GESUNDE JAUSE

FotoS: Katharina Gossow

Die 4 „Musketiere“

in der Jausenbox

Wasser/Getränk

Obst und Gemüse

Getreide(-produkt)

Milch(-produkt)

Fit & schlau

Rechnen, schreiben, lesen: Kluge Köpfchen brauchen viel Energie. Eine gesunde Jause liefert wertvolle Nährstoffe und hilft beim Konzentrieren.

Montag, 7:30 Uhr, Volksschule Sallingberg im Waldviertel – Zeit, sich die gesunde Jause zu holen: In der Bibliothek der Schule ist ein appetitliches kleines Feinschmecker-Buffet angerichtet: Gur- ken, Karotten, Paprika, Beeren, Trauben, Nüsse, Rosinen, Ei- und Kräuteraufstrich, Dinkel-Roggen-Mischbrot – alles wertvolle Helfer fürs Gehirn, denn mit diesen Nährstoffen bleibt es den ganzen Tag optimal versorgt. Eine Klasse nach der anderen kommt an die Rei- he, jedes Kind darf sich je nach Gusto seine Jausenbox befüllen. In der großen Pause wird dann alles verputzt. Manche Kinder es- sen auch gleich was – wer nichts gefrühstückt hat, hat nun Hunger. Emily und Lena streifen um den Tisch mit den Köstlichkeiten. Sie müssen noch ein wenig warten, denn ihre Klasse kommt erst dran. Sie gustieren aber schon, was es heute alles gibt. Das Angebot wechselt nämlich, jeden Montag liefert ein anderer Elternteil die gesunde Jause, manchmal auch die Lehrkräfte. „Das geht sich bei 57 Schülerinnen und Schülern und fünf Lehrkräften schön aus“, sagt Direktorin Elfriede Schierhuber. Ihre Kollegin Rosa Pertzl koor- diniert die gesunde Montagsjause.


Das Gehirn gut versorgen

Um 9:25 Uhr gibt es in der Volksschule Sallingberg eine verlänger- te Pause von 25 Minuten, genug Zeit also, um in Ruhe zu essen. Die meisten Kinder schnappen sich ihre Jausenbox und essen, was sie in der Früh hineingepackt haben. Manche setzen sich in den Garten, manche bleiben in der Klasse, manche essen ganz schnell und toben dann herum – jede und jeder, wie er mag. Hier ist nicht alles streng geregelt, es gibt keinen strikten 50-Minuten- Takt bei den Schulstunden, die Kinder dürfen während des Unter- richts trinken und aufs Klo gehen. Und was noch auffällt: Es ist sehr ruhig. „Die Schulglocke haben wir schon vor vielen Jahren ab- geschafft“, sagt Elfriede Schierhuber, „sie läutet nur in der Früh und zur großen Pause.“

Ein weiteres Jausen-Highlight gibt’s am Mittwoch: Jedes Kind kann sich um 1,50 Euro eine Jause bestellen. Im Mai standen etwa zur Auswahl: Grießpudding mit Früchten, Erdäpfelspalten mit Joghurt- Kräutersauce, Joghurt mit frischen Früchten, überbackene Bröt- chen (Wachauer gefüllt mit Käse, Schinken, Zwiebel, Paradeiser, Maiskörnern und Sauerrahm) und Topfencreme mit Erdbeeren. Zu- bereitet wird das am Dienstag von den Kindern, die Nachmittags- betreuung haben. Der Renner sind immer die Erdäpfelspalten, hört man.

Seit 25 Jahren leitet Elfriede Schierhuber die Schule und hat einige gesunde Schwerpunkte gesetzt: Die Schule ist eine sogenannte Wasserschule. Neue Wasserleitungen wurden installiert, ein Trink- brunnen montiert und alle Kinder haben eine Glasflasche bekom- men. Das Flaschenmodell Dora fasst einen halben Liter, das Mo- dell Emil 0,3 Liter. Dora und Emil haben einen Überzug, damit sie nicht so schnell zu Bruch gehen. Statt gesüßten, aromatisierten Säften trinken die Schülerinnen und Schüler nun ausnahmslos Lei- tungswasser. Kinder, die mehr Geschmack wollen, können das Wasser mit ein paar Tropfen Zitronensaft verfeinern.

„Wasser trinken kann man lernen“, sagt die Volksschuldirektorin, „und mittlerweile sind die Kinder es schon so gewohnt, dass es ih- nen richtig schmeckt und sie sogar einen Unterschied merken. Das Wasser in der Schule schmeckt nämlich anders als bei eini- gen daheim, je nach Brunnen.“ Sogar zum Wandertag nehmen die Kinder nur Wasser mit, „ganz freiwillig“, freut sich Elfriede Schier- huber. Denn Wasser ist das gesündeste Getränk überhaupt: „Von den überzuckerten Limonaden bekommen die Kinder einen Zu- ckerschock und Konzentrationsschwierigkeiten“, weiß sie aus Er- fahrung. Und wer zu wenig trinkt, wird bald müde und kann sich nur schwer konzentrieren. Um die Kinder zum regelmäßigen Trin- ken zu motivieren, hat sich die Schule etwas Besonderes einfallen lassen: Jedes Kind, das bis 9:30 Uhr seine Wasserflasche ausge- trunken hat, bekommt einen Stempel in den Wasserpass. Ist er voll, darf es sich im Turnunterricht ein Spiel wünschen. Das Projekt „Wasserschule“ findet breiten Anklang und hat im Vorjahr sogar den Vorsorgepreis gewonnen – eine Auszeichnung für die besten Vorsorgeprojekte des Landes (www.vorsorgepreis.at).

