BERUFSBILD MASSAGE

Masseurin Monika Winkler in ihrer Praxis in Horn. Erst seit wenigen Wochen ist sie dort tätig, doch ihr Terminkalender ist bereits voll.

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Körperkontakt

Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Migräne oder einfach nur Stress? Bei all diesen Problemen kann eine Masseurin oder ein Masseur helfen.

FotoS: Philipp Monihart, istockphoto/ Wavebreakmedia

Mehr als zwanzig Jahre hat es gedauert, bis Monika Winkler dort war, wo sie schon als Kind sein wollte. Heute steht sie in ih- rer eigenen Massagepraxis in Horn, unweit des Landesklinikums. Die 35-Jährige eröffnete die Praxis erst vor wenigen Wo- chen. Davor absolvierte sie eine eineinhalbjährige Ausbildung in der Zauner-Dungl Gesundheitsakademie in Gars am Kamp. Bereits in ihrer Jugend strebte sie eine Lehre zur Heilmasseurin an, doch im Waldviertel fand sich damals kein Ausbildungs- platz und die Eltern wollten das junge Mädchen nicht alleine nach Wien gehen lassen.


Traumjob

Nach einer Lehre als Bürokauffrau und einigen Jobs in leitender Funktion passierte im Jahr 2011 jener schwere Verkehrsunfall, der Winkler zu einem Neuanfang motivierte. „Ich war so lange in der Reha, dass ich meinen Job verlor. Da dachte ich, wenn ich jetzt wieder arbeite, dann nur in meinem Traumberuf.“ Biotrainerin ist sie heute, und damit medizinische Masseurin und Heilmasseurin mit einer umfassenden Ausbildung, die nach dem Konzept von Fitness-Pionier Willi Dungl entstanden ist. Und Lehrerin für Fitsport. Denn die Grundausbildung zur Heilmasseurin sah die motivierte Waldviertlerin nur als Basis für weiteres Wissen.

„Die Fitsportausbildung hat mir Spaß gemacht“, erzählt sie – Nordic Walking, Mountainbiken, Langlauf und Indoorsport standen auf dem Programm. Bewegung ist Winkler sehr wichtig. Das vermittelt sie auch ihren Patienten.

„Ich versuche meinen Kunden immer wieder Anstöße zu geben, mehr Bewegung zu machen und sich gesünder zu ernähren“, sagt Winkler. Ihre Inspiration holt sie sich dabei aus der Traditionellen Chinesi- schen Medizin. Dort ist die Ernährungslehre nämlich eine der fünf Säulen, die die Grundlage dieser Philosophie bilden. Ein allgemeines Interesse für Gesundheitsthemen und Menschen sei für den Beruf der Heilmasseurin unerlässlich, meint Winkler. Ein Masseur hat jeden Tag mit unterschiedlichen Men- schen zu tun. Unterschiedlichen Persönlichkeiten, Altersgruppen und Krankheiten. Aber auch Men- schen mit unterschiedlichen Geschichten. Man lerne schnell, Leute zu lesen und wisse schon, wenn sie bei der Tür hereinkommen, ob man sie vorerst nur vorsichtig berühren solle, oder ob sie mit Körper- kontakt wenig Probleme haben.


Wohl fühlen

„Die Leute sollen sich nicht angegafft oder angegrapscht fühlen“, erklärt  Beispiel entweder mit einer Nacken- und Rückenmassage entgegen, oder Winkler. Mit manchen Patienten müsse man erst ein Ver- trauensverhältnis aufbauen. Vor allem, weil viele Patienten auf Verordnung eines Arztes zu Winkler

kommen. Gesunde Kunden können ihre Praxis jederzeit aufsuchen, um sich eine Wohlfühl- massage zu gönnen. Treten aber beispielsweise Schmerzen im Rücken auf, muss ein Arzt die Massage verschreiben und die genaue Art der Massage festlegen. „Kopfschmerzen treten wir dann zum mit einer Fußreflexzonenmassage.“

Ein großer Teil der Patienten genieße die Massagen wegen dem Körperkontakt, glaubt Winkler.

