen?

Es gibt kaum jemanden, den Grippeviren noch nie ereilt haben. Doch bei jedem Menschen kündigt sich ein Infekt anders an: Durch ein raues Gefühl im Hals, dem bald darauf eine rinnende Nase folgt, ein unerklärliches Schwächegefühl, ein brummender Kopf oder wenn das Fieberthermometer eine leicht erhöhte Körpertemperatur anzeigt. Spätestens dann ist Schonung angesagt. „Üblicherweise kündigt sich ein grippaler Infekt schleichend an“, erklärt Dr. Christian Fohringer. Der Allgemeinmedi- ziner und Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin ist medizinischer Leiter der Notruf NÖ GmbH. Anders eine „echte Grippe“: „Sie tritt plötzlich auf, meist geht sie mit hoher Temperatur von 38 bis 40 Grad einher, Betroffene klagen über Gelenks- und Muskelschmerzen und fühlen sich schwer beein- trächtigt“, weiß der Mediziner. Es können auch nur einzelne Symptome auftreten, jeder Mensch ist anders.


Infekt & Grippe

Während bei einem grippalen Infekt leichte Alltagstätigkeiten bewältigbar sind und die Erkrankung nach ein paar Tagen überstanden ist, braucht eine Grippe lange Zeit der Schonung. „Diese Erkran- kung kann durchaus über eine Woche, die Rekonvaleszenz bis zu zwei Monaten andauern“, sagt Fohringer. In diesem Fall ist die Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt, Sport geht gar nicht und selbst das Stiegensteigen wird zur Tortur.

Obwohl beide Erkrankungen denselben Übertragungsweg haben, ist der Verlauf sehr unterschied- lich. Das Grippevirus wird über Tröpfchen beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen, seltener durch eine Schmierinfektion, wie etwa beim Händeschütteln. Eine Grippe kann lebensbedrohlich werden. „Kommt zusätzlich zur Vireninfektion eine bakterielle hinzu, wirkt sich das auf die Lunge aus oder es kann zu einer Herzmuskelentzündung führen“, warnt der Arzt. Dieses Risiko betrifft vermehrt ältere Menschen.


Prävention

Die Vorsorge bleibt gleich, egal ob man sich vor einer Grippe oder einem grippalen Infekt schützen möchte. Die wichtigsten Maßnahmen sind „Vorsicht beim Niesen, Husten, eine gründliche Händehy- giene, am besten mit einem medizinischen Desinfektionsmittel, das man überall mitnehmen kann und die Grippeimpfung“, rät Fohringer. Empfohlen wird sie allen, vor allem aber chronisch Kranken, Älteren, COPD- oder Asthmabetroffenen, aber auch allen, die mit vielen Menschen in Kontakt sind, wie etwa in Gesundheitsberufen oder in Schulen und Kindergärten. „Wichtig ist eine Impfung nicht nur, um selbst nicht krank zu werden, sondern auch, um den Infekt nicht weiterzugeben“, sagt

Christian Fohringer. Durch die Grippeimpfung werden Antikörper gebildet, die angreifende Viren so- fort eliminieren. Der Nachteil: Da sich die RNA-Viren verändern, sollte die Impfung jedes Jahr wie- derholt werden. Der Mediziner: „Derzeit wird ein Impfstoff verabreicht, der gegen vier Stämme wirkt. Neu ist heuer der Impfstoff für Kinder von zwei bis 18 Jahren, der über die Nase verabreicht wird. Vor allem bei chronisch kranken Kindern ist eine Impfung ratsam.“


Kleine Patienten

Wenn Kinder unter drei Jahren erkranken, sollten Eltern wachsam sein, denn eine andere Virusart könnte einen Pseudokrupp hervorrufen. „Die Symptome unterscheiden sich jedoch deutlich von ei- nem grippalen Infekt, denn der charakteristisch bellende Husten tritt anfallsartig und meist nachts ein und geht oft mit pfeifenden Geräuschen beim Einatmen einher.“ Oft leidet das Kind zunächst an Schnupfen, ehe die akute Erkrankung auftritt. Da bei Kleinkindern die Luftwege noch nicht vollstän- dig ausgereift sind, können die Schleimhäute rasch anschwellen und Atemnot verursachen. Auch ein Einziehen der Muskulatur an den Rippen und große Erschöpfung deuten auf einen Pseudokrupp. In diesem Fall sollte man das Kind eher sitzend lagern, die Symptome lindern, wie beispielsweise mit Inhalationen. Cortisonzäpfchen lösen den Husten in der Regel sehr rasch.

Bei all den beschriebenen Infekten gilt: Ruhe, Schonung, Symptome lindern. Und wenn Sie unsicher sind, ob und wann Sie zum Arzt gehen sollen, rufen Sie an bei der Gesundheits-Hotline 1450 – dort klären erfahrene diplomierte Pflegekräfte nach einem bewährten Abfrage-Schema, ob Sie ärztliche Hilfe brauchen und was Sie selbst tun können. „Bei grippalen Infekten und Grippe gibt es keine be- sondere Therapie“, erklärt Christian Fohringer, „kommt jedoch eine bakterielle Infektion hinzu, ent- scheidet der Arzt, ob ein Krankenhausaufenthalt nötig ist. In der Praxis sind die beschriebenen Er- krankungen jedoch zuhause bestens behandelbar.“

Doris Simhofer


erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2018