HUSTEN

Das laute Symptom

Husten ist keine Krankheit, sondern immer ein Symptom. GESUND&LEBEN sagt Ihnen, wie Sie damit umgehen können und wann Husten ein Fall für den Arzt ist.

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Er kann schmerzhaft, trocken, bellend oder auch rasselnd und schleimproduktiv sein, er kann einen ganztägig quälen oder nur zu be- stimmten Tageszeiten oder Anlässen auftreten, er kann akut oder chronisch sein: Husten hat ganz verschiedene Erscheinungsformen und ist eines der häufigsten Krankheitssymptome.


Husten nicht unterdrücken!

Die gute Nachricht dabei: Meist steckt eine harmlose Ursache dahinter, und der Husten stellt auch eine gefinkelte Schutzreaktion des Körpers dar: Er zeigt nämlich an, dass etwas die Atemwege reizt, und mit ihm werden auch Fremdkörper, Keime, Giftstoffe und Schleim herausgeschleudert – das übrigens mit einer beträchtlichen Geschwindigkeit, denn das ruckartige Ausstoßen von Luft aus den Atemwegen durch das Zusammenziehen der Atemmuskulatur erreicht schon mal mehrere hundert km/h. Husten ist also eine Ab- wehrfunktion des Körpers und dient eigentlich der Reinhaltung der Atemwege. Darum sollte Husten auch nicht unterdrückt werden.


Akuter Husten

Mediziner unterscheiden den akuten und den chronischen Husten. Sie sprechen von ersterem, wenn die Beschwerden kürzer als acht Wochen andauern. Häufigste Ursache dafür sind Erkältungskrankheiten. Typisch ist, dass der Husten zu Beginn meist ein tro- ckener Reizhusten ist, danach wird Schleim abgehustet. Ist dieser weißlich-klar, deutet dies auf eine Entzündung durch Viren hin, eine gelb-grüne Färbung hingegen spricht für Bakterien. Häufige Ursachen für akuten Husten sind Infektionen wie etwa die akute Bronchitis oder die Lungenentzündung.


Chronischer Husten

Von chronischem Husten spricht man hingegen, wenn dieser länger als acht Wochen anhält. Hier ist ein Arztbesuch unbedingt ange- sagt, denn die Ursachen können vielfältig sein. Sie reichen etwa von Asthma bronchiale über die chronisch-obstruktive Lungenerkran- kung COPD (die vornehmlich Raucher trifft), bis hin zu Tuberkulose, Herzschwäche und Lungenkrebs. Nicht selten kann trockener Husten auch eine Nebenwirkung von ACE-Hemmern oder Beta-Blockern sein. Nicht zu vergessen ist der Keuchhusten, mitunter 100- Tage-Husten, genannt. Dabei kommt es zu anfallsartigen, krampfartigen Hustenanfällen mit anschließend lautem, keuchendem Eina- tem-Geräusch. Der Keuchhusten muss unbedingt ärztlich versorgt werden, viele Menschen in Österreich sind dagegen geimpft.


Schleim & Blut

Abgesehen von der Dauer beachten Ärzte beim Husten auch, ob es sich dabei um einen „unproduktiven“ Reizhusten (ausgelöst durch eine akute Reizung der Atemwege durch Schadstoffe) oder einen schleimproduzierenden Husten handelt. Der trockene, unpro- duktive Husten steht häufig zu Beginn von Erkältungskrankheiten und anderen Infekten; wenn er länger anhält, kann er ein Anzei- chen für Asthma bronchiale oder Nebenwirkungen von Medikamenten sein. Der produktive Husten wiederum hat als häufigste Ursa- chen Erkältungskrankheiten, Bronchitiden, COPD und Lungenentzündungen. Was vielen Sorgen macht, sind blutige Beimengungen im Hustenschleim. Einmalige, geringe Blutspuren haben aber oft harmlose Ursachen wie etwa kleine Verletzungen im Nasen-Rachen- raum oder Nasenbluten. Bei schaumigem Bluthusten und Blutbeimengungen im Speichel über längere Zeit sollte hingegen unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.


Gute, alte Hausmittel

Husten ist wie gesagt keine Krankheit, sondern ein Symptom, das man lindern kann. Wenn ein Husten aber mehrere Wochen anhält oder sehr heftig ist, Blut ausgeworfen wird und hohes Fieber oder Atemnot bestehen, muss man unbedingt den Arzt aufsuchen. Hus- tenstillende Medikamente (Antitussiva) dürfen nur bei unproduktivem Reizhusten und nach ärztlicher Verordnung eingenommen wer- den. Ansonsten kann man aber viel selbst tun: Bei produktivem Husten können schleimlösende Medikamente helfen. Inhalationen mit Meersalz oder pflanzliche Aufgüsse und Brustumschläge tun ebenfalls ihr Gutes und bringen Linderung. Besonders wichtig ist ausrei- chende Flüssigkeitszufuhr, denn dies ist Voraussetzung für die Verflüssigung des Schleims. Bewährte Hustentees beinhalten etwa Ei- bischwurzel, Fenchel, Thymian oder Anis. Ein anderes altes Hausmittel, das in jüngster Zeit wiederentdeckt wurde, ist Honig. Ein Löf- fel davon lindert den nächtlichen Hustenreiz bei Kindern laut einer Studie besser als ein Hustensaft. Weitere Hausmittel sind Zwiebel- sud und salzige Suppen; auch das Hochlagern des Oberkörpers wird oft als hilfreich empfunden.


Vorbeugen ist besser als husten

Wer lieber vorbeugt, statt zu husten, dem sei Nikotinverzicht, ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und regelmäßiges Hände- waschen in der Verkühlungssaison ans Herz gelegt. Über 50-Jährigen, chronisch Kranken und Personen mit Abwehrschwäche wird die Impfung gegen Influenza, Risikogruppen auch eine Impfung gegen Pneumokokken empfohlen. Für Kinder findet die Grundimmu- nisierung gegen Pneumokokken und Keuchhusten laut Österreichischem Impfplan schon im Säuglingsalter statt. Und wenn Sie jetzt noch nicht genug über den Husten gelesen haben, dann sei Ihnen ein großes Werk der Weltliteratur ans Herz gelegt: Im „Zauber- berg“ von Thomas Mann wird nämlich auf Teufel komm raus gehustet.


Gabriele Vasak

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2018