KUREN & REHABILITATION IN NÖ - REHABILITATION

FOTOs: BVA-Rehabilitationszentrums Engelsbad

Pflicht & Kür

Im Rehabilitationszentrum Engelsbad in Baden werden nachhaltige Bewegungskonzepte ver- mittelt.

Engelsbad: Schon der Name klingt nach Geborgenheit und Wohlbefinden. Das ist die eine, die wohltuende Fa- cette, die Team und Ambiente des gleichnamigen Rehabi- litationszentrums in Baden vermitteln. Die andere Seite steht im Zeichen disziplinierten Trainings, ambitionierten Lernens, um den Gästen des Hauses nachhaltig zu Be- weglichkeit und neuer Kraft zu verhelfen. Prim. Dr. Alex- ander Fellmann-Bauer, Ärztlicher Leiter des BVA-Rehabi- litationszentrums Engelsbad in Baden, erklärt: „Wir führen eine Rehabilitation so durch, wie sie physiologisch erfor- derlich ist. Viele Patientinnen und Patienten haben die Wunschvorstellung, sie kommen drei Wochen lang zu uns, hier wird alles repariert und danach können sie wie- der tanzen und springen wie in jungen Jahren.“ Das ist unrealistisch, derartige Versprechen gibt Fellmann-Bauer seinen Gästen nicht, „vielmehr erklären wir ihnen in drei Wochen, dass es wichtig ist, vorsichtig zu trainieren, um Kraft und Geschicklichkeit zu verbessern – allerdings müssen Betroffene nach dem Rehabilitationsaufenthalt auch zuhause weitermachen und dranbleiben, wenn es mitunter nicht so einfach ist, aktiv zu sein, weil man Schmerzen hat.“ Und so versteht sich das Haus auch als eine Art Lehranstalt, denn „wir machen unsere Patienten zu Experten ihrer individuellen Situation; erst nach diesen drei Wochen sind sie startklar und können abheben – in ein Leben, von dem sie genau wissen, wie es zu gestal- ten ist.“


Startklar

Und so versteht sich dieses Zentrum für Rehabilitation des Bewegungsapparates auch als eine Art Schule. „Zu uns kommen Patienten nach Operationen an der Hüfte, Knie, Schulter oder Wirbelsäule sowie mit chronischen Rheumaerkrankungen“, sagt Fellmann-Bauer, der das Haus seit 2013 leitet. Um die Gäste nach neuesten wis- senschaftlichen Erkenntnissen zu schulen, steht ein Team von hochqualifizierten Therapeutinnen und Thera- peuten, Unfall- und Neurochirurgen, Orthopäden, Anäs- thesisten, Internisten und Physikalischen Medizinern zur Verfügung. „Innerhalb von drei Wochen kann man den Körper nicht so trainieren, dass alles wieder wie vorher funktioniert – dazu braucht man im Allgemeinen ein Jahr, um Kraft und Geschicklichkeit, Muskeln und Gangsicher-

heit wieder aufzubauen“, beschreibt Fellmann-Bauer. Wichtig ist jedoch, Betroffenen bewusst zu machen, dass ein Nichttrainieren in einen Teufelskreis führt. Zunächst zum Verlust an Kraft und Geschicklichkeit, danach bewegt man die verletzten Körperteile ungeschickter, Schmerz kommt hinzu, man bewegt sich weniger und das führt wie- der zu Kraftverlust. Der Mediziner erklärt: „Wir steigen aus dieser Spirale aus, trainieren zunächst vorsichtig mit Unterstützung. Selbst bei den ‚passiven Therapien‘ wie Strom müssen Patienten mitmachen, Muskeln zusammen- ziehen und lockerlassen oder die Knie beugen.“

