SCHMERZ

FotoS: moorheilbad harbach

Kampf den Rückenschmerzen


-Prävention: Rücken fit! Dehnen, Rücken- und Krafttraining, Ausdauer-Bewegung


-Prävention & Behandlung: „Gesundheitsvorsorge Aktiv“, das Drei-Wochen-Programm der PVA


-Hilfe bei chronischen Schmerzen: Multimodale Schmerztherapie in Form eines Ge- sundheitsaufenthalts

Wenn der Rücken schmerzt

Chronische Rückenschmerzen sind ein Volksleiden. Lassen Sie es nicht soweit kommen, beugen Sie vor! Und wenn der Rücken tatsächlich schmerzt, sollten Sie alles unternehmen, damit es nicht chronisch wird- .

Dr. Johannes Püspök,

Ärztlicher Leiter

Moorheilbad Harbac- h

„Ich habe nun doch schon einige Jahre Erfahrung mit Patientinnen und Patienten, die sehr schmerzbelaste- t sind“, sagt Dr. Johannes Püspök, Ärztlicher Leiter des Gesundheits- und Rehabilitationszentrums Moorheilba- d Harbach. „Der größte Teil dieser Menschen leidet an chronischen Rückenschmerzen. Wer weiß, wie schwe- r das Leben damit ist, wird alles tun, damit es nie soweit kommt.“ Unspezifische Rückenschmerzen – also ohn- e Wirbelkörper-, Nerven- oder Bandscheibenschäden – sind schwer zu behandeln, wenn sie zum Dauerschmer- z

werden. Dann sind sie nämlich ein eigenes Krankheitsbild, eine Schmerzkrankheit- .


Vorbeugen durch Bewegung

Zentrales Anliegen jedes Menschen sollte sein, dem vorzubeugen, rät der Schmerzmediziner Püspök :

nWichtig ist Bewegung: Gezielte Wirbelsäulen-Gymnastik, Dehnen, Muskelaufbau und eine gute Ausdauer-Be- wegung wie Nordic Walken oder flotte Spaziergänge sind die Basis für einen gesunden Rücken. Püspök: „En- tscheidend ist, regelmäßig etwas zu tun und Bewegung in den Tagesablauf zu integrieren, und zwar nachhaltig, also möglichst regelmäßig und am besten jeden Tag!

nWer merkt, dass er immer wieder Schmerzen im Rücken hat und dass die eigenen Bewegungs-Gewohnheite- n einfach nicht ausreichen oder wer sich selbst als sehr unmotiviert erlebt, Bewegung zu machen, sollte die Mö- glichkeit einer Lebensstil-Modifikation nutzen, wie sie die neue Form der