GESUND LEBEN & WOHL FÜHLEN - PADEL-TENNIS

Ein Sport für

jedermann

Der Trendsport Padel begeistert immer mehr Menschen in Österreich. Gespielt wird im Doppel, es ist kinderleicht zu erlernen und das Wichtigste: Es macht jede Menge Spaß.

FOTOS: DANIELA RITTMANNSBERGER

Dicke Schneedecken bedeckten im vergangenen Winter den blauen Kunstrasenplatz in Biberbach, einer kleinen Gemeinde im Mostviertel. Die Hobby-Padler schaufelten den Schnee kurzerhand weg, nahmen die Schläger in die behandschuhte Hand und spielten. Denn Padel-Tennis, dieses Spiel aus Raquetball-, Sqash- und Tenniselementen, macht einfach Spaß. Groß und klein, sportlich und körperlich eingeschränkt oder Frau und Mann – dieses Fieber hat mittlerweile ganz Österreich gepackt.

Simon Peschek, immer schon begeisterter Tennisspieler, blickt zufrieden über den klei- nen tennis-ähnlichen Platz, der mit Glaswänden umrahmt ist. Der Biberbacher fuhr im Mai 2014 mit Kollegen auf Trainingslager nach Mallorca. Dort erweckte eine etwas andere Art, Tennis zu spielen, ihre Aufmerksamkeit. Sie probierten es aus und hatten so viel Spaß, dass es vor allem Simon nicht mehr losließ.

Gott und die Welt, erinnert sich der 40-Jährige, machte er daraufhin rebellisch, um auch zu Hause dem kleinen Ball nachjagen zu können. Peschek hatte Glück: Von der ge- rade abgeschlossenen Tennisplatz-Renovierung blieb mehr Geld übrig als zunächst er- wartet. Der Verein beschloss den Bau eines eigenen Padelplatzes. Biberbach war zu die- ser Zeit nach Wien und Graz der erst dritte Standort in Österreich. Niemand kannte das

Rückschlag-Spiel, niemand hatte Erfahrung mit dem Bau eines Padelplatzes. In Spanien und Argentinien gehört das Spiel zu den be- liebtesten Sportarten überhaupt. Entstanden ist die Tennis- Variante durch einen Zufall: Ein Geschäftsmann wollte auf einer freiste- henden Fläche auf seinem Grundstück einen Tennisplatz errichten lassen. Der Platz war aber zu klein und von Betonwänden umge- ben. Er machte aus der Not eine Tugend und erkannte rasch den Vorteil der Mauern, denn der Ball flog nicht vom Spielfeld und blieb immer in Bewegung. Ein neuer Sport war geboren. Das war im Jahr 1965. 1987 wurde die „Asociación de Padel Argentina“ gegrün- det und sorgte dafür, dass Padel zum zweitwichtigsten Sport nach Fußball in Argentinien wurde.


Unterschiede überwinden

In Biberbach war der Bau eines Platzes, der für jedermann zugänglich ist, ein Experiment. Im Juni 2015 eröffnete der Tennisverein seine Padelanlage, für dessen Errichtung sogar spanische Monteure eingeflogen wurden. Nun vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Leben auf dem kleinen Platz herrscht. Im Spiel geht es zur Sache, der elfjährige Luca kann mit seinem Vater Simon Peschek locker mithalten. Luca spielt seit Jahren Tennis, doch das ist kein Muss, um mit Padel anzufangen: „Vor allem Kinder tun sich mit dem Padel leichter und kämpfen nicht mit dem Aufschlag, so wie anfangs oft beim Tennis, da der Padelschläger leichter ist“, sagt Peschek. Zur- zeit spiele immer wieder eine Gruppe von Fußballern, die mit Tennis nichts am Hut haben. „Das ist das Lässige daran: Man muss nicht Tennis spielen können und es entstehen trotzdem immer spannende Partien.“ Eine spannende Partie liefert sich das Vater- Sohn-Duo gerade: Luca schlägt von unten mit dem Schläger auf den Ball und schon ist er im gegenüberliegenden Spielfeld. Der Ball fliegt gegen die Glaswand – wichtig ist, dass der Ball einmal am Boden aufkommt, bevor er zurückgespielt wird, ansonsten gelten die klassischen Tennisregeln. Und so geht es hin und her, das Vater-Sohn-Team am Platz ist immer in Bewegung und kommt ganz schön ins Schwitzen

