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SICHER WOHNEN

Leben ohne

Stolperfallen

Sicher zu Hause alt werden können – dafür lässt sich viel tun.

Hier finden Sie Tipps und Checklisten vom Profi.

Was sich die meisten Menschen für die späten Lebensjahre wünschen, ist zu Hause in den eigenen vier Wänden bleiben zu können – möglichst lang. Damit das gelingt, kann man viel tun. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Petra Köfinger, MSc, ist im NÖ Hilfswerk für die Stabstelle Pflege- entwicklung zuständig und kennt das Thema aus der Praxis: „Das ist ein sehr individuelles Thema. Ein 90-Jähriger, der immer aktiv war, kann fitter sein als ein 70-Jähriger, der einen sitzenden Beruf hatte.“ Im Schnitt 70 Jahre sind Menschen, die eine Wohnraum-Beratung des NÖ Hilfswerks in Anspruch neh- men, meist im Rahmen des Erstgesprächs für eine Betreuung durch den Mobilen Dienst.

Mit zunehmendem Lebensalter steigt auch das Sturzrisiko: der Gleichgewichtssinn lässt nach, Muskel- kraft und Reaktionsfähigkeit nehmen ab, das Hör- und Sehvermögen wird schlechter. Auch Erkrankun- gen, Medikamente oder die Angst nach bereits erfolgten Stürzen erhöhen das Sturzrisiko. Verletzungen wie Knochenbrüche heilen langsamer als in jungen Jahren. In einer nicht seniorengerecht ausgestatte- ten Wohnung besteht erhebliche Sturzgefahr. Deshalb ist es wichtig Vorsorge zu treffen, um das Risiko soweit wie möglich zu minimieren.


Oft nur Kleinigkeiten nötig

Was der einzelne Mensch kon- kret braucht, um sicher zu Hau- se leben zu können, ist sehr un- terschiedlich, weiß Köfinger: „Manchmal reicht ein Haltegriff bei der Toilette oder im Bad. Oder eine hellere Glühbirne. Oder man nimmt einen Teppich weg, der zur Stolperfalle werden könnte. Manchmal ist es auch mit festeren Schuhen im Haus getan statt der rutschigen Schlapfen. Ganz wesentlich da- bei: Der Betroffene muss das auch wollen. Da können wir nur informieren und motivieren.“

Petra Köfinger hat einen guten Rat an alle, die möglichst lange sicher zu Hause leben wollen: „Die wichtigste Vorsorge ist Tun, also in Bewegung bleiben, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit trainieren, aktiv sein – das ist auch die beste Vorsorge vor Stürzen.“ Und sie rät, möglichst früh anzupassen, was man zur Sicherheit ändern möchte, nicht erst, wenn es unumgänglich ist: „Vorausschauend zu sein ist der beste Weg. Wenn man psychisch und körperlich schon beeinträchtigt ist, dann ist ein Umgewöhnen oder gar ein Umbau wesentlich belastender.“

Und wer gerade neu baut, könnte von Anfang an mitdenken, wozu öffentliche Bauträger verpflichtet sind: So zu bauen, dass man auch im Rollstuhl in dieser Wohnung oder diesem Haus leben kann. Man weiß ja nie, was das Leben bringt. Wenn man diese Hilfen nie braucht – umso besser. 

Petra Köfinger, MSc,

diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin im NÖ Hilf- swerk

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 08/2017