SCHNARCHEN

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Lärm

der Nacht

Schnarchen ist ein weit verbreitetes Problem. Nicht immer ist es harmlos, denn es kann auch Symptom der gefährlichen Schlafapnoe sein.

OA Dr. Johannes Lechner,

stv. Leiter des Schlaflabors

im Landesklinikum Melk

Jeder hat es schon erlebt: das nächtliche „Sägen“ des Bettnachbarn, das weniger dem Schnarcher als vielmehr seinem Begleiter den Schlaf raubt und nicht selten auch als Beziehungskiller fungiert.  Die Skala der Schnarchgeräusche reicht vom er- träglichen Röcheln von 17 bis 26 Dezibel, was in etwa dem Brummen eines Kühl- schranks entspricht, bis zum „Spitzenschnarchen“ von einer Lautstärke bis zu 90 Dezibel: Das kann sich dann schon wie ein vorbeidonnernder Lastwagen anhören, und die Flucht auf die Wohnzimmercouch oder das nicht eben entspannte Frühstück am Morgen danach sind alles andere als Legende.


Weit verbreitet

Leider ist das Ganze ein weit verbreitetes Problem, denn Studien zufolge schnar- chen 20 bis 46 Prozent der Männer und acht bis 25 Prozent der Frauen – im Alter tritt das Phänomen Ronchopathie noch häufiger auf. „Zum Schnarchen kommt es,

wenn die anatomischen Strukturen, die den Luftweg bil- den, beginnen, durch den Luftstrom zu vibrieren“, erklärt Oberarzt Dr. Johannes Lechner, der stellvertretende Lei- ter des Schlaflabors im Landesklinikum Melk: „Die Ron- chopathie hängt entscheidend mit der Entspannung der Muskulatur im Schlaf zusammen, denn wenn diese er- schlafft, kommt es durch den Unterdruck, der beim Ein- atmen erzeugt wird, zu einer flatternden Bewegung der Rachenwand, des Gaumensegels und des Zäpfchens im Atemstrom, was sich als Schnarchgeräusch bemerkbar macht.“  Die Wahrscheinlichkeit zu schnarchen steigt, wenn die oberen Luftwege verengt sind. Das kann etwa vorübergehend bei einem banalen Schnupfen passieren. Dauerhafte mögliche Ursachen für die ungeliebten nächtlichen Geräusche sind unter anderem anatomische Gegebenheiten wie eine große Zunge oder ein vergrö- ßertes Gaumenzäpfchen, enge Verhältnisse am Über- gang des weichen Gaumens oder im Rachen und ver- mehrte Fettansammlungen im Rachen- und Zungenbe- reich bei Übergewicht.

„Übergewicht ist ein zentraler Risikofaktor für die Ron- chopathie, denn das bei Gewichtszunahme ebenfalls zu- nehmende Unterhautfettgewebe drückt auch nach innen und engt daher den Luftweg ein“, sagt der Experte, der auch noch andere lifestylebedingte Ursachen für das Schnarchen kennt. Dazu zählen vor allem (abendlicher) Alkoholkonsum, denn Alkohol hat auch muskelentspan-

nende Wirkung, oder die Einnahme bestimmter Beruhigungs- und Schlafmittel, die ebenfalls muskelrelaxierend wirken.


Harmlos oder gefährlich?

Oft ist das Schnarchen – medizinisch gesehen – ein harmloses Problem, das zwar viele Beziehungen belastet, aber, sofern es nicht als störend empfunden wird, nicht medizinisch behandlungsbedürftig ist. In diesem Fall spricht man vom primären Schnar- chen. Dabei bleibt der Luftstrom im Rachen bestehen, Rachen und Gaumengewebe kollabieren nicht komplett bzw. verengen sich auch nicht bedeutsam, sondern vibrieren nur. Das ist zwar hörbar, aber der Schnarcher hat keine Schlafstörungen, und es kommt zu keinem gleichzeitigen Auftreten von Atemstörungen. Ganz anders liegt der Fall bei der Schlafapnoe. „Beim apnoi- schen Schnarchen entsteht eine bedeutsame Einengung der oberen Atemwege oder zeitweise ein kompletter Verschluss des Rachenraums, sodass es zu Atempausen kommt. Um ein Ersticken zu verhindern, führt die verminderte Sauerstoffzufuhr im Gehirn zu einer Weckreaktion. Diese ist zwar lebenswichtig, aber sie verursacht auch eine Schlafstörung“, erklärt Lechner. Be- merkt wird diese Erkrankung meist nur von Partner oder Partnerin: Sie nehmen – für sie beunruhigend wirkende – Atempausen und ein darauf folgendes, sehr lautes Wiedereinsetzen der Atmung wahr. Der Schnarcher selbst beklagt in erster Linie die dar- aus resultierende Tagesmüdigkeit. „Das ist die typische Trias der gefährlichen Schlafapnoe, die eine sehr ernst zu nehmende schlafmedizinische Erkrankung ist, denn sie geht mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einher und kann damit letztlich zum Tod führen“, sagt Lechner.


