SCHULBEGINN

Bauchweh, Kopfweh, Lausalarm

Neben Erkältungen und grippalen Infekten gibt es ein paar typische Probleme, die im Kindergarten- und Schuljahr immer wieder

auftreten. GESUND&LEBEN hat nachgefragt, was dann zu tun ist.

FotoS: istockphoto/ Kevin Dyer, istockphoto/ Bo Valentino

Nach dem heißen Sommer kehrt der Alltag wieder ein. Viele Kinder und Jugendliche freuen sich, die Freunde wiederzusehen , gemeinsam Zeit zu verbringen und etwas zu lernen. Natürlich steigt mit den Anstrengungen auch das Risiko, dass Ihr Kind sic- h gestresst fühlt oder Probleme hat und dann mit unerklärlichen Schmerzen reagiert. All diese Themen bespricht man am beste- n mit der jeweiligen Hausärztin, dem jeweiligen Hausarzt, sagt der Allgemeinmediziner Dr. Christian Fohringer (der Facharzt fü- r Anästhesie und Intensivmedizin arbeitet bei Notruf NÖ). Oder Sie fragen bei der Gesundheits-Hotline 1450 nach. Die ist b- ei

Notruf NÖ untergebracht, am Telefon beraten erfahrene Pflegekräfte, die nach einem international bewährten Abfrage-Schem- a vorgehen und Ihnen sagen können, wie Sie richtig handeln- .


Kopfläuse

Läuse gibt es immer wieder in Schulen und Kindergärten – überall dort, wo Kinder die Köpfe zusammenstecken. „Sie sind ke- in Zeichen für mangelnde Hygiene“, betont Fohringer. Das zu sagen ist ihm enorm wichtig, denn „dieses Klischee hält sich har- tnäckig, dabei ist es schlicht und einfach falsch.“ Läuse übertragen keine Krankheiten und sind daher nicht gefährlich, sonde- rn nur lästig. Sie ernähren sich von Blut. Dadurch entstehen juckende Knötchen auf der Kopfhaut. Kinder sollten während der Be- handlung nur in Absprache mit der Schule oder dem Kindergarten in die jeweilige Einrichtung komme- n.

Worauf achten? Bei Juckreiz am Kopf nach Läusen und Nissen (kleine weiße längliche Laus-Eier) Ausschau halten, besonder- s im Nacken und hinter den Ohren- .

Was tun? In der Apotheke ein Spezial-Shampoo besorgen und sich gut beraten lassen. Kleidung und Bettzeug bei 60 Grad w- aschen; was nicht so heiß gewaschen werden darf, wie Kuscheltiere oder Hauben, über Nacht in den Gefrierschrank stecke- n.

Wann zum Arzt? Wenn der Juckreiz über die Behandlungsdauer hinweg unvermindert anhäl- t.


Bauchschmerzen

Es gibt viele Gründe für Bauchschmerzen. Zu viel oder etwas Falsches gegessen, ein Infekt – oder ein Problem, das das Kin- d auf diese Art zeigt. Fohringer rät Eltern, Bauchschmerzen immer ernst zu nehmen. Bauchschmerzen sind oft bei kleineren Kin- dern die psychosomatische Reaktion darauf, während größere Kinder in solchen Situationen eher an Kopfschmerze- n

leiden. „Tun Sie den Schmerz nicht leichtfertig ab, auch wenn Sie auf Vermeidungs-Verhalten tippen. Selbst wenn de- r Schmerz keine organische Ursache hat, ist er subjektiv durchaus real.“ Hier ist Einfühlungsvermögen gefragt. Wenn Ihr Kin- d spürt, dass Sie es ernst nehmen, finden Sie eher den tieferliegenden Grund für die Schmerzen heraus. Gründe können Proble- me mit Freunden sein, das Gefühl, nicht gemocht zu werden, dumme Äußerungen, die kränken, Angst, Leistungsdruck od- er dass das Kind nicht von den Eltern getrennt sein mag. Manchmal entwickeln Kinder auch Schmerzen, weil sie unter Konflikte- n in der Familie oder zwischen den Eltern leiden- .

„Wenn unerklärliche Schmerzen ein Mal auftauchen, ist es keine große Sache, wenn es keine weiteren Beschwerden gibt. “ Entwickelt das Kind Fieber und Durchfall, ist der Schmerz keine Einbildung und es ist wirklich krank. Handelt es sich „nur“ da- rum, nicht in die Schule oder den Kindergarten zu müssen, sind die Schmerzen schnell weg, wenn es gelungen ist, die Eltern z- u überzeugen. Fohringer ist es wichtig, Eltern zu ermutigen: „Sie sind die besten Experten für Ihr Kind! Mobilisieren Sie bei Pro- blemen alle Ressourcen. Fragen Sie die Lehrerin, den Lehrer, nutzen Sie die Schulpsychologen. Eltern können sehr viel bewe- gen!“

Worauf achten? Wie es dem Kind wirklich geht, ob es Fieber und Durchfall hat, Appetit oder nicht. Oder ob andere Gründe hi- nter den Bauchschmerzen stecken- .

