ERNÄHRUNG BEI KREBS

Fotos: Lebens.Med Zentrum Bad Erlach, herbst

Ernährungsberatung spielt eine große Rolle bei der onkologischen Rehabilitation.

Essen & Krebs

Kann Ernährung vor einer Krebserkrankung schützen? Und bei der Genesung unterstützen?

Mag. Angelika

Beirer, Diätologin

im Lebens.Med Zentrum Bad Erlach

Wir brauchen Nahrung als Energielieferant, besonders nach einer Erkrankung. „Gesunde, ausgewogene Ernährung und ein allge- mein gesundheitsbewusster Lebensstil spielen eine wichtige Rolle – präventiv und nach einer überstandenen Krebserkrankung“, weiß Mag. Angelika Beirer, Diätologin im Lebens.Med Zentrum Bad Erlach.  Dazu gibt es einige Fakten: Laut WCRF (World Cancer Research Fund) senkt der regelmäßige

Konsum von nicht stärkehaltigem Gemüse, speziell Lauchgemüse und Knoblauch, sowie von Früchten wahrscheinlich das Risiko für einige Krebserkrankungen, etwa im Mund, Rachen, Kehlkopf, in Speiseröhre, Lunge, Magen und Darm.


Gesund bleiben

Wie kann man vorbeugen? Ernährungsexpertin Beirer hat einige Tipps:

-Halten Sie Ihr Gewicht in einem gesunden Rahmen. Übergewicht (BMI > 25) gilt als Risikofaktor für Krebserkrankungen des ge- samten Verdauungsapparats sowie von Gebärmutter, Eierstöcken, Brust und Prostata.

-Seien Sie körperlich aktiv (mindestens 30 min. täglich) und sitzen Sie wenig. Regelmäßige Bewegung senkt das Krebsrisiko für Darm-, Gebärmutter- und Brustkrebs nach den Wechseljahren.

-Meiden Sie hochkalorische Lebensmittel wie Schokolade (> 225 kcal/100 g) sowie gesüßte Getränke.

-Essen Sie möglichst unverarbeitetes Getreide, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Meiden Sie verarbeitete, stärkehaltige Lebens- mittel.

-Reduzieren Sie den Konsums von rotem Fleisch und verarbeiteten Fleischwaren (Wurst etc.).

-Verzichten Sie auf Alkohol. Alkohol steigert das Risiko für Brust-, Darm-, Leber-, Mund-, Rachen-, Speiseröhren- und Magenkrebs.

-Reduzieren Sie den Salzkonsum (< 5 g).

-Essen Sie keine schimmeligen Lebensmittel.

-Decken Sie den Tagesbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen durch die tägliche Nahrung und verlassen Sie sich nicht auf Nah- rungsergänzungsmittel.

-Speziell für Mütter: Stillen Sie Ihr Baby ein halbes Jahr lang – das bringt gesundheitliche Vorteile für Mutter und Kind.


Risiko Mangelernährung

Beirer und ihre Kolleginnen beraten im Lebens.Med Zentrum Menschen nach einer Krebserkrankung. Sie weiß aus Erfahrung, dass sich einige Krebspatientinnen und -patienten nicht ausreichend ernähren – sei es mengenmäßig oder von den Nährstoffen her. Das liegt einerseits daran, dass sie an Störungen des gesamten Verdauungsapparats leiden, an Kau- und Schluckbeschwerden, Appe- titverlust, Übelkeit und Erbrechen, aber auch an Geschmacksveränderungen, einer gestörten Nährstoffverwertung und -aufnahme, einem erhöhten Energieverbrauch, einer Depression oder auch an den Folgen der Tumortherapie.

Diätologin Beirer und ihre Kolleginnen bemühen sich, gemeinsam mit den Ärzten, der Pflege und dem Küchenteam des Rehabilitati- onszentrums, derartiger Mangelernährung vorzubeugen und sie möglichst im Griff zu behalten. Denn sie beeinflusst die Lebensqua- lität, den Erfolg der Behandlung und schließlich auch die Lebensdauer. Ihr Ziel ist es, dass bei allen Patientinnen und Patienten so- wohl der Bedarf an Energie als auch an Vitaminen und Mineralstoffen gedeckt ist. Zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel können die Wirksamkeit einer Chemotherapie senken.

Beirer weiß: „Aus der Gesamtheit aller individuellen Faktoren, die die Erkrankung selbst und deren vielfältige Nebenwirkungen be- treffen, ergeben sich recht unterschiedliche Anforderungen an die Erstellung eines optimalen Ernährungsplans.

Deshalb ist es wichtig, dass die fachlich dafür ausgebildeten Diätologinnen möglichst früh in die Behandlungsplanung eingebunden werden.“ Ob in einem Akut-Klinikum oder in der Rehabilitation von Krebspatienten in Bad Erlach.


Ernährungsberatung

Im Laufe einer Tumorerkrankung und deren Behandlung kann es zu Veränderungen der Ernährungsbedürfnisse kommen. Deswe- gen spielt die Ernährungsberatung bei der onkologischen Rehabilitation eine wesentliche Rolle und kann einen großen Beitrag für Gesundheit und Lebensqualität leisten. Deshalb führen Beirer und ihre Kolleginnen Einzelgespräche über individuelle, gezielte er- nährungstherapeutische Maßnahmen mit den Patienten. „Die Basis, um den onkologischen Rehabilitationsprozess positiv zu beein- flussen,

ist in jedem Fall eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit einer vielfältigen Lebensmittel-Auswahl.“ Bei Allergien, Un- verträglichkeiten und dem Wunsch nach vegetarischer oder veganer Ernährung passen sie die Menüauswahl während des Rehabili- tationsaufenthaltes an. Und in Gruppenschulungen erläutern sie spezielle Themen rund um die Ernährung. Denn schließlich gehört das Essen zum Wichtigsten im Rehabilitations-Aufenthalt und danach.

Fakten & Mythen


-Präventiv spielt eine ausgewogene, gesunde Ernährung eine wichtige Rolle.

-Im Falle einer Erkrankung kann durch die richtige Ernährung die Lebensqualität entscheidend verbessert werden. xnPatientinnen und Patienten mit hormon- abhängigen Tumoren leiden oft an einer Gewichtszunahme durch die Antihormontherapie. Eine Ernährungsberatung und Begleitung durch eine Diätologin kann dabei unterstützen, nicht zuzunehmen.

-Sogenannte Krebsdiäten, die heilen, gibt es nicht. Einige führen zu einer Mangelernährung oder einem unerwünschten Gewichtsverlust und meist auch zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität. Sie sind kontraproduktiv und teilweise sogar gesundheitsgefährdend.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2018