Wichtig: Exakte Diagnose

Wenn Schnarchen zur Qual wird, sollte man zunächst den Hausarzt aufsuchen. Hat er den Verdacht, dass ein sogenanntes obstruktives Schlafapnoe-Syndrom vorliegt, so wird er den Weg zum Facharzt für Lungenheilkunde, Internistische Medizin oder Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde weisen. Diese Experten können den Patienten nach fachkundiger weiterer Untersuchung auch ein kleines, tragbares Polygraphie- Gerät mitgeben, das zu Hause vor dem Schlafengehen an vorgeschriebenen Kör- perstellen angebracht wird und Atemfluss und Atem-pausen, Sauerstoffsättigung im Blut, Herzfrequenz, Schnarchgeräusche und Atembewegungen von Bauch und Brustkorb misst. Verstärkt oder bestätigt sich durch diese ambulante Polygraphie der Verdacht auf Schlafapnoe, so wird meist eine noch genauere Untersuchung im Schlaflabor durchgeführt. Dort wird die exakte Diagnose gesichert und eine entspre- chende Therapie eingeleitet. „In mittel- bis hochgradigen Fällen ist eine kontinuierli- che positive Überdrucktherapie nötig. Die Patienten werden über eine individuell an- gepasste Nasen- oder Nasen-Mund-Maske mit Raumluft beatmet, wobei ein ständig positiver Luftdruck beibehalten wird. Dieser Beatmungsdruck verhindert das Kolla- bieren der oberen Luftwege, sodass sich Schlaf und Atmung normalisieren“, erklärt Lechner.


Nehmen Sie ab!

Bevor man eine solche Therapie einleitet, versucht man – wie bei allen Schnarchern, die unter ihrer Rhonchopathie leiden – die Ursachen zu beseitigen. Abnehmen ist oft die Devise der Stunde, und ebenso sollte man den Konsum von Alkohol und Schlafmitteln vermeiden. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist die Sanierung von etwaigen anatomischen Atemhindernissen beim Hals-, Nasen- und Ohren-Spezialisten. Er kann etwa ein vergrößertes Zäpfchen rückkürzen oder überflüssige Schleimhaut in den oberen Atemwegen entfernen.

Für Schnarcher, die nur in Rückenlage mit ihrem Problem kämpfen, gibt es die Möglichkeit eines Lagetrainings, bei dem ver- schiedene Methoden zur Verfügung stehen. Am bekanntesten sind fünf am Rückenteil des Pyjamas eingenähte Tennisbälle. Manchen Betroffenen hilft auch eine individuell angepasste Aufbissschiene für den Ober- und Unterkiefer (Protrusionsschiene). Sie hält die Atemwege offen, indem sie den Unterkiefer leicht nach vorne schiebt. Dadurch verlagern sich auch die Zunge und der weiche Gaumen. „Diese sollte man unbedingt bei einem erfahrenen Kieferorthopäden anpassen lassen“, betont Lechner. Was sogenannte Nasenschmetterlinge und Nasenpflaster betrifft, so können sie beim Schnarchen in manchen Fällen hilfreich sein. Und – last but not least – hat sich herausgestellt, dass das Spielen von Blasinstrumenten, speziell des Didgeridoo, effektiv sein kann. Auf jeden Fall aber gilt: Zunächst die genaue Ursache des Schnarchens abklären lassen und dann handeln! 


Gabriele Vasak

Landesklinikum Melk

Krankenhausstraße 11

3390 Melk

Tel.: 02752/9004-0

www.melk.lknoe.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2017