Unter Dach & Fach

Mit Kindern unter einem Dach zu leben, erfordert in erster Linie Kreativität und Geschick- .

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Genug Platz zum Schlafen, zum Spielen oder zum Aufgabemachen soll vorhanden sein. Rückzugsbereiche und gleichzeitig die Möglichke- it, am Familienleben teilzuhaben, so sind die Anforderungen, um allen Ansprüchen gerecht zu werden. Ein Spagat, der das Know-how eine- s Innenarchitekten, das Fingerspitzengefühl von Pädagoginnen und die Liebe von Eltern braucht, um alles unter „Dach und Fach“ zu kriege- n.  „Ein Zimmer, in dem für alle meine Spielsachen Platz ist“, diesen Satz kennen viele Eltern, wenn etwa Sechsjährige ihre Ansprüche auf den Punkt bringen. Im Klartext heißt das nämlich: Ich will einen Platz, an dem ich alle meine Spielsachen nicht wegräumen muss. Ein Blick i- n den eigenen Erfahrungsschatz sagte: Dieses Zimmer ist dafür zu klein. Die Lösung bieten stapelbare bunte Kisten. In der grünen das Leg- o, in der gelben die Holzbausteine, in der blauen Stofftiere und so weiter. Je nach Erweiterung des Spielzeugsortiments wächst die Anzahl d- er bunten Kisten. Rollbare Stauräume sind in diesem Fall ideal, damit man sie problemlos hin- und hermanövrieren kann. Aus der Idee de- s Nachwuchses, das Spielzeug Jahr und Tag rumliegen zu lassen, wird somit nichts. Schließlich entspricht es weitgehend der elterlichen Vor- stellung (und dem Montessori’schen Ansatz), dem Kind eine gewisse Ordnung anzugewöhnen, aber auch die Routine, ein neues Spiel er- st zu beginnen, wenn die davor benutzten Spielsachen wieder an Ort und Stelle sind. Und wenn die Spielstätte nun doch einmal wie das Di- sneyland nach einem Wirbelsturm aussieht, dann „Tür zu“ und später aufräumen- .


Das Bett wächst mit

Kinder wachsen schnell, daher muss ein mitwachsendes Bett her. Praktisch dafür ist ein in der Höhe verstellbares Bett, das zunächst als „ebenerdige Variante“ Eingang ins Kinderzimmer findet. Später eignet sich eine erhöhte Bettvariante, zum Beispiel ein Stockbett ohne unte- res Bett. Der untere Bereich dient dann als Rückzugsort, kann mit Vorhängen behübscht und mit einer Matratze ausgestattet als Kusche- lecke, Puppenhaus oder Bett für Besuch dienen. Mehrere Lichtquellen (an der Decke, neben dem Bett und beim Spiele-Areal) schaffen ind- ividuelle Beleuchtung, die ganz nach Tages- und Nachtzeit variieren kann- .


Kinder sitzen meist nicht den ganzen Tag

spielend im eigenen Zimmer, sondern suchen Familienanschluss. Dann ist es gut, wenn der Parkettboden aus hartem Holz besteht, wie B- uche oder Erle. Diese Hölzer sind pflegeleicht und beständig. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn der Spinat nicht mundet oder die Kakaoparty in einem Desaster endet, und das an diesem Boden keine nachhaltigen Spuren hinterlässt. Features wie Babysteckdosen oder Herdschutzg- itter erweisen sich als nützlich, doch tun sich mitunter weitere „Fallen“ auf. So etwa, wenn eine Treppe vom Erdgeschoß in den Schlafbereich führt. Eine Sicherheits-Absperrung lohnt sich, denn immerhin gibt es Kinder, die sich, so schnell kann kein Erwachsener schauen, in eine Bananenschachtel setzen und vom ersten Stock zu Tale rutschen. Orientieren Sie sich in Sicherheitsfragen laufend an der Kreativität des Sprösslings.


Mitwohnen

Während es im Babyalter noch leicht ist, den Aktionsradius des Youngsters genau zu definieren und als Decke, Spielwiese oder Spielteppic- h zu deklarieren, sind diese kleinen Ansprüche ab dem Gehenlernen passé. Doch meist ist von den Eltern nicht geplant, ein Wohnzimmer zum Wohn-Spielzimmer zu machen. Eine Kuschelzone mit Matratze, Decken, Pölstern findet aber fast überall Platz. Spielsachen, die im Wohn- zimmer bleiben dürfen, müssen vom Kind auch selbst weggeräumt werden. Dafür gibt es originelle Möbel mit „Innenleben“, wie Tische oder Bänke, die man aufklappen kann und in denen eine ganze Spielesammlung Platz findet- .


Pubertät

Im Laufe der Zeit genügt der kleine Schreibtisch, der für Volksschulaufgaben gut ist, nicht mehr für die Hausübungen. Das „Kinderzimmer“, das jetzt nur mehr als „mein Zimmer“ bezeichnet wird, wird meist von den Jugendlichen komplett umgestaltet. Das Hochbett wandert in den Keller, die Wandtattoos und Postercollagen werden abgekratzt. Neue Farben müssen an die Wand. Und neuerdings legt man auch auf das passende Bettzeug großen Wert. Das Leselicht darf nicht zu grell sein, aber auch nicht zu dunkel, am besten mit Dimmer,wie auch das De- ckenlicht. Wenn Besuch von Freundinnen und Freunden da ist, ist alles meist ein bisschen anders. Aufgeräumter. Erwachsener. Mit Kindern zu wohnen garantiert in jedem Fall Abwechslung.


Doris Simhofer

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2018