Was tun? Mit Schmerzen sollte das Kind ins Bett gehen. Bei Fieber, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen handelt es sich meis- t um einen Infekt. Das Kind genau beobachten. Einfühlsam mit ihm reden und versuchen, herauszufinden, was der Grund für di- e Schmerzen sein könnte. Wenn es keine organischen Gründe zu geben scheint, suchen Sie gemeinsam mit dem Kind eine Lö- sung für sein Problem.

Wann zum Arzt? Wenn es sich um immer wiederkehrende Schmerzen handelt, die trotz aller Versuche, die Ursache herauszu- finden, nicht verschwinden. Wenn Schmerzen über einen längeren Zeitraum auftreten. Wenn Fieber, Übelkeit, Durchfall und Er- brechen über mehrere Stunden anhalten oder Sie sich Sorgen machen, rufen Sie am besten bei der kostenlosen Gesundheits -Hotline 1450 an. Dort steht auch immer ein Arzt bereit, um heikle Fragen abzuklären, etwa den Verdacht auf eine Blinddarm -Entzündung.


Kopfschmerzen

Während jüngere Kinder bei seelischen Problemen eher zu Bauchschmerzen neigen, plagen sich ältere Kinder und Jugend- liche dann meist mit Kopfschmerzen. Auch hier gilt: Die Schmerzen sind real und Eltern sollten sie ernst nehmen. Treten sie sehr selten auf, ist das keine große Sache. „Gelegentliche Kopfschmerzen dürfen sein“, sagt Christian Fohringer. Dann ab in- s Bett, wenn die Schmerzen daran hindern, in die Schule zu gehen. Spannungskopfschmerzen in Nacken oder Schläfen ve- rschwinden nach einigen Stunden Schlaf wieder. Und bitte kein Handy, kein Tablet, keinen Laptop, Fernseher oder Compute- r. Wichtig ist auch hier, herauszufinden, was hinter den Schmerzen steckt (siehe „Kopfschmerzen“). Dinge, die scheinbar unb- ewältigbar sind wie ein schwieriges Schulfach oder Lehrkräfte, mit denen man nicht zurecht kommt, können ebenso Ursach- e sein wie Mobbing oder Liebeskummer- .

Worauf achten? Treten die Kopfschmerzen immer wieder auf? Sind sie sehr stark? Sind die Ursachen körperlich oder seelisch ?

Was tun? Im Gespräch vorsichtig abklären, was belastet. Lassen Sie sich bei Unsicherheiten bei der Gesundheits-Hotline 145 0 beraten.

Wann zum Arzt? Kommt man nicht weiter, müssen die Schmerzen abgeklärt werden. Gründe können Probleme mit den Auge- n sein, ebenso mit der Wirbelsäule – oder psychische Themen. Der Hausarzt kann entscheiden, wo und in welcher Reihenfolg- e eine Lösung gesucht wird- .



Riki Ritter-Börner

 Professionelle Mundhygiene jetzt gratis


Was nach den Milchzähnen kommt, ist enorm wertvoll, denn die zweiten Zähne sollten das restliche Leben über halten. Das gelingt am besten, wenn Eltern den Kindern bei der Zahnpflege helfen und die Milchzähne kariesfrei bleiben (siehe Seite 50). Für Kinder und Jugendliche von zehn bis 18 Jahren gibt es seit 1. Juli 2018 die professionelle Zahnreinigung zwei Mal pro Jahr gratis – die Krankenkassen übernehmen die Kosten- .

Dr. Christian Fohringer appelliert an alle Eltern, dieses Angebot zu nützen: „Viele Stel- len lassen sich mit der Zahnbürste nicht so gut erreichen, dort und zwischen den Zäh- nen bilden sich dann hartnäckige Beläge, unter denen Karies entstehen kann.“ Schlecht gepflegte Zähne begünstigen bakterielle Herde, die ins Blut streuen können, sagt Fohringer. Sie können Entzündungen im ganzen Körper hervorrufen und zum Beispiel langfristig das Herz schädigen. Im Zahnfleisch können sich Taschen bilden, Quellen für Schmerzen und langfristige Schäden wie den Abbau des Kieferknochens. „Wer dann auch noch raucht, dem kann man mit 50 kein Implantat mehr setzen, weil einfach zu we- nig Knochen da ist.“ Karies führt früher oder später zu Zahnverlust. Eltern sollten das Angebot daher unbedingt nützen, ist der Arzt überzeugt: „Wer es als Kind gewohnt ist, will auch als Erwachsener diese professionelle Reinigung.“ Und was könnte Jugendli- che motivieren, diesen Service zu nützen? Fohringer ist überzeugt: „Gepflegte Zähne sind einfach schöner!

Dr. Christian Fohringer ist Allgemeinmediziner und Facharzt für Anäs- thesie und Intensivme- dizin und arbeitet bei Notruf NÖ.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2018