VERSORGUNG

FotoS: zvg

Für Dr. Christoph Powondra (am Bild mit seinem Sohn Emil) ist mit der interdisziplinären Zusammenarbeit ein

Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.

Die Physiotherapeuten Sabine Nolz und Clemens Krendl arbeiten ebenfalls dort.

Gesundheitszentren für Primärversorgung werden künftig zu Anlaufstellen für alle gesundheitlichen Fragen und sind für die Grundversorgung für Akut- und Notfälle sowie die Gesundheitsförderung da.

Die Quadratur des Kreises

Gesundheitszentren sollen helfen, die Bevölkerung besser zu versorgen und die Krankenhaus- Ambulanzen zu entlasten. Das erste Zentrum in Böheimkirchen ist seit Oktober in Betrieb.

Haus- und Sportarzt Dr. Christoph Powondra in Böheimkirchen arbeitete bereits in einer Art Gesundheitszentrum, als es das noch gar nicht gab: Er hatte seit dem Jahr 2015 eine Gruppenpraxis mit mehreren Ärztinnen und Ärzten, die weit über die üblichen Öff- nungszeiten hin offen hatte. Powondra und seine Kollegen hatten Platz und die nötigen Ressourcen. Also war es für sie kein riesiger Schritt, daraus das erste NÖ Gesundheitszentrum für Primärversorgung zu realisieren. Trotzdem war es eine Umstellung für das gan- ze Team, vor allem organisatorisch. Doch die Freude über die Zusammenarbeit mit vielen anderen Berufsgruppen überwiegt: Nun stehen in diesem Gesundheitszentrum fünf Ärztinnen und Ärzte zur Verfügung, die Ordinationsassistenz, diplomierte Pflegekräfte, eine Psychotherapeutin, eine Sozialarbeiterin, eine Diätologin und fünf Physiotherapeutinnen für die Akut-Versorgung. Christoph Powondra sieht sich mit seinem Team als Gesundheits-Nahversorger. Am liebsten würde er noch viel mehr für die Gesundheitsvor- sorge tun, als nur Vorsorge-Untersuchungen vorzunehmen. Dieser Bereich soll in nächster Zeit noch wachsen. Sonst ist er trotz vie- ler neuer organisatorischer Themen zufrieden, durch die vielen Berufsgruppen eine gute Versorgung anbieten zu können – mit Öff- nungszeiten, die die Bedürfnisse der Bevölkerung abdecken.


Weitere Zentren geplant

Anfang 2019 werden zwei weitere Gesundheitszentren für Primärversorgung eröffnet – eines in Schwechat und eines in St. Pölten. Drei weitere Pilotprojekte sind im Umfeld von NÖ Kliniken bzw. als Gesundheitsnetzwerke (an mehreren Standorten in räumlicher Nähe) geplant. Im Jahr 2021 soll es insgesamt 14 solcher Einrichtungen in Niederösterreich geben. Dafür haben Land Niederöster- reich, die NÖ Gebietskrankenkasse und die NÖ Ärztekammer entsprechende Grundlagen ausverhandelt. Die Finanzierung über- nimmt überwiegend die Sozialversicherung unter Co-Finanzierung des Landes Niederösterreich. Das Ziel: Rundumversorgung und Therapieplanung sollen unter einem Dach zusammenkommen, um die Bevölkerung umfassend zu versorgen und die Spitalsambu- lanzen zu entlasten.

In einem Gesundheitszentrum für Primärversorgung arbeiten mindestens drei Allgemeinmediziner, diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, Ordinationsassistenten sowie Vertreter von mindestens drei anderen Gesundheitsberufen zusammen. Für die Patienten bedeutet das eine Rundumversorgung. Gesundheitszentren für Primärversorgung werden künftig zu Anlaufstellen für alle gesundheitlichen Fragen und sind für die Grundversorgung für Akut- und Notfälle sowie für die Gesundheitsförderung da. Außer- dem kommt der Einrichtung eine wichtige Rolle bei der Versorgung chronisch kranker Patienten sowie in der Palliativmedizin und der geriatrischen Versorgung zu.

Länger offen: Gesundheitszentren für Primärversorgung in Niederösterreich müssen mindestens 50 Stunden in der Woche offen hal- ten. Ordinationszeiten von Montag bis Freitag zwischen 7:00 und 19:00 Uhr mit der Möglichkeit einer Mittagspause sowie eine ganz- jährige Öffnung (ohne Schließtage in Urlaubszeiten) sind verpflichtend. Die Tagesrandzeiten sind somit abgedeckt und erleichtern es Berufstätigen, vor oder nach der Arbeit die Ordination aufzusuchen.

Schwerpunkt Prävention: Neben der Krankenbehandlung sollen Gesundheitszentren für Primärversorgung auch Gesundheitsförde- rung und Prävention anbieten: die kostenlose Vorsorgeuntersuchung, ein umfassendes Impfservice, das Programm „Therapie Aktiv“ für Diabetes-Typ-2-Patienten sowie – dank des multiprofessionellen Teams – spezifische Angebote etwa in den Bereichen Herz- Kreislauf, Adipositas oder Rückenschmerz. Auch Kooperationen mit Schulen und Gemeinden soll es geben.



Informationen & Unterstützung beim

Aufbau eines Gesundheitszentrums:

-www.pve-boe.at

-www.noegus.at

-www.arztnoe.at

-www.noegkk.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2018