NATURLIEBE

Fotos: NP Thayatal/R. Mirau, Elisabeth Gila

Natur spüren

Draußen sein tut uns gut – ob im Wald, im Gebirge oder am Wasser. Wir vergessen den Stress und können uns regenerieren.

Wir kennen das und haben es schon oft erlebt: Die Natur tut uns einfach gut. Das war schon immer so. Der große Komponist Ludwig van Beethoven be- schreibt in seiner 6. Symphonie, der Pastorale, die Natur, wie er sie wahrschein- lich in Niederösterreich erlebt hat. Viele andere Künstler wurden von der Schön- heit der Natur inspiriert, zum Beispiel der Schriftsteller Adalbert Stifter in seinen sechs Erzählungen „Bunte Steine“. Oder denken wir an die wunderschönen Wäl- der bei Gustav Klimt – auch er hat sicher Eindrücke aus dem Wienerwald verar- beitet. Draußen sein, den Himmel und die bauschigen Wolken sehen, das Was- ser in der Sonne glitzern sehen, den Wind auf der Haut spüren und dem Blätter- rauschen lauschen, den Hasen beim Hoppeln über das Stoppelfeld beobachten oder das Eichhörnchen bei seinen waghalsigen Turnübungen in den Zweigen – all das hilft uns, abzuschalten, zu entspannen. Aber warum ist das so? „Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist, dass wir die Natur als etwas wahrnehmen, das größer ist als wir selbst“, sagt Gesundheitspsychologin Mag. Judith Draxler- Hutter. Das lässt uns zufrieden werden, uns entspannen, und die schwierigen Dinge des Lebens fallen auf den richtigen, angemessenen Platz, statt weiter im Gedankenkarussell zu kreisen. Wenn wir auf einem Hügel oder Berg stehen und ins Tal, in die Ebene schauen, spüren wir den hektischen, stressigen Alltag nicht mehr – und unsere Probleme, die wir dort unten gelassen haben, wirken nun auch nicht mehr so groß, wie sie uns noch letzte Nacht vorgekommen sind. „Wenn wir gehen, lassen wir die Dinge, die uns belasten, irgendwann hinter uns – und können danach auf eine andere Art draufschauen, weil wir Abstand ge- wonnen haben. Wir finden Lösungen, sehen neue Wege, damit umzugehen und andere Aspekte, die wir bisher nicht sehen konnten. Oder sind zumindest für eine Weile davon befreit, unsere Probleme präsent zu haben und zu wälzen.“

Wer beispielsweise achtsam durch den Wald geht und alle Sinne nutzt, um ihn zu erfassen, kann viel erleben – und ist dabei ganz bei sich: Bäume und Farne, die Form der Blätter, ihre Verfärbung jetzt im Herbst, ihre Struktur, die kleinen Versorgungsadern in jedem Blatt, keines gleicht dem nächsten. Das Fallen der bunten Blätter – im sanften Herbstlüfterl torkeln sie wie ein goldener Regen, wenn die Sonne scheint. Wie es hier duftet. Und der Boden fühlt sich ganz weich an. Die kräftigen Stämme, die hoch über unserem Kopf Kronen bilden und stark und sicher stehen. Da und dort Vogellaute, und ist man ganz still, hört man es rascheln im braunen Laub.Was war das? Ein leises Knacken. Irgendwo huscht eine Waldmaus. „Man braucht Zeit dafür und nimmt sie sich“, sagt Judith Drax- ler-Hutter, „man entschleunigt.“ Und staunt – über die Vielfalt, die Farben, die Strukturen, die Schönheit der einfachen Dinge: Die rissige Rinde des einen Bau- mes und die glatte, glänzende am anderen. „Kindliche Begeisterung stellt sich ein, etwas, was wir viel zu selten spüren, was uns aber richtig glücklich machen kann. Diese Fähigkeit haben wir nicht verloren, sondern nur vernachlässigt. Kindliches Staunenkönnen tut uns gut. Die Natur gibt uns den Anstoß dazu – und es ist ein ziemlich kostengünstiges Vergnügen.“ Der Stress und belastende Gedanken sind dann einfach weg.