Manche Kinder bleiben über Mittag, haben dann Nachmittagsbe- treuung. „Auch sie sollen etwas Vernünftiges zu essen bekommen – gesund und ausgewogen“, sagt die Volksschuldirektorin. Für sie liefert ein Wirt aus der Umgebung ein gesundes Menü nach den Kriterien der »Vitalküche« (siehe Infokasten Seite 12). Denn schließlich brauchen helle Köpfchen auch am Nachmittag viel En- ergie – fürs Lernen, für die Hausaufgaben und natürlich auch zum Spielen.  Karin Schrammel n

Direktorin Dipl.-Päd. Elfriede Schierhuber setzt viele gesunde Schwerpunkte in der Volksschule Sallingberg


Gurken, Karotten, Paprika, Beeren, Eiaufstrich und Vollkornbrot liefern viel Energie. Jeden Montag gibt es in der

Volksschule Sallingberg ein gesundes Jausenbuffet.

»Vitalküche – Gemeinschaftsverpflegung in NÖ«


Die Initiative »Tut gut!« unterstützt Einrichtungen, die Gemeinschaftsverpflegung anbieten, dabei, das Speisenangebot stärker in Richtung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung umzustellen:

-Wie gestaltet sich ein abwechslungsreiches und bedarfsgerechtes Speisen-, Jausen- und Geträn- keangebot?

-Welche Rahmenbedingungen müssen in der Ge- meinschaftsverpflegung beachtet werden?

-Wie können Verpfleger, Schule, Kindergarten, Be- trieb, Gemeinde usw. optimal zusammenarbeiten?

Projektdauer: zwei Jahre, die Teilnahme ist kosten- los.

Bewerben können sich Kindergärten, Schulen, Be- triebe, Wirte und

Buffetbetreiber aus Niederösterreich.

Informationen & Anmeldung: www.noetutgut.at

Schon gewusst?

Milchprodukte wie

Joghurt, Buttermilch

oder ungesüßte Mix- getränke

eignen sich

als Zwischenmahl- zeit, ersetzen Was- ser aber nicht als Durstlöscher.

Trinkfrühstück - Eine gute Alternative für Frühstücksmuffel

Zutaten: 2 EL Joghurt oder Milch, 2 EL Apfelmus (oder püriertes Obst), 100 ml

Fruchtsaft (je nach Süße des Obstes auch 50 ml Fruchtsaft/50 ml Wasser), 1 EL Getreideflocken.


Zubereitung: Zutaten verrühren bzw. mixen. Lässt sich je nach Gusto in unzähligen Varianten abwandeln.

INTERVIEW

Mag. Sonja Lugbauer,

Ernährungsexpertin der Initiative »Tut gut!«

Fit durch den Schultag

Wie startet das Kind optimal in den Schultag?

Am besten mit einem gemeinsamen Frühstück: Ein Glas Wasser oder Tee, Vollkornbrot oder Getreideflocken (z. B. Hafer), Früchte oder Gemüse und ein Milchprodukt wie Käse, Joghurt oder Milch versorgen Ihr Kind mit den nötigen Nährstoffen. Kleine Frühstücksmuffel sollten zu- mindest etwas trinken, ein Glas Milch oder einen stark verdünnten hundertprozentigen Frucht- saft. Auch ein Trinkfrühstück (siehe Rezept Seite 14) ist eine gute Alternative.


Was soll in die Jausenbox?

Ideal ist beispielsweise eine Scheibe Vollkornbrot, dünn bestrichen mit Butter oder Frischkäse, mit magerem Schinken, fettarmer Wurst, Käse oder einem vegetarischen Brotaufstrich. Dazu Gemüserohkost und frisches Obst, am besten mundgerecht geschnitten. Abwechslung und Ge- schmack liefern Kresse, Basilikum, Petersilie oder Schnittlauch. Passende Durstlöscher sind Wasser oder ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee. Süßigkeiten wie Schokoriegel, süße Aufstri- che und Gebäck sind als Jause nicht geeignet. Sie enthalten viel Fett und Zucker:

Der Blutzuckerspiegel steigt rasant an, fällt dann aber rasch wieder ab. Oft sind Heiß-

hunger oder ein Leistungstief die Folge. Zum Vergleich: Isst das Kind Vollkornprodukte,

steigt der Blutzucker langsam an, das Kind ist länger satt, konzentriert und aufnahmefähig.


Sind Kinderlebensmittel gesund?

Sogenannte Kinderlebensmittel, die mit Slogans wie „mit der Extraportion Milch“, „mit wertvol- len Vitaminen“ werben, gehören nicht in die Jausenbox. Kinderlebensmittel sind meist Milch- desserts, abgepacktes Gebäck oder fertige Fruchtjoghurts, die neben viel Zucker auch viel Fett enthalten. Damit zählen sie zu den Süßigkeiten. Als Zwischenmahlzeit besser geeignet sind selbstgemachte Früchtejoghurts mit frischem Obst oder einem Teelöffel selbstgemachter Mar- melade. Ein bunter Mix aus Getreide, Obst, Gemüse und Milchprodukten zur Jause macht Ihr Kind satt und fit.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 08/2017