IM GESPRÄCH

Foto: barbara nidetzky

„Helfen ist immer gefragt“

Josef Schmoll, Präsident des Roten Kreuz Niederösterreich, über Weihnachten, Schenken, das Ehrenamt und seine prägendsten Erlebnisse in der stillsten Zeit.

Advent bedeutet für mich …

Dankbarkeit. Ich habe einmal einen Brief eines Kindes erhalten, das sich beim Roten Kreuz für die Rettung seines Opas bedankt hat – ein liebevoll geschriebe- ner, sehr emotionaler Brief, den ich in der Vorweih-

nachtszeit gerne vorgelesen habe. Dankbarkeit war in diesem Brief zu lesen, Dankbarkeit, dass wir rechtzeitig da waren. Was ich aber immer dazu sage: Es gibt Armut und Bedürftigkeit, Unfälle und Notstand rund um uns herum, das ganze Jahre über – nicht nur im Ad- vent und zu Weihnachten. Helfen ist immer gefragt, unabhängig von Zeit und Ort.


Weihnachten …

ist für mich die Zeit zu reflektieren, was das Jahr gebracht hat, dem Trubel des Alltags Einhalt zu gebieten und die Tage mit meiner Fami- lie zu verbringen. Zeit, um nachzudenken und dankbar dafür zu sein, dass ich eine liebevolle Familie habe. Und auch dankbar dafür, dass ich Zeit und Raum habe, meine freiwillige Tätigkeit so intensiv zu leben.


Mein schönstes Weihnachtserlebnis im Ehrenamt …

Der für mich prägendste Einsatz rund um die Weihnachtszeit war, als ich nach einem schweren Erdbeben am 25. Dezember in die Türkei flog, um dort in den Sucheinsatz zu gehen. Auf einem Gelände, das nur noch aus Schutt und Trümmern bestand, doch noch Menschen lebend retten zu können, Hilfe zu leisten, wo sie mehr als dringend benötigt wird. Daran erinnere ich mich, als wäre es gestern passiert.


Ehrenamtlich arbeite ich seit …

1988 habe ich meine Ausbildung zum Rettungssanitäter begonnen – und habe mich sozusagen mit dem Rotkreuz-Virus infiziert. Losge- lassen hat es mich bis heute nicht. 2006 habe ich die Aufgabe als Bezirksstellenleiter übernommen, parallel dazu wurde ich 2011 zum

Vizepräsidenten gewählt und habe mich damit auch neuen Herausforderungen gestellt.

Besonders prägend für mich war aber nicht nur die Arbeit für das Rote Kreuz im Inland, sondern auch meine Auslands-einsätze 1999 in der Türkei, 2003 im Iran, 2004 in Algerien oder nach dem Tsunami 2004 in Thailand.


Drangeblieben bin ich, weil …

Helfen für mich nicht einfach nur eine Aufgabe ist, sondern Berufung. Vor allem aber hat sich eines immer wieder für mich bestätigt: Man bekommt viel Dank- barkeit, bekommt unendlich viel zurück. Nicht an Geld, nicht an Gütern,

sondern an glücklichen Momenten. Meine Begeisterung ist mit der Zeit definitiv gewachsen.


Mein Vorbild …

Da gibt es in meinem Leben sicherlich mehrere, einen möchte ich aber beson- ders hervorheben, weil sein uneigennütziger Einsatz nicht nur spontan, vor Ort, eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst hat – sondern weil sie viel weiter ge- reicht hat: Henry Dunant, Gründer der Rotkreuz-Bewegung. Es ist sein Lebens- werk, das wir heute weiterführen. Es ist seine Idee und es war sein engagierter Wille, der die heutige Gesellschaft in dieser Hinsicht massiv geprägt hat.


Ehrenamts-Arbeit für unsere Gesellschaft …

ist nicht wegzudenken – sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Es ist eine Wertehaltung, die dadurch geprägt wird. Ohne Ehrenamt, ohne Men- schen, die einfach aus Überzeugung helfen wollen, wäre unsere Gesellschaft arm an Werten. Hilfsbereitschaft, sich einsetzen und nicht die Augen vor Leid und Bedürftigkeit zu verschließen, sind wesentliche Grundsteine. Ich bin stolz auf unsere vielen Helferinnen und Helfer, die sich tagtäglich für Menschen ein- setzen. Es ist mir ein Anliegen, Danke zu sagen. Danke, dass ihr euch – in wel- cher Organisation und Form auch immer – für eure Mitmenschen derartig enga- giert einsetzt.

Zur Person


General Josef Schmoll, BA, ist am 14. September 1968 geboren. Seit 2016 ist er Präsident des Roten Kreuzes in NÖ, war davor seit 2011 Vizepräsident und davor stellvertretender Landesret- tungskommandant. Er startete seine Rotkreuz-Karriere 1988 als Rettungs- sanitäter. Schmoll war zudem mehr- fach im Auslandseinsatz. Beruflich ist Josef Schmoll als Bundesinspizieren- der der Justizanstalten zuständig für Sicherheit, Bauwesen und Aufsicht im Strafvollzug. Er ist verheiratet, lebt mit seiner Familie auf einem Bauernhof in Höflein an der Hohen Wand. Er ist Kommandant der Freiwilligen Feuer- wehr und nicht zuletzt auch dafür be- kannt, dass er Mangalitza-Schweine züchtet.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2017