KUREN & REHABILITATION IN NÖ - MOOR

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Heilendes Moor

Moor besitzt eine außerordentliche Heilwirkung, etwa bei degenerativen Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsorganismus.

Ist von der regenerieren- den Heilkraft des

Moor überzeugt: Dr.

Martin Walchshofer,

Kurarzt und überzeugt

Fango, Bade-Torf, Schlamm, Schlick und Heilerde werden unter dem Begriff „Peloide“ (griechisch „Pe- los“ = Schlamm) zusammengefasst. Diese zählen zu den natürlichen Heilmitteln, werden mit Wasser vermischt und als Bäder, Packungen und Wickel eingesetzt. Das Heilmoor (genaugenommen be- zeichnet man die Lagerstätte als Moor, und das Material, das diesem entnommen wird, als Torf) – we- gen seiner dunkelbraunen bis schwarzen Farbe und seiner wertvollen Heilwirkung auch „schwarzes Gold“ genannt – ist das Endprodukt aus verschiedensten Pflanzen, Heilkräutern, Samen, Bäumen und Blättern. Diese sind vor circa 10.000 bis 12.000 Jahren in stehenden Gewässern versunken. Durch ei- nen biochemischen Umwandlungsprozess reift das Moor über Jahrtausende zu einer organischen und heilsamen Masse heran. Stichfeuchtes, frisches Moor wird in der sogenannten Moorküche zu ei- nem homogenen, salbigen Brei aufbereitet und auf die Haut aufgetragen oder in Wasser gelöst als Moorbad verwendet. Die Behandlungstemperatur beträgt circa 40 bis 50 Grad Celsius.


Großer Einsatzbereich

Dr. Martin Walchshofer, Ärztlicher Leiter im Kurzentrum Moorbad Großpertholz, erklärt: „Ein großer Ein- satzbereich sind chronisch degenerative Erkrankungen des Stütz und Bewegungsorganismus (Abnüt- zungserscheinungen an Muskeln, Sehnen, Bändern, Gelenken etc.). Hier soll durch die Wärmezufuhr eine vermehrte Durchblutung und Anregung der Stoffwechselprozesse erreicht werden. Die Heilkraft der Moorsubstanz unterstützt die Regenerationskräfte

des menschlichen Organismus und so können sich die degenerier- ten Gewebsteile wieder zu einem gewissen Grad regenerieren und dadurch eine Besserung der Beschwerden über viele Monate er- reicht werden. Ganz nach dem Motto ‚medicus curat, natura sanat‘ (Der Arzt behandelt, die Natur heilt) werden in diesen drei Wochen des Kuraufenthaltes die Regenerationsprozesse des Körpers unter- stützt. Entscheidend ist dabei neben der guten, gereiften Qualität der Moorsubstanz und der Temperatur der direkte Kontakt des Heil- moors mit der Haut.“ Walchshofer verweist allerdings auch darauf, dass warme Mooranwendungen bei bestimmten gesundheitlichen Problemen nicht eingesetzt werden können. „Bei akuten Entzün- dungszuständen wie zum Beispiel einer bereits aktivierten Arthrose, einem akuten Schub einer rheumatoiden Arthritis oder einer akuten

Entzündungsreaktion nach Operationen ist die Anwendung von Wärme kontraindiziert, weil dies zu einer überschießenden Entzündungsreaktion führen würde. Hier kann mit kühlen Moorpackungen eine Verbesserung der Beschwerden erreichen. Auch bei einer akuten Venenentzündung, Venenthrombose, Sensibilitätsund Durchblutungsstörungen dürfen keine Wärme- therapien durchgeführt werden.“ Ein weiteres großes Einsatzgebiet sind muskuläre Verspannungen im Rückenbereich: Mus- kelverspannungen sind neben den erwähnten Verschleißerkrankungen des Stützund Bewegungsorganismus eine logische Folgeerscheinung unseres heutigen stressgeplagten Lebens. „Durch die warmen Mooranwendungen kommt es zunehmend zu einer Lockerung der muskulären Verspannungen und einer damit verbundenen Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit. Mit ergänzenden gymnastischen Übungen kann eine gesunde Muskelkräftigung erreicht werden. Hier ist ebenfalls mit einem langfristigen positiven Effekt über Monate zu rechnen.“


Heilkraft

Moor besitzt eine durch Jahrtausende konzentrierte Pflanzenkraft. Es enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe wie Mineralien, Spu- renelemente, Harze, ätherische Öle, Eiweißverbindungen und Huminsäuren, die die Regeneration des Organismus unterstüt- zen. Und Moore helfen nicht nur zu heilen, sie schützen auch unser Klima. Von Ökologen werden sie mittlerweile als bewah- renswerte Biotope angesehen. An Moorstandorten gedeihen viele wertvolle Pflanzen ideal, zum Beispiel die als nachwach- sende Rohund Baustoffe wichtigen Schilf- und Rohrkolben oder der Sonnentau – eine Pflanze, die unter anderem für Husten- saft genutzt wird. Oder die mehrjährige Sumpfpflanze Fieberklee, die Ärzte bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwer- den verordnen.Die jahrtausendealten Moore gilt es also unbedingt zu schützen.

Moor

besitzt

eine durch

Jahrtausende

konzentrierte

Pflanzenkraft.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2017