KREBS

FotoS: Philipp Monihart, robert herbst, zvg

„Als aufmerksamer Leser von GESUND&LEBEN und als zufriedener Patient möchte ich die Onkologie des Universitätsklinikums Krems vor den Vorhang holen.“

Das Pflegeteam der Tagesklinik schafft ein Ambiente, in dem die Chemotherapie so ange- nehm wie möglich abläuft: (v.l.) DGKP Maria Neunteufl, DGKP Karin Fasching, DGKP Su- sanne Geppner und DGKP Anita Seitner.

Text.

Beim Tumorboard tauschen sich Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen über die bestmögliche Behandlung der Patientinnen und Patienten aus.

Teamwork gegen Krebs

Menschen mit Tumorerkrankungen brauchen das Zusammenspiel von zahlreichen Expertinnen und Experten, um den Kampf aufzunehmen.

Karl Götz ist dankbar. Und sagt das auch: Der Weißenkirchner will unbedingt jene Menschen vor den Vorhang holen, die mit ihm gegen seine Krebserkrankung und für seine Lebensqualität und Gesundheit kämpfen. Begonnen hat alles im vorigen Sommer, als ihm klar wurde, dass etwas nicht passt. Im Blutbild sind die Tumormarker zu hoch und Götz kommt ins Universitätsklinikum Krems, um den Blutwerten auf den Grund zu gehen. Krebs. Ein Schock. Seinem Arzt, Oberarzt Priv.-Doz. Mag. DDr. Klaus Podar von der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 2 vertraut der 59-Jährige „von der ersten Sekunde an“. Podar empfiehlt ihm einen sogenannten Port für seine Behandlung: Eine unter die Haut eingepflanzte kleine Kammer mit einem Katheter, der in eine herznahe Vene mündet, damit nicht ständig etwas in die Arm- venen injiziert werden muss. „Der schaut nicht schick aus, aber er bietet Lebensqualität“, habe Podar ihm geraten. Götz hat sich den Port implantieren lassen und ist sehr froh darüber.


Gute Logistik

Der sportliche Karl Götz weiß, was gute Logistik ist. Er arbeitet bei der Rail Cargo Logistics der ÖBB und betreut Großkunden. Da muss al- les immer zur rechten Zeit geliefert sein. Götz vergleicht die Abläufe im Klinikum mit seinem Logistik-Wissen und kommt aus dem Loben nicht heraus. In einem Danke-Brief schrieb er: „Als aufmerksamer Leser von GESUND&LEBEN und als zufriedener Patient, aber auch als Fachmann in meinem Brotberuf als Logistiker möchte ich im Zusammenhang mit dem letzten Artikel ‚Bestens versorgt‘ die Onkologie des Universitätsklinikums Krems vor den Vorhang holen und darf bestätigen, dass hier eine absolut tolle Mannschaft im medizinischen Bereich arbeitet. Der Artikel spricht geradezu Bände und trifft die positive Organisation perfekt bzw. spiegelt für mich als Patient den geschilderten Ablauf sehr authentisch wider. Besonders die interne Vernetzung mit dem Onkologie-Informations-System OIS und die Einrichtung der Ta- ges-Onko, verbunden mit Behandlungsmethoden, die eine weiterführende ,Heimbetreuung am Tropf‘ erlauben, sind absolute Mile-stones für mich und wirken äußerst professionell.“


Stand der Dinge

Das Onkologie-Informations-System OIS erleichtere ihm als Patienten das Leben enorm: Wenn er mit verschiedenen Ärztinnen und Ärzten zu tun hat, könne jede und jeder den Stand der Dinge genau nachlesen. Man müsse nichts mehrfach erzählen und sich auch nicht darum kümmern, Befunde bei sich zu haben. Früher habe man immer einen Wust an Papieren mitschleppen müssen. Durch das OIS sei auch sein Hausarzt bestens informiert. Und so sei es mit vielen Dingen in seiner Behandlung: „Man wünscht sich kurze Wege, schnelle Informa- tionen und ein perfektes Zeit-Management im Sinne des Patienten. Und genau das, sagt Götz, erlebe er im Universitätsklinikum Krems. Schon allein für die perfekten Abläufe würde er das Team der Tagesklinik sofort an seinem Arbeitsplatz einstellen. Doch es gebe noch viel mehr zu loben, hebt Götz hervor: „Ich habe keine Grippe, sondern eine lebensbedrohliche Krankheit. Da ist es ganz besonders wichtig, wie man mit mir umgeht. Es ist wirklich eine Kunst, immer freundlich zu sein, denn die Patienten sind manchmal auch lästig. Aber die Mitar-

beiterinnen und Mitarbeiter bleiben fröhlich und unterstützen mich mit aufmunternden Gesprächen. Das tut unheimlich gut und gibt mir Kraft.“ Kraft geben ihm auch seine Fa- milie, sein Freundeskreis und ein verständnisvoller Arbeitgeber – gepaart mit Willen, Glauben und Vertrauen ins medizinische Team. In Summe ist das für Karl Götz der Power-Energie-Drink, der ihm hilft, sein Ziel zu erreichen.

Götz muss sich im Verlauf der Behandlung einer Leistenbruch-Operation unterziehen, die seine Lebensqualität enorm verbessert. So kann er jetzt wieder seinen Fahrrad-Er- gometer zum Trainieren nutzen, was davor nicht möglich war. Für die OP hat Oberarzt Podar mit seinem Team alles perfekt mit den operierenden Ärzten vorbereitet.

Glaube, Hoffnung, Demut

Hat ihn die Krebserkrankung verändert? „Man lernt andere Werte kennen“, sagt Karl Götz. Gläubiger sei er geworden. „Glaube, Hoffnung und vor al- lem Demut werden auf einmal ganz wichtig. Und der Wille zur Kommunika- tion. Nicht jeder geht offen mit einer Krebserkrankung um.“ Offenheit gehö- re nun noch mehr zu ihm, sagt der Jazzfan: „Ich pfeif mir nix.“ Er werde feinfühliger, auch für sich selbst, denkt mehr nach. Und „ich bin mir viel wichtiger geworden. Es geht um Selbsterhaltung und Selbstwert. Und um meine Ziele – ich schiebe nichts mehr auf. Einfach tun!“ Vier Operationen hat Götz mittlerweile hinter sich, alle sind gut verlaufen. Ob er alternativ- ergänzende Methoden nutzen solle, hat er seinen Arzt gefragt. Klaus Po- dar ist da pragmatisch: „Wenn es Ihnen gut tut, machen Sie es.“ Hat er Angst? „Jetzt nicht mehr“, sagt Götz. Innerhalb kurzer Zeit sind seine Mut- ter und sein Schwiegervater gestorben. Das waren harte Schläge für ihn.


Miteinander

Seine Behandlung geht intensiv weiter, für GESUND&LEBEN nimmt sich Götz während der Chemotherapie Zeit – und sein Arzt Klaus Podar bleibt für das Gespräch nach einem Nachtdienst extra länger da. Von seinem Pa- tienten ist er sehr angetan, weil dieser intensiv mit ihm zusammenarbeitet. Und er freut sich, dass Götz das Team vor den Vorhang holt: „Wir arbeiten hier mit schwerkranken Menschen. Manche werden wieder gesund, ande- re bleiben chronisch krank. Krebspatienten kann man nur im Team, im Mit- einander behandeln.“ Podar brennt dafür und für die Forschung, denn er ist überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren noch viel an neuem Wis- sen ergeben wird, das wesentlich die Heilungschancen verbessert. Karl Götz will anderen Patientinnen und Patienten Mut machen, sich möglichst breit Hilfe zu holen. „Psychoonkologie, Ernährungsberatung, Pflege, die Angehörigen und moderater Sport gehören einfach dazu. Dann kann man auch was für die Lebensqualität tun.“ Das Wichtigste sei ein Netzwerk an Ärztinnen, Ärzten und Pflege wie im Universitätsklinikum Krems, sagt Götz: „Man ist nicht gerne im Spital. Aber hier bekommt man viel Unterstützung.“


Riki Ritter-Börner

Den Beitrag „Bestens versorgt“, den Karl Götz in seinem Brief genannt hat, finden Sie hier:

www.gesundundleben.at/bestens-versorgt

 Teamwork für Patientinnen & Patienten

am Beispiel Universitätsklinikum Krems


-Klinische Abteilung für Innere Medizin 2: Das hämato- onkologische Team unter der Leitung von Prim. Univ.- Prof. Dr. Martin Pecherstorfer beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie von Blut- und Krebserkrankun- gen. Behandelt wird nach internationalen Standards und nach den Prinzipien der Evidenz-basierten Medizin. Wichtige Bereiche sind die Tagesklinik, die Station und die Palliativstation. Palliative Care ist auf die Linderung von Symptomen und Schmerzen ausgerichtet. Das Team betreut konsiliarmedizinisch das Universitätsklini- kum Tulln und das Landesklinikum Klosterneuburg mit.

-Die Klinische Abteilung für Strahlentherapie-Radioonko- logie betreut alle Krebspatientinnen und -patienten, bei denen eine Strahlentherapie zum Einsatz kommt. Sie ist auch in den Tumorboards zahlreicher anderer NÖ Kliniken beteiligt.

-Das Klinische Institut für Medizinisch-Chemische La- bordiagnostik liefert die für Diagnose und Behandlungs- verlauf wichtigen Daten aus dem Blut.

-Das Klinische Institut für Pathologie erstellt histologi- sche, zytologische, mikrobiologische und spezielle sero- logische Befunde und Diagnosen. Die Ergebnisse sind ausschlaggebend für die Wahl der therapeutischen Maßnahmen.

-Das Tumorboard ist ein wichtiges Gremium, in dem sich die Abteilungen und Institute über die bestmögliche Be- handlung austauschen.


Informationen: www.lknoe.at

Universitätsklinikum Krems

Mitterweg 10, 3500 Krems, Tel.: 02732/9004-0

www.krems.lknoe.at

Neuer Linearbeschleuniger


An der Klinischen Abteilung für Strahlentherapie-Radioonkologie am Universi- tätsklinikum Krems werden Patientinnen und Patienten an drei Linearbeschleu- nigern behandelt. Eines dieser Geräte wurde nun durch ein neues ersetzt. Auch ein neuer Computertomograph unterstützt die Arbeit der Medizin. Die beiden Geräte arbeiten effizienter und bringen neue Möglichkeiten mit sich. Mit dem neuen Linearbeschleuniger sind Spezialverfahren möglich, wie die stereotaktischen Bestrahlungen von Tumoren im Gehirn und in der Lunge: Bis- lang wurden Patientinnen und Patienten mit einer solchen Indikation nach Wien verwiesen. Nun können sie auch in Krems behandelt werden.


Freuen sich über den neuen leistungsstarken Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie im Universitätsklinikum Krems: (v.l.) Landtagsabgeordneter Josef Edlinger, Dr. Markus Klammin- ger (Medizinischer Geschäftsführer NÖ Landeskliniken-Holding), Regionalmanagerin Hon. Prof. (FH) Christa Stelzmüller, LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf und OA Dr. Michael Mittermüller (stv. Abteilungsleiter)

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2018