SOMMERKRANKHEITEN

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Der beste Weg zur Hilfe

Bei vielen typischen Sommerproblemen ist es besser, erst einmal zuzuwarten und bei Bedarf die Hausärztin, den Hausarzt zu konsultieren, als gleich in ein Klinikum zu fahren. GESUND&LEBEN hat die wichtigsten Verhaltensempfehlungen.

Dr. Christian Fohrin- ger ist Allgemein- mediziner und Facharzt für Anäs- thesie und Intensiv- medizin und arbei- tet bei Notruf NÖ.

Sommer, Freizeit, Sonnenschein – und dann das: ein Bienenstich oder schlimme Rückenschmerzen, Schwindel oder starke Bauchschmerzen. Und jetzt? Wie Sie optimal vorgehen, erklärt Ihnen Dr. Christian Fohringer, Arzt bei Notruf NÖ. Denn oft schätzen Betroffene und Angehörige die Dringlichkeit falsch ein, weiß der erfahrene Notfall-Experte. Und er ermuntert, sich genau bewusst zu machen, was man als Betroffener jetzt wirklich braucht und im Zweifelsfall jederzeit bei der telefonischen Gesundheitsberatung 1450 anzurufen. Dort klären erfahrene diplomierte Pflegekräfte mit Ihnen anhand international bewährter Protokolle ab, wo Sie am besten Hilfe bekommen und was Sie selber tun können. Und wenn es wirklich ein Notfall ist, geben Sie es sofort an Rettung und Notarzt weiter.


Bisswunden & Insektenstiche

Worauf achten? Handelt es sich um eine lokale Reaktion? Da können Sie sich selber helfen. Ausnahme: Stiche im Be- reich Mund, denn da kann die Schwellung bedrohlich sein. Oder handelt es sich um eine allergische Reaktion, die weit über die betroffene Stelle hinausgeht? Dann sollten Sie lieber bei 1450 anrufen. Was tun? Kühlen, zum Beispiel mit einem Tuch mit kaltem Wasser. Ausschlag und eine Schwellung ist eine normale Reaktion auf das Gift der Insek- ten. Ein Juckreiz linderndes Gel aus der Apotheke kann helfen. Wann zum Arzt? Ist die Schwellung auch nach zwei Tagen noch nicht besser bzw. wird sie schlimmer, fragen Sie Ihren Hausarzt.


Zeckenbiss

Worauf achten? Die Zecke mit einer Pinzette vorsichtig und gerade herausziehen. Kein Öl, keine Creme etc., nur me- chanisch entfernen. Was tun? Sonst können Sie jetzt nichts tun. Es gibt keine Möglichkeit, Folgen wie eine FSME-In- fektion zu verhindern, falls Sie nicht geimpft sind. Auch gegen Borreliose können Sie jetzt nichts tun. Beobachten Sie die Stelle, an der die Zecke war. Wann zum Arzt? Bilden sich ein bis zwei Tage nach dem Zeckenbiss an der Biss- stelle eine rote Stelle oder rote Ringe, gehen Sie unbedingt zum Hausarzt.


Sonnenbrand

Worauf achten? Die Haut ist lokal schmerzhaft und rot, es zieht und juckt. Was tun? Kalte Kompressen (Tücher in kal- tem Wasser befeuchten), Feuchtigkeit spendende Lotionen, Après-Milch, Pflegecreme aus der Apotheke. Wann zum Arzt? Nur wenn sich Blasen bilden; sonst kann er nichts tun, was erwiesenermaßen wirkt.


Rückenschmerzen

Worauf achten? Haben Sie die Schmerzen, weil Sie sich verletzt haben oder kommen sie von selbst? Dann können sie verschiedene und mehrere Ursachen haben. Was tun? Halten die Schmerzen mehrere Tage an, hilft Ihnen der Hausarzt mit den richtigen Schmerzmitteln und einer Bewegungstherapie. Eine bildgebende Untersuchung ist in den seltensten Fällen nötig.

Wann zum Arzt? Nur wenn Sie einen akuten starken Schmerz haben mit Empfindungsstörungen in Armen oder Bei- nen und dazu

Probleme beim Harnlassen und Stuhlgang, müssen Sie rasch zum Arzt.


Erbrechen und/oder Durchfall

Worauf achten? Es kann sich um eine Viruserkrankung oder eine bakterielle Erkrankung (verdorbene Lebensmittel) handeln, die ein bis zwei Tage dauern kann. Was tun? Immer wieder kleine Mengen Wasser oder Tee trinken, damit der Körper nicht zu viel Flüssigkeit verliert.

Wann zum Arzt? Treten zusätzliche Symptome auf wie Bewusstseinsstörungen, fragen Sie bei 1450 oder gehen Sie zum Hausarzt. Achtung: Bei kleinen Kindern sollten Sie bei starkem Erbrechen oder Durchfall bald zum Arzt gehen, da der kleine Organismus rasch zu viel Flüssigkeit verlieren kann.


Schwindelgefühl

Worauf achten? Durch die Hitze ist der Kreislauf enorm belastet. Gehen Sie aus der Sonne. Wenn das nicht möglich ist, tragen Sie schützende Kleidung, Sonnenbrille, Kopfschutz. Trinken Sie auch ausreichend. Essen Sie nur leichte Nahrungsmittel, keinen Schweinsbraten und Co. Verlegen Sie Sporteinheiten an den Tagesrand.

Was tun? Gehen Sie an einen schattigen, kühlen Ort, legen Sie sich hin, bei Bedarf auch mit erhöhtem Oberkörper. Trinken Sie Wasser oder ungesüßten Tee. Kühlende Umschläge können helfen.

Wann zum Arzt? Wenn Sie nicht schwitzen, sondern die Haut heiß und trocken ist, wenn Sie anhaltende Kopfschmer- zen haben, beschleunigt atmen und erbrechen, bei Bewusstseinstrübung und Krampfanfällen brauchen Sie Hilfe!


Drehschwindel

Worauf achten? Treten diese Schwindelanfälle immer wieder auf ohne zusätzliche Probleme wie Erbrechen? Sie kön- nen sich als Übelkeit, Gangunsicherheit oder Stehunsicherheit äußern.

Was tun? Hinsetzen, aufpassen, dass man nicht umfällt und sich verletzt.

Wann zum Arzt? Wenn der Schwindel länger andauert oder immer wieder kommt, gehen Sie zum Hausarzt. Er wird feststellen, ob Sie zum Internisten, Neurologen oder HNO-Arzt müssen.


Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 07+08/2018