Jede Art der Bewegung in der Natur hat ihre Vorteile: Auspowern beim Laufen oder flotten Bergsteigen, gemütlich spazieren oder wandern, allein oder in der Gemeinschaft – alles hat seinen Reiz. Kräuter und Pilze sammeln, oder Material zum Basteln. Ein Picknick, eine Decke am Feldrand oder die Regenjacke als Sitz- unterlage – und das Essen schmeckt viel intensiver. Kitesurfen, Standup-Pad- deln, Fliegenfischen – da spürt man die Elemente noch viel intensiver. Oder man zähmt die Natur nach den eigenen Wünschen im eigenen Garten – und ist doch davon abhängig, was sie selber will. Denn natürlich kann man planen, aber es wächst nur, was auch wachsen will. Und überrascht einen dann mit besonde- rer Schönheit. Viele Menschen schöpfen ihre Kraft aus der Natur, auch viele Pro- minente, zum Beispiel ORF-Wetterexpertin Dr. Christa Kummer, für die die Na- tur eine „große Energie-Tankstelle“ ist: Es gebe nichts Schöneres, als im Wald- viertel auf einem riesigen Granit-Wackelstein zu sitzen und die Energie und Kraft dieses Ortes zu spüren. Und sie rät: „Handy zu Hause lassen und wirklich hinhören – das tut so gut!“ Oder Innenminister Mag. Wolfgang Sobotka, der die Liebe zur Natur nicht nur mit nachhaltiger Begeisterung im eigenen Garten aus- lebt, sondern daraus eine Initiative gemacht hat, die im ganzen Land auf große Beliebtheit trifft: „Natur im Garten“.

Wer sich der Natur aussetzt, auch wenn die Sonne nicht am Himmel steht, kann noch viel mehr erleben. „Zuhören, wie der Regen klingt, zum Beispiel. Oder in der Morgendämmerung wahrnehmen, wie die Natur erwacht – das sind Erleb-


6 Tipps: Wandern mit Kindern

-Planen Sie einen Wanderausflug mit Kindern grundsätzlich bei schönem Wetter, gemäß dem Motto: „Trocken und nicht zu kalt!“

-Kinder brauchen mehr Pausen. Sobald sie nach einem Zwi- schenstopp oder nach einem Getränk verlangen, sollten Sie diesem Wunsch nachkommen.

-Nehmen Sie einen persönlichen Gegenstand mit, wie zum Beispiel ein Kuscheltier oder einen eigenen Rucksack. Packen Sie auch Reservewäsche ein.

-Kinder brauchen viel Flüssigkeit. Bieten Sie daher bei jeder Gelegenheit Getränke an, wie zum Beispiel Wasser, verdünn- te Fruchtsäfte oder Tee. Zwingen Sie Kinder nicht zum Essen, wenn sie keinen Hunger haben. Sie melden sich meist von selbst.

-Kinder ermüden relativ schnell, erholen sich aber auch unge- mein rasch. Legen Sie daher öfter eine kleine Pause ein.

-Kinderhaut ist empfindlich und braucht Schutz – bei Wärme und bei Kälte.

Maßgeschneiderte Wanderungen für die ganze Familie finden Sie bei den Wanderwegen der Initiative »Tut gut!«, mit genauen Angaben zu einzelnen Strecken und Tipps für die Verpflegung

bei »tut gut«-Wirten. Manche Wege sind kinderwagentauglich. Die druckfrische Wanderbroschüre können Sie bestellen unter www.noetutgut.at oder beim »tut gut«-Telefon: 02742/9011-0.