„Ich denke, dass wir in einer sehr stressigen Zeit leben und viele Menschen sich selbst gar nicht mehr so richtig spüren. Eine  Massage hilft ihnen dabei. Der zwischenmenschliche Kontakt ist ihnen wichtig“, erzählt sie, „viele schlafen auch ein.“


Qualität

Die Wahl des Therapeuten ist eine sehr persönliche Sache. Patient und Masseur müssen zusammenpassen. Das sei eine Sympathiefrage, glaubt Winkler. Alle Masseure in Öster- reich haben dieselbe Grundausbildung. Unterschiede gäbe es nur in der Auslegung des Berufes. „Die Kommunikation zwischen beiden muss stimmen“, ist Monika Winkler über- zeugt, „denn der Patient muss mir sagen, ob er sich wohl fühlt, oder nicht. Dann kann ich mich auf seine Wünsche optimal einstellen.“ Für Masseure selbst ist der Job sehr fordernd: „Es schaut so leicht aus, aber man muss schon etwas tun, um keine Rücken schmerzen zu bekommen und seine Gelenke nicht zu ruinieren.“ Das sei zum Beispiel Sport als Aus- gleich. Winkler macht Yoga, hat neben ihrer Ausbildung auch Qigong und Tai Chi gelernt. Wichtig sei auch, dynamisch zu arbeiten.

Das heißt: ständige Positionswechsel bei der Massage und regelmäßige Fingergymnastik, um die Hand- und Armmuskulatur zu stärken und die Gelenke zu schonen. „Die Anstren- gung des Berufes darf sich aber nicht auf den Kunden auswirken“, beschreibt Winkler ihre Berufsphilosophie. Sie teilt sich ihre Termine stets so ein, dass sie den letzten Patienten genauso kräftig massieren kann wie den ersten. Zwischen jedem Termin gönnt sie sich eine Pause, um wieder fit für die nächste Massage zu sein. „Massenabfertigung gibt es bei mir nicht“, lacht sie. Und man sieht, dass sie glücklich ist mit ihrem neuen Berufsleben.


Markus Feigl

Monika Winkler ist Masseu- rin mit Leib und Seele. Erst ein Schicksalsschlag hat

sie dazu gebracht, ihrer Be- rufung zu folgen.

Technik


Es gibt fünf Handgriffe, die bei Massagen in der Regel angewendet werden:

-Effleurage – Streichen: Dies ist der ange- nehmste Handgriff, der nur zum Entspannen dient. Oft wird damit auch Öl auf der Haut verteilt

-Petrissage – Kneten: Haut und Muskeln wer- den mit mehreren Fingern oder der ganzen Hand geknetet. So werden Verspannungen gelöst und die Durchblutung verbessert.

-Friktion – Reiben: Fingerspitzen oder Hand- ballen reiben kreisend über den Muskel. Auch damit werden Verspannungen gelöst, aller- dings kann dieser Handgriff sehr kraftvoll ein- gesetzt werden und manchmal Schmerzen verursachen.

-Tapotement – Klopfen: Kurze schlagende Be- wegungen mit Fingern oder Handfläche auf die Haut fördern die Durchblutung und verän- dern die Muskelspannung.

-Vibration – Zittern: Der Masseur erzeugt mit Handfläche oder Fingern Schwingungen auf der Haut, die krampflösend wirken können.

Monika Winkler

Heilmasseurin

Spitalgasse 8a

3580 Horn

Tel.: 0660/494 86 57

Ausbildung


Die Ausbildung zum medizinischen Masseur dauert etwa ein Jahr in der Vollzeitvariante. Es gibt in Ös- terreich zahlreiche Anbieter von WIFI, BFI bis zu Privatakademien wie die Zauner-Dungl Gesundheits- akademie in Gars am Kamp. Dort lernt man alles Nötige über die menschliche Anatomie, Hygiene, un- terschiedliche Methoden wie Ultraschalltherapie, Packungsanwendungen, natürlich unterschiedliche Massagetechniken und die rechtlichen Grundlagen des Berufes.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 11/2017