GRIPPE

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Gesund durch

den Winter

Ein gutes Immunsystem schützt vor Erkrankungen.

Die Herbst- und Wintermonate haben auch ihre angenehmen Seiten. Wenn es draußen früher dunkel wird, kann man aufräumen , fernsehen oder einfach mit einem guten Buch auf dem Sofa entspannen. Jahr um Jahr führen das nasskalte Wetter und der eisig- e Wind bei vielen Menschen aber auch zu laufender Nase, heftigen Niesanfällen, Halsschmerzen oder quälenden Hustenattacken. I- st man mit den Krankheitserregern einmal in Berührung gekommen, fühlt man sich plötzlich matt und abgeschlagen, der Körper hält a- lltäglichen Belastungen nicht mehr stand und zwingt einen zur Bettruhe. Eine Erkältung (grippaler Infekt) oder eine Grippe (Influenz- a) werden oft verwechselt und der grippale Infekt als Grippe bezeichne- t.


Vielfältige Virentypen

Wie kann man den grippalen Infekt bzw. eine Erkältung von einer Grippe unterscheiden? „Der grippale Infekt ist viel weniger dram- atisch“, erklärt Dr. Sigrid Hawlena, Allgemeinmedizinerin mit Wahlarzt-Ordination in Königstetten. „Der Infekt baut sich meistens lang- sam auf. Dabei stehen Verkühlungssymptome wie Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, Heiserkeit oder ein Druckgefühl in den Ohren im Vordergrund. Der grippale Infekt kann auch mit Fieber verknüpft sein, das aber meistens nicht sehr hoch ist.“ Grundsätzlich we- rden beide Erkrankungen durch unterschiedliche Virusarten hervorgerufen. Ein grippaler Infekt kann von rund zweihundert verschied- enen Viren verursacht werden. Durch diese Vielfalt kann es in einer Saison, vor allem bei geschwächtem Immunsystem, zu wiederhol- ten Erkrankungen kommen.

Eine echte Grippe, eine Influenza, wird hingegen durch die drei Virenarten Influenza A, B und C ausgelöst. Im Gegensatz zum gri- ppalen Infekt, der schleichend beginnt, setzt die Grippe schlagartig ein, weiß Sigrid Hawlena: „Die echte Grippe lässt sich an einigen typischen Symptomen erkennen wie plötzlich auftretendes hohes Fieber bis zu 40 Grad, Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Kop- fschmerzen und Husten.“


Schutz vor Erregern

Sowohl die Grippe als auch den grippalen Infekt bekommt man meistens durch eine Tröpfcheninfektion: Wenn eine erkältete Person redet, niest oder hustet, werden die Krankheitserreger in die Raumluft abgegeben. Von dort gelangen sie in die Atemwege gesunder Menschen. Anstecken kann man sich aber auch durch Händeschütteln oder über Gegenstände, auf denen Viren und Bakterien ha- ften, wie Türklinken, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln, Computertastaturen, Lichtschalter oder Einkaufswagen im Supermarkt. Berührt man sich danach im Gesicht, gelangen die Erreger über die Augen- und Nasenschleimhäute in den Körper. Man spricht dann von einer „Schmierinfektion“. Gut und gründlich Hände waschen kann schützen: mit Seife und mindestens eine halbe Minute lang. Unterwegs kann man ein Desinfektionsmittel oder Desinfektionstücher verwenden. Den besten Schutz, um gesund durch die kalte Saison zu kommen, bieten vorbeugende Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems. Dazu gehören ausreichender Schlaf, eine vi- talstoffreiche Ernährung, die Zufuhr von genügend Flüssigkeit (im Winter werden die Schleimhäute stärker beansprucht), regelmäßi- ge Bewegung und das Vermeiden von übermäßigem Stress- .


Jacqueline Kacet- l

Interview

„Gegen Grippe impfen lassen“

Warum erkranken manche Menschen leichter als andere?

Senioren und Kleinkinder haben ein höheres Erkrankungsrisiko. Grundsätzlich hat jeder Mensch eine Schwachstelle. Bei manchen Personen haben die Viren besonders im Atemtrakt ein leichtes Spiel. Wenn die körpereigene Abwehr beschäftigt ist, kommt es zu einer erhöhten Infektneigung. Das kann durch Stress, andere Erkrankungen oder Medikamente verursacht werden. Ein gut trainiertes Immun- system bietet Schutz.


Wie kann man das Immunsystem stärken?

Durch viel Bewegung an der frischen Luft, insbesondere bei Kindern. Schaffen Sie ein gesundes Raumklima und lüften Sie ausreichend. Eine vernünftige Ernährung mit frischen Zutaten und wenn möglich der Verzicht auf Fertigprodukte, die zu viel Zucker, Salz und chemische Zusatzstoffe enthal- ten, ist anzuraten. Bringen Sie Ihren Vitamin- und Mineralstoffhaushalt ins Gleichgewicht. Natürlich ist es wünschenswert, weniger Stress in unser Leben zu bringen, das ist aber nicht immer möglich. Auch eine Sanierung der Darmflora stärkt das Immunsystem. Diese wird durch Medikamente und eine un- gesunde Lebensweise entscheidend beeinträchtigt und kann daher als Eintrittspforte für Infekte die- nen.


Welche Behandlungsmethoden und Hausmittel empfehlen Sie?

Sowohl die Grippe als auch der grippale Infekt sind Viruserkrankungen, bei denen Antibiotika nichts nützen, da diese nur gegen Bakterien wirken. Daher kann man nur die Symptome bekämpfen: Gegen Fieber helfen altbekannte Mittel wie Essigwickel, kühle (aber nicht zu kalte) Duschen und homöopathi- sche Mittel. Bei Ohrenschmerzen helfen warme Zwiebelpackungen, die auf das betreffende Ohr ge- legt werden. Inhalieren mit Kochsalzlösung hilft bei Husten und rinnender Nase. Ganz wichtig ist es, sich besonders bei Fieber zu schonen: Das Herz kann auch bei jungen, gesunden Menschen Scha- den nehmen!


Bei welchen Symptomen sollte man die Ärztin, den Arzt aufsuchen?

Bei sehr hohem Fieber sind fiebersenkende Maßnahmen wichtig, die ärztlich verordnet werden soll- ten. Auch bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion und bei Symptomen, die auf eine Erhöhung des Hirndrucks hindeuten – quälende Kopfschmerzen, Übelkeit, Brechreiz oder Erbrechen, Bewusstsein- strübung, Lichtempfindlichkeit etc. –, muss der Arzt gerufen werden. Ein Grippevirus kann nämlich auch eine Gehirnhautentzündung auslösen.


Soll man sich gegen Grippe impfen lassen?

Ja, unbedingt! Besonders wichtig ist dies für alle, die im Beruf oder Privatleben mit vielen Menschen Kontakt haben, aber auch alte oder geschwächte Personen. Ich rate jedem mit Kindern im Haushalt, sich impfen zu lassen – denn erkrankte Familienangehörige zu versorgen, wenn man selber erkrankt ist, ist eine echte Herausforderung. Regelmäßiges Impfen gegen Influenza mildert oft auch den Ver- lauf von grippalen Infekten.

Dr. Sigrid Hawlena,

Allgemeinmedizinerin und Wahlärztin in Kö- nigstetten

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2018