Besonders Kinder finden bereits nach wenigen Minuten Gefallen an der Rückspielballart. Es ist egal, wie schnell oder langsam man läuft: Durch die einfache Handhabung gelingen bereits nach kurzer Zeit Erfolge. Und die motivieren meist und steigern das Selbstvertrauen. Durch die kürzere Grifflänge des Schlägers treffen kleine Nachwuchs-Padler den Ball genauer; da der Schläger viel leichter als ein Tennisschläger ist, geht Kindern der Start viel einfacher von der Hand. Und: Da das Nachjagen des Balles so viel Freude bereitet, merken Kinder oft nicht, dass sie ständig in Bewegung sind und ins Schwitzen kommen.

Am Biberbacher Padelplatz mischt sich immer wieder die ältere Generation mit der Jugend – keine Seltenheit in diesem Sport, denn in den Ländern, in denen Padel populär ist, gilt es als Sport für die Familie. Egal, wenn die fünfjährige Tochter noch nicht so viel Kraft in den Armen hat oder der Großvater nicht mehr so schnell auf den Beinen ist: Man spielt eben so, wie man kann.


Padel als Rehabilitation

Simon gesellt sich wieder zu seinen Kollegen auf das benachbarte Tennisfeld, Luca spielt mit Freunden weiter. Die Burschen toben über das Feld, um den Ball zu erwischen, der wegen der Glaswände von allen Seiten kommen kann. Das bringt Leben ins Spiel und sorgt für ein optimales Beweglichkeits- und Koordinationstraining. Die Kinder padeln gerne, die Männer und Frauen rund um den kleinen Ort auch – und selbst Menschen mit Beeinträchtigungen können ohne Probleme am Spiel teilnehmen. Padel beugt Folgeer- krankungen von Behinderungen dank der regelmäßigen und dauerhaften Bewegung vor. Auch der Psyche körperlich beeinträchtig- ter Menschen tut das Ballspiel gut: Neben Erfolgs- und Gemeinschafterlebnissen verbindet Padel gesunde und beeinträchtigte Men- schen, führt aus der Isolation und fördert die Integration. In Ländern, in denen Padel sehr populär ist, wird der Sport bereits gezielt zur Rehabilitation genutzt: In Rehabilitationszentren gibt es Padelplätze.

In Biberbach ist es mittlerweile Abend und die Buben beenden ihr Spiel. Gut gelaunt sehen sie aus, Spaß hat es gemacht, sind sie sich einig. Der Kalender, in dem Tennisclub-Mitglieder und interessierte Padelspieler den Platz reservieren können, füllt sich stetig, erzählt Simon, und für die nächste Woche hat sich ein Tennisverein aus dem nahen Amstetten angemeldet. Der 40-Jährige packt zu- sammen und verabschiedet sich mit seinem Sohn. Die beiden werden die nächsten Tage garantiert wieder auf dem blauen Platz zu finden sein. Mit wem gemeinsam dann hitzige Partien gespielt werden, wird sich zeigen. Padel vereint alle Schichten, Altersgruppen und körperliche Unterschiede. Und es schafft das, was man sonst nur dem Reden nachsagt: Es bringt d’Leut zam.


DANIELA RITTMANNSBERGER 

„Man muss nicht Tennis spielen können und es ent- stehen trotzdem immer spannende

Partien.“

Simon Peschek

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2017