IM GESPRÄCH

Zum Wohl der

Patienten

Wer wird uns in Zukunft pflegen? Und wohin entwickelt sich die

Pflege als Beruf? Antworten gibt Mag. Gabriele Gschwandtner, stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Pflegewissenschaft der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems.

Pflege als Beruf ... ermöglicht, mit Achtsamkeit und Fachwissen für einen Menschen zu sorgen. Wenn Menschen der Pflege bedürfen, befinden sie sich meist in einer besonderen Lebenssituation. Daher ge- hören zur Pflege Themen wie Leiden, Abhängigkeit,

Verletzlichkeit und Hilfsbedürftigkeit. Die Pflege übernimmt aber auch Aufgaben der Gesundheitsförderung. Pflegepersonen im Krankenhaus, in einer Langzeitpflege-Institution (Pflegeheim) und im häuslichen Umfeld verbringen viele Stunden mit den Menschen, die sie pflegen. Patientenorientierung und die individuelle Lebensqualität sind grundlegend in den Pflegeberufen.


Die Menschen werden älter ... und diese demografischen Veränderungen werden zunehmend diskutiert. Im November 2016 veröffentlichten die Europäische Kommission und die OECD den Bericht „Gesundheit auf einen Blick: Europa 2016“. Er zeigt, dass im Großteil der EU-Länder die Lebenserwartung mittlerweile bei über 80 Jahren liegt. Für den Pflegeberuf ist bedeutend, dass die höhere Lebenserwartung nicht ubedingt mit einem gesunden Älterwerden einhergeht. Dazu kommt, dass in den nächsten Jahren die sogenannten geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen werden, und mit ihnen viele Pflegepersonen.


Chancen als Pflegekraft hat man, weil ... man neben anderen Berufen ein wichtiger Partner in der Gesundheitsversorgung ist. In Österreich gibt es derzeit dafür zwei Pflegeassistenzberufe, den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpfle- ge (mit und ohne Bachelorabschluss) und verschiedene Vertiefungs- und Erweiterungsmöglichkeiten bis hin zum Doktorat als Abschluss.


Drei Berufsgruppen in der Pflege bedeuten in der Praxis ... eine Veränderung: Der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege hat die Gesamtverantwortung für den Pflegeprozess. Dieser ist zentraler Kern der Pflege. Die einzelnen Schrit- te des Prozesses erfordern viel Wissen und hohe soziale Fähigkeiten. Ziel ist, die Pflege mit dem zu pflegenden Menschen so zu planen, dass sie auf dessen Wohlbefinden abgestimmt ist und die wünschenswerte Lebensqualität erhält. Die neue Be- rufsgruppe der Pflegefachassistenz (PFA) handelt dabei auf Anordnung. Die zweijährige Ausbildung ermöglicht die kompe- tenzvertiefende pflegerische Qualifikation. Die PFA darf Auszubildende der Pflegeassistenzberufe (einjährige Ausbildung) an- leiten. Und sie hat vertiefte Qualifikationen im Bereich Diagnostik und Therapie, sie darf beispielsweise ein EKG durchführen.


Pflegewissenschaft ist ... in Österreich eine noch junge Disziplin. Sie erarbeitet die Wissensgrundlagen der Pflege. Wie die amerikanische Wissenschaftlerin Barbara Carper definiert (1978), besteht professionelle Pflege aus vier Elementen: empiri- sches (wissenschaftliches), ethisches, ästhetisches und persönliches Wissen. Wissenschaftliche Ansätze, wie Evidence-ba- sed Nursing, betonen die Bedeutung der Patienten-Perspektive: Die Bedürfnisse und das Wissen von Patientinnen und Pati- enten nehmen eine zentrale Rolle ein. Laut Gesetz (GuKG §14 Abs. 12) gehören zu den pflegerischen Kernkompetenzen ethi- sches, evidenz- und forschungsbasiertes Handeln einschließlich Wissensmanagement. Vor der Pflegewissenschaft liegt noch viel Arbeit. Beispielsweise müssen noch viele Wissensgrundlagen zum Wohle der Patientinnen und Patienten entwickelt und in der Praxis eingeführt werden.


Der gehobene Dienst wird jetzt vorwiegend an Fachhochschulen ausgebildet ... weil diese Pflegepersonen so vielfältige Aufgaben und Möglichkeiten haben, dass ethisches und wissenschaftsgestütztes Fachwissen notwendige Grundlage ist. Pflegewissenschaftliche Erkenntnisse sollen sie bei den Entscheidungen, die sie in der Pflegepraxis treffen müssen, unterstüt- zen.


Für die Zukunft der Pflege ... ist die bestmögliche Zusammenarbeit aller Berufsgruppen wesentlich, um Menschen gut ver- sorgen zu können. Eine Herausforderung der nächsten Zeit ist die Aufgabenverteilung in den Institutionen des Gesundheits- wesens. Und sie hat vertiefte Qualifikationen im Bereich Diagnostik und Therapie, sie darf beispielsweise ein EKG durchfüh- ren. Für die Pflegefachassistenten

mit ihrem umfangreichen und verantwortungsvollen Aufgabengebiet sind unterstützende Maßnahmen wie spezielle Fort- und Weiterbildungsangebote unerlässlich.


Das Schöne am Pflegeberuf ist, dass ... er vielfältig ist und in hohem Maß heute auch eigenverantwortlich. Er hat gesetzli- che Grundlagen, erfordert ein großes Wissensspektrum und man steht in direkter Beziehung mit Menschen. Pflegepersonen arbeiten in einem hochkomplexen Umfeld. Zentrales Ziel pflegerischen Handelns ist immer das Wohlergehen von Patientin- nen und Patienten, Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Kundinnen und Kunden. Alle Maßnahmen müssen von diesem Ziel ausgehen.


Riki Ritter-Börner

Foto: philipP monihart

Zur Person


Mag. Gabriele Gschwandtner ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, studierte Pflegewissen- schaft an der Universität Wien und absolvierte vertiefende pflegebezogene Weiterbildungen. Außerdem ab- solvierte sie das „Studium Integrale“ an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (Klagen- furt-Graz-Wien) an der Universität Klagenfurt. Sie arbeitete als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege- rin an verschiedenen Kliniken und in der Langzeitpflege. Nach dem Pflegewissenschafts-Studium wechselte die gebürtige Waldviertlerin in die Gesundheits- und Krankenpflegeschule Krems. Dort war sie leitendes Mit- glied beim Aufbau des Fachbereichs Pflegewissenschaft, der jetzt an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems eingegliedert ist. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellver- tretende Leitung des Fachbereichs Pflegewissenschaft. Ihre Spezialgebiete sind Pflegeethik, chronische Krankheit, Palliativpflege und Pflege im höheren Lebensalter. Außerdem unterrichtet sie an der Pflegeschule in Stockerau. Sie ist Universitätslektorin und publiziert Fachliteratur.

Neben ihren beständigen Freunden sind ihre Nichte und ihr Neffe von besonderer Bedeutung für sie. Ihre Hobbys sind Reisen, Lesen, Bewegung in der Natur und Yoga.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 04/2018