Das Wichtigste dabei ist: Man darf nicht aufhören zu trainieren, auch wenn es schmerzt. Dann müssen gegebenen- falls die Übungen angepasst werden. Der Trainingserfolg setzt jedenfalls nur dann ein, wenn man dranbleibt. Der Primarius zeichnet für den Genesungsprozess ein besonderes Bild: „Der Prozess lässt sich mit einem Flug verglei- chen. Hier, im Engelsbad, vermitteln wir den Patienten die Route, den Kurs, nach drei Wochen haben sie erst mal das Ende der Startbahn erreicht, sind ready for take off, also in einer Position, um das eigene Leben in gesunde Bahnen zu pilotieren.“

Zeit geben statt aufgeben

Eine Rehabilitation  im Engelsbad erfolgt in „Pflicht und Kür“. Seitens der Sozialver- sicherungen bestehen konkrete Vorgaben als Rahmenbedingung für die Behandlun- gen im Rahmen einer Rehabilitation, vor Ort wird der individuelle Heilbedarf des Pa- tienten erhoben; ob er mehr Elektrotherapie oder Heilgymnastik braucht, Wärme- oder Kältetherapie, jeder Gast ist individuell – mancher braucht mehr, andere weni- ger an gesunden Programmen. In Einzelbehandlungen wird den Gästen daher er- klärt, wie sie üben, trainieren sollen, in Gruppen wird aktiv unter Anleitung und mit Feedback der Trainer geübt. „Unser Zukunftstraum wäre es, unsere Patienten nach der Rehabilitation wieder ins Haus zu bekommen. Um unter dem Aspekt der Nach- haltigkeit zu sehen, wo etwas zu adaptieren, zu aktualisieren ist. Das wäre im Sinne einer Gesundheitserhaltung wichtig, auch volkswirtschaftlich“, formuliert Fellmann- Bauer seine Zukunftspläne. Für ein Abheben in ein neues Leben seiner Patienten ist er in jedem Fall startklar.


Doris Simhofer

Therapie-Mix


Im Engelsbad wird nach einer ausführlichen Untersuchung ein indivi- dueller Therapieplan erstellt, ein Mix aus folgenden Komponenten:

n Physiotherapie: Aktive Bewegungstherapie wird mit neuesten me- dizinischen Trainingsmethoden durchgeführt. Hochqualifizierte The- rapeuten leiten das Training an, sodass Betroffene wichtige Voraus- setzungen ihres individuellen Bewegungskonzeptes erlernen. Eine nachhaltige Funktionsverbesserung lässt sich aber nur erreichen, wenn das Erlernte auch zuhause weiter praktiziert wird.

-Elektrotherapie: Individualisierte Stromformen sollen orthopädi- sche und rheumatologische Beschwerden lindern. Es besteht auch die Möglichkeit, spezielle TENS-Geräte auszuleihen, um zu- hause am Muskelaufbau und Schmerztherapie zu arbeiten.

-Wärme- und Kälteanwendungen: Gelenksleiden werden mit spe- ziellen Wärmepackungen oder Rotlicht-Bestrahlungen behandelt. Die Kältetherapie (Kryo) hat sich bei akut-entzündlichen Gelenks- beschwerden als erfolgreich erwiesen.

-Massage: Klassische Massage soll die Beweglichkeit und Dehn- barkeit des Gewebes fördern. Sie wird am gesamten Bewegungs- apparat eingesetzt.

-Schwefelbad: Was wäre Baden ohne Schwefeltherapie? Im En- gelsbad sprudelt eine eigene Schwefelquelle, Grundlage für die traditionelle Badetherapie und ebenso Ergänzung für moderne Rehabilitationskonzepte.

-Ergotherapie: Um im Alltag weiterhin selbstständig zu bleiben, un- terstützen und beraten Ergotherapeuten mit gezieltem, individuel- lem Training.

-Bei Bedarf bieten auch Psychologinnen und Diätologinnen Rat und Unterstützung an.

Prim. Dr. Alexander Fellmann- Bauer, Ärztlicher Leiter des BVA- Rehabilitationszentrums Engels- bad in Baden

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 05/2018