SANIEREN

Foto: istockphoto/ronstik, Doris Seebacher

Gut geplante Häuser kommen ohne Klimaanlage durch den Sommer.

Verdämmt, ich liebe dich!

Ein Haus zu sanieren, in das man sich Hals über Kopf verliebt hat, ist eine Aufgabe. Man muss achtsam vorgehen und planen – und die richtigen Personen ins Boot holen.

GESUND&LEBEN-

Redakteurin Dr. Doris

Simhofer mutierte beim Sanieren ihres Hauses zur Dämm-Expertin.

Ich habe ein Haus gekauft, in dem eine ältere Frau ihren Lebensabend verbracht hat. Und dass Ge- schmäcker verschieden sind und sich über Generationen verändern, war klar, doch in der Realität macht sich das ziemlich unmissverständlich bemerkbar. Mein Wunsch war, es im Winter mollig warm, im Sommer angenehm kühl zu haben. Ein angenehmes Wohnklima auf Dauer, ganz simpel. Wer ein neues Haus baut, kann entsprechend vorsorgen, doch um das charmante Traumhaus älteren Bau- jahrs auf Vordermann zu bringen, müsste man schon ein wenig tiefer in die Tasche greifen, vor allem bei den Energiekosten. Oder man lässt sich gut beraten. So habe ich eine Expertin der Energie- und Umweltagentur NÖ eingeladen, DI Andrea Kraft, die mir ganz klar zeigte, dass sich meine Fantasien mit magerem Börserl nur sukzessive umsetzen lassen. Auch gut, denn nach vielen Jahren Stadtwoh- nung wollte ich den Landtraum umsetzen, ein Haus, in das ich mich verliebt habe – mit Fehlern und Schwächen, alt, aber charmant und mit dem unschätzbaren Benefit eines 4.000 m2 Gartens, umringt von Ruhe und Idylle.


Dämmen – wie, bitte?

Um schlau vorzugehen, sollte man zunächst die oberste Geschoßdecke im Auge behalten. Eine Däm- mung in diesem Bereich spart im Winter Heizkosten und im Sommer schützt sie vor übermäßiger Hit- ze und erspart Kosten für eine Klimaanlage. „Dämmstärken von 25 cm sind Standard, über individuel- le Möglichkeiten informiert die Energieberatung NÖ“, weiß Expertin Andrea Kraft. Das ist auch die der- zeit günstigste Art, bis zu 30 Prozent Energie zu sparen. Am besten ist es, die Dämmschicht zweilagig anzubringen, die oberste Schicht sollte begehbar sein, dann kann man nämlich gut drüber spazieren, wenn die Sat-Schüssel gewartet werden muss oder man den Weihnachtskrimskrams Jahr für Jahr ausgräbt. Wichtig ist, dass die Schicht unter der Dämmung bereits brandhemmend ist, also mindes- tens F30, habe ich gelernt. Also eine Dämmung, die 30 Minuten starkem Brand widerstehen kann. Und: Rund um den Kamin muss in 60 cm Abstand brandhemmende Dämmung verlegt werden.

Für die Dämmung der obersten Geschoßdecke eignen sich druckfeste und weiche Dämmstoffe, die am besten aus Kunststoffen, oder – noch besser – aus nachhaltigen Produkten bestehen, denn diese werden in NÖ auch besonders gefördert, wie etwa nachhaltige Dämmstoffe, beispielsweise Zellulose, Schafwolle, Flachs oder Hanf. Bei allen Varianten sollte jedoch ein Fachmann oder eine Fachfrau zur Seite stehen, denn so etwa kann der preiswerte Dämmstoff Zellulose, aus Altpapier hergestellt, bes- ser von geschultem Personal eingebracht werden, um keine Hohlräume zu vergessen und damit En- ergieverlust zu vermeiden. Schafwolle ist als Dämmmatte, Filz, als Trittschalldämmung oder als Stopf- wolle geeignet. Flachs und Hanf sind als Dämmplatten, Stopfmaterial oder Matten erhältlich und eine gute Alternative zu herkömmlichen Dämmungen. Allerdings sollte auch hier jemand Fachkundiger be- ratend beistehen, denn jedes Haus ist individuell, hat seine eigene Persönlichkeit. Ich habe mich für Filz entschieden, denn das kannte ich und schien mir im Preis-Leistungs-Verhältnis – aber das ist sehr subjektiv – am besten geeignet.


Heizkosten sinken

Dank wissender Fachleute ist es mir gelungen, in den ersten Jahren die Heizkosten beträchtlich zu senken. Und im Sommer? Was mache ich, wenn Hitze hier einzieht? Mein Meister des Faches rät mir zu einer Fassadendämmung. Auch gut, ich vertraue auf den Fachmann, der weiß, wo die Schwach- punkte des Wärmeverlustes (und des Hitzeschutzes) liegen. Die Dachbodentreppe sollte ausreichend gedämmt werden, die Giebelwand darf dabei nicht übersehen werden, andernfalls kommt es zur Schimmelbildung, auf die ich gerne verzichte. Und egal, wie dick ich dämmen lasse, es fällt preislich nicht ins Gewicht, denn dämmen muss ich sowieso, egal ob mit 20er- oder 30er-Platten. Ich entschei- de mich für eine 25er-Dämmung, was immer das heißt. Aber zuvor noch, sagt mein Berater, gilt es, den Wärmeverlust der Fenster zu kennen. Und dass neue Fenster eine unverzichtbare Behaglichkeit bringen, weiß ich nun, denn seit ich neue Fenster und eine adäquate Dämmung habe, friere ich im Winter nicht und schwitze im Sommer auch nicht mehr.


Energielabel

Die Energieberatung NÖ sagt: „Gut geplante Häuser kommen auch ohne Klimaanlage durch den Sommer.“ Aber was ist, wenn es doch zu heiß wird? Auf der Ost- und Westseite hat mir mein Berater aus dem Grund dringend zu einer außenliegenden Verschattung bei den neuen Fenstern geraten. Und den großen Baum im Süden soll ich auch stehen lassen. Er spendet wertvollen Schatten und kühlt im Sommer. Wenn überhaupt Klimagerät, dann zahlt sich ein Blick auf das Energielabel aus, um die Stromkosten niedrig zu halten. Ich habe kein neues Haus, bei dem die optimale Ausrichtung der Fenster und Verschalungen möglich sind, aber wenn ich mich zu einer Klimaanlage entschließe, muss ich auch über Photovoltaik nachdenken, um die „verschwendete“ Energie wieder einzubringen. Das überlege ich mir noch, denn mein Haus ist individuell, hat seine eigene Persönlichkeit und steht mitten im Wald. Und im Sommer ist es kühl hier, im Winter dank den Expertinnen und Experten der Energie- und Umweltagentur NÖ kuschelig warm. Und in der Übergangszeit heize ich meinen verlässlichen Schwedenofen an, denn ich möchte keine Ölheizung mehr und werde sie bald erneuern. Aber das ist eine andere Geschichte.


Doris Simhofer

DI Andrea Kraft,

Energie- und Umwelt-

agentur NÖ

Energie- und

Umweltagentur NÖ

Energieberatungs-

Hotline: 02742/22144,

www.energieberatung-

noe.at, www.enu.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2018