IM GESPRÄCH

„Wir kümmern

uns um die

Zukunft“

Dr. Markus Klamminger, Medizinischer Geschäftsführer der NÖ Landeskliniken- Holding, sprach mit GESUND&LEBEN über die Ärzteausbildung der Zukunft und was die NÖ Kliniken für den Nachwuchs leisten.

Ärztin und Arzt sein ... ist ein wunderbarer Beruf. Seit meiner aktiven Zeit als Chirurg vor 18 Jahren hat sich zwar vieles verändert, der Dokumentationsaufwand ist größer, das Arbeitspensum dichter – trotzdem bietet

der Beruf viele Möglichkeiten, ein erfülltes Berufsleben

zu führen und auch mitzugestalten. Zum Beispiel an der Entwicklung neuer Behandlungsunterstützungen, wie beim Onkologie-Informati- ons-System, einem speziellen Computerprogramm, das wir für die Krebspatienten entwickelt haben. Ich danke allen Ärztinnen und Ärzten dafür, dass sie die nötige Zeit für die Dokumentation aufwenden. Das alles tun sie neben der Arbeit am Krankenbett, die sie zur vollsten Zufriedenheit leisten: Es kommt viel Lob und Dank von den Patientinnen und Patienten, wie die Ergebnisse der jährlichen Patientenbefra- gung zeigen. Zudem kümmern sich die Ärztinnen und Ärzte um die Ausbildung des Nachwuchses, damit wir auch morgen die beste Ver- sorgung haben.


Trotzdem sorgen Sie sich um den Nachwuchs an Ärztinnen und Ärzten ... weil durch die Studienplatzbeschränkung einfach nicht mehr so viele ausgebildet werden. Deshalb strengen wir uns wirklich an, genug junge Menschen für den Beruf zu begeistern.


Um den Nachwuchs in anderen Berufsgruppen ... mache ich mir derzeit Gedanken, aber keine Sorgen. In der Pflege, wo es in anderen Ländern wie Deutschland bereits Engpässe gibt, sind wir gut aufgestellt. Der Beruf wird durch die neue zweijährige Ausbildung zur Pflege- Fachassistenz auch attraktiver. Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Führungskräfte in der Pflege gut entwickeln. Denn wir sehen immer wieder, dass die Arbeitszufriedenheit, aber auch die Patientenzufriedenheit ganz wesentlich von der Qualität der Führung abhängt.


Ärztinnen und Ärzte gewinnen die Kliniken ... durch ein vielfältiges Maßnahmenpaket. Das beginnt schon bei den zahlreichen Informa- tionsveranstaltungen für Maturantinnen und Maturanten, die wir an allen Klinik-Standorten organisieren. Dabei informieren wir über das Studium, die Jobaussichten, die Anmeldung zum Aufnahmetest für das Medizinstudium, die Vorbereitungskurse für den Test, die wir orga- nisieren, und die finanziellen Unterstützungen des Landes Niederösterreich. Wir sind aber auch auf zahlreichen Berufsmessen vertreten. Und vor allem versuchen wir, mit der Qualität der Ausbildung zu punkten.


Das Studium selbst ... hat sich enorm verändert. Schließlich haben sich auch die Anforderungen verändert. Wir sehen, dass die Qualität der Ausbildung gestiegen ist. Und wir sind direkt involviert: Das sechste und letzte Studienjahr absolvieren die Studierenden in unseren Landes- und Universitätskliniken – eine wichtige Chance neben all den kleinen Praktika, um junge Menschen für die Arbeit in unseren Kli- niken zu begeistern.


Universitätskliniken sind ... die drei Häuser in St. Pölten, Krems und Tulln, weil sie Ausbildungsstellen der Karl Landsteiner Privatuniver- sität für Gesundheitswissenschaften in Krems sind. Diese Uni ist mit Unterstützung der NÖ Landeskliniken-Holding entstanden und wird im Vollausbau bis 2020 450 Studierende haben. In den drei Kliniken werden sie im zweiten Abschnitt, dem Master-Studium, in Kleingrup- pen intensiv per Bedside-Teaching ausgebildet. Hier ergeben sich viele Synergien zwischen Uni und Kliniken.


Ärztin und Arzt in einem NÖ Klinikum werden ... ist eine gute Entscheidung, denn wir sind als NÖ Landeskliniken-Holding ein führen- des Unternehmen im Gesundheitsbereich. Viele Innovationen kommen von uns, wie etwa die Messung der Ergebnisqualität der Behand- lung, die ganz Österreich von uns übernommen hat. Das Land investiert viel Geld für firmenunabhängige Weiterbildungen und gibt dafür extra Tage frei. Die Dienstzeiten lassen sich gut regeln, wenn man Nachwuchs hat, und viele Kliniken haben Kinderbetreuungseinrichtun- gen. Wir waren der erste Gesundheitsdienstleister, der die EU-Arbeitszeitenregelungen eingeführt hat – das war zwar schwer, aber es tut unseren Teams gut. Bei uns können Sie in Ihrer Lieblingsregion Arbeit finden – das nutzen viele Menschen bewusst, um etwa wieder in der Heimat zu leben. Wir haben das Glück, dass dem Land die Kliniken wichtig sind und deshalb laufend Aus- und Neubauten gemacht werden. Jüngstes Beispiel ist das gerade eröffnete Haus C in St. Pölten – das modernste Klinikum in Österreich. Das alles heißt: Wir küm- mern uns um die Zukunft.


Riki Ritter-Börner

Foto: philipP monihart

Zur Person


Dr. Markus Klamminger studierte Medizin an der Univer- sität Wien und absolvierte die Turnusausbildung zum Praktischen Arzt im Krankenhaus Krems. Dazwischen arbeitete er gemeinsam mit seiner Frau, ebenfalls Ärztin, einige Monate im Auftrag der UNO in einem Kurden- Camp im Iran. Ihren ersten Hochzeitstag feierten sie im Flüchtlingslager. „Dort habe ich die Bombensplitter ent- fernt und entschieden, dass ich Chirurg werde“, sagt er. Die Facharzt-Ausbildung zum Chirurgen absolvierte Klamminger in Krems und wurde Oberarzt der Chirurgie. Mit knapp 40 Jahren wechselte er als Prüfarzt in den NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS). Mit der Grün- dung der NÖ Landeskliniken-Holding 2005 übernahm Klamminger die Medizin-Abteilung. Seither ist diese Ab- teilung gewachsen, heißt jetzt „Medizinische Betriebsun- terstützung“ und hat ein sehr breites Aufgabenspektrum. Ab 2008 war Klamminger zudem stellvertretender Medi- zinischer Geschäftsführer, seit 1. Jänner 2018 ist er Me- dizinischer Geschäftsführer. Klamminger wohnt in Senf- tenberg, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder, zwei von ihnen studieren Medizin. Die Ehefrau von Klamminger ist Schulärztin in Krems und Arbeitsmedizi- nerin. Der 57-Jährige reist gern und hält seine Eindrücke in selbst gemachten Foto-büchern fest.

Informationen: www.lknoe.at, www.noe-studiert-medi- zin.at

Die NÖ Landeskliniken-Holding bemüht sich schon heute um den Ärzte- Nachwuchs von morgen. Etwa mit Infoveranstaltungen wie im Landesklini- kum Korneuburg: Ass. Dr. Liza Szucsich (links) mit den interessierten Ma- turantinnen und Maturanten.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2018