IM GESPRÄCH

Gemeinsam für

unsere

Gesundheit

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ihr Stellvertreter Stephan Pernkopf sprechen über die Rolle der niederösterreichischen Kliniken und deren Zukunft.

Was verbindet Sie persönlich mit den NÖ

Landes- und Universitätskliniken?


Mikl-Leitner: Meine Zwillingsschwester und ich wurden im Krankenhaus Hollabrunn geboren.

Deswegen freue ich mich besonders, dass wir im Herbst den Ausbau des Klinikums beschlossen haben. Mir sind aber alle Häuser mit ih- ren großartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr nah: Ich bekomme viele berührende Briefe, in denen Menschen erzählen, wie sehr ihnen gerade in Extremsituationen geholfen wurde und wie menschlich sie betreut wurden. Gerade erst hat ein älterer Herr besonders sei- ne junge Pflegerin hervorgehoben, die während seines Klinikaufenthaltes immer ein liebes Wort für ihn parat hatte, wenn sie in sein Zim- mer kam. Oft höre ich auch von Assistenzärzten, also Ärzten in der Facharzt-Ausbildung, die sich ganz besonders um eine Patientin oder eine Familie kümmern und Kraft und Zuversicht geben. Solche Briefe berühren mich sehr, machen mich vor allem aber stolz auf die Teams in unseren Kliniken. Ich kann nur allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre großartige Arbeit danken.


Pernkopf: Mich persönlich verbindet emotional sehr, sehr viel mit dem Klinikum Melk. Mein Sohn Matthäus ist dort zur Welt gekommen.


Seit zehn Jahren sind nun alle 27 Klinik-Standorte unter dem Dach der NÖ Landeskliniken-Holding versammelt, die sie gemein- sam führt. Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als die Kliniken reihenweise vom Gemeindespital zum Landesklinikum wurden?


Pernkopf: Ich war damals als Gemeinderat von Wieselburg-Land sehr interessiert daran. Aufgefallen ist mir, dass es bei der Übernahme der Belegschaften so gut wie keine Beschwerden gegeben hat. Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist auch heute

sehr wesentlich, denn nur so können sie optimale Arbeit für Patientinnen und Patienten leisten.


Mikl-Leitner: Der Prozess der Übernahme war bestens organisiert und von großer Bedeutung für uns in Niederösterreich. Es ist gelungen, die Gesundheitsversorgung auf ein hohes Niveau anzu- heben. Besonders in Erinnerung ist mir, wie sehr sich Liese Prokop für die Entwicklung der Pallia- tiv- und Hospizversorgung eingesetzt hat. Das war echte Pionierarbeit, die wir heute weiterführen.


Wo stehen die Kliniken heute?


Mikl-Leitner: Unsere Kliniken stehen heute gut da. Praktisch alle Bürgerinnen und Bürger erreichen ein Akutversorgungs-Klinikum innerhalb von 45 Minuten. Das ist Lebensqualität. Wir müssen das Gesundheitssystem aber laufend gemeinsam weiterentwickeln. Wichtig ist mir die bauliche Er- neuerung an vielen Standorten, damit wir die nötige Infrastruktur für die beste medizinische Ver- sorgung sicherstellen können.


Pernkopf: Unsere Kliniken stehen für tägliche Spitzenmedizin und menschlichen Umgang mit den Patienten. Ich lege großen Wert auf die bestmögliche regionale Nahversorgung im ganzen Land, mit besten Lebensmitteln, mit der besten Umwelt- und Lebensqualität und natürlich mit der besten regionalen Gesundheitsversorgung. Deswegen ist es wichtig, dass wir Spitäler in allen Landestei- len haben, nicht nur in den Zentralräumen. Und das soll auch so bleiben! Wir befragen die Patien- ten auch regelmäßig, wie sie unsere Kliniken bewerten und wo wir uns noch verbessern können. Die Gesamtzufriedenheit liegt bei unglaublich hohen 92 Prozent. Im Moment arbeiten wir daran, die Wartezeiten in den Ambulanzen und bei Operationen zu verkürzen, das ist mir ein besonderes Anliegen und da gibt es auch schon erste Erfolge.


Und wohin geht die Reise?


Mikl-Leitner: Die Bevölkerung in Niederösterreich wächst erfreulicherweise und wir wer- den älter. Das bringt Herausforderungen für die Kliniken mit sich. Gleich

zeitig gibt es so viele neue Erkenntnisse in der Forschung, neue Möglichkeiten

und Chancen in der Medizin, neue Techniken und neue Medikamente. Es geht

nun darum, die Anforderungen mit den Möglichkeiten zusammenzuführen, um die Versor- gung weiter zu verbessern. Gerade entstehen etwa auch die ersten Primärversorgungs- einheiten, durch die die Menschen zusätzliche medizinische Angebote zur Verfügung ha- ben werden. Das wird die Ambulanzen in den Kliniken entlasten.


Pernkopf: Die Kliniken arbeiten derzeit daran, sich für die Zukunft zu rüsten. In einem brei- ten Dialog nutzen wir vor allem die Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denn sie sind die Experten. Ein wichtiges Thema der Zukunft ist der medizinische Nach- wuchs: Österreich bildet jährlich 1.600 Ärztinnen und Ärzte aus – das ist viel zu wenig. Wir fordern daher eine Ausweitung der Medizin-Studienplätze an den Unis in Wien und Linz, aber wir übernehmen auch selbst Verantwortung und bilden an der Karl Landsteiner Pri- vatuniversität in Krems bereits selber Ärztinnen und Ärzte aus. Außerdem muss es für Mediziner attraktiver sein, ihren Beruf nicht nur in den Zentralräumen auszuüben, das be- trifft die Spitäler genauso wie den niedergelassenen Bereich. Deshalb werden wir in den nächsten Monaten einen Schwerpunkt auf Verbesserungen für Landärzte legen, damit wir auch in Zukunft in allen Regionen Niederösterreichs bestens versorgt sind.

Foto: barbara nidetzky

„Ich kann nur allen Mitarbei- terinnen und Mitarbeitern für ihre großartige Arbeit danken.“


Landeshauptfrau

Johanna Mikl-Leitner

„Unsere

Kliniken stehen für tägliche

Spitzenmedizin und mensch- lichen Umgang mit den

Patientinnen und Patienten.“


LH-Stellvertreter

Stephan Pernkopf


erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2017