Kraft schöpfen im Garten

„Ich erhole mich am besten, wenn ich in meinem Garten arbeite. Blumen einsetzen, Unkraut zup- fen, einen Baum pflanzen – das tut mir einfach gut, da entspanne ich mich und kann meine Bat- terien auftanken. Manches Mal verschlägt es mich sogar noch mitten in der Nacht, wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause kom- me, für einige Zeit in meinen Garten. Für mich ist dies eine richtige Kraftquelle. Besondere Freu- de habe ich mit meinem selbst angepflanzten Ge- müse. Nichts schmeckt besser als eine Karotte, die ich gerade aus der Erde gezogen und an der Hose abgewischt habe. Oder sonnenwarme Para- deiser, direkt von der Staude. Wie heißt es doch so schön: Pflege deinen Garten und der Garten pflegt deine Seele.“ Innenminister Mag. Wolf- gang Sobotka hat vor 18 Jahren die Initiative „Natur im Garten“ gegründet, um den Ver- brauch von Kunstdünger und Pestiziden in den heimischen Gärten zu senken und ökologisches Gärtnern zu fördern. Die Initiative ist mittler- weile auch in den Nachbarländern angekom- men, eine gleichnamige Fernsehsendung findet regelmäßig zahlreiche Seherinnen und Seher.

Naturland Niederösterreich


Wer die Natur liebt, hat in Niederösterreich unendlich viel zu sehen und zu erle- ben. Naturschutz ist ein zentrales Thema, und das zeigt sich auch an mögli- chen Ausflugszielen für den Naturgenuss:

-Niederösterreich hat mit 23 Naturparken die meisten in Österreich: www.na- turparke-noe.at

-Zwei Nationalparke liegen in unserem Bundesland: der Nationalpark Donau- Auen mit dem riesigen urwaldartigen Augebiet südöstlich von Wien, der heu- er kräftig erweitert und vergrößert wurde, sowie der grenzüberschreitende Nationalpark Thayatal: www.nationalparksaustria.at

-Niederösterreich hat seit heuer ein UNESCO-Weltnaturerbe, das erste in Ös- terreich – das Wildnisgebiet Dürrenstein. Es beherbergt Urwälder, die noch nie eine Axt gesehen haben. Mit der Auszeichnung zum UNESCO-Weltnatur- erbe reiht es sich in die prominente Liste von Weltnaturerbestätten wie dem Yellowstone National Park, den Galapagos-Inseln oder den Südtiroler Dolomi- ten ein. Das Wildnisgebiet Dürrenstein erstreckt sich auf 3.500 ha im südli- chen Teil des Bezirks Scheibbs, nahe des mächtigen Ötschers und an der Grenze zur Steiermark. Die Schutzkategorie „Wildnisgebiet“ bezeichnet die höchste Schutzkategorie gemäß IUCN (Weltnaturschutzorganisation) und un- terliegt damit noch höherem Schutz als etwa Nationalparke. Charakteristisch und einzigartig ist das hohe Alter der Bäume, die zwischen 400 bis 1.000 Jahre alt sind. Das Gebiet ist Heimat für seltene Arten wie den Habichtskauz, den Luchs und viele weitere besondere Tier- und Pflanzenarten. Den Grund- stein für den Erhalt der Urwälder hat 1875 der damalige Besitzer Albert Roth- schild gelegt, der verfügt hat, dass der sogenannte Rothwald nicht forstlich genutzt und sich selbst überlassen werden soll.


Informationen für Naturinteressierte gibt es auf  www.naturland-noe.at. Nieder- österreich ist führend bei Fluss-Renaturierungen und feiert regelmäßig Erfolge im Artenschutz.

Unberührte Natur – das Wildnisgebiet Dürrenstein ist ein ganz besonderes und österreichweit einzigartig geschütztes Juwel, das man nur mit einem Führer besuchen sollte. Stolz drauf sind: (v.l.) Dr. Christoph Leditznig (Geschäftsfüh- rer Wildnisgebiet), LH-Stellvertreter Dr. Stephan Pernkopf und DI Stefan Schörghuber (Förster im Wildnisgebiet)

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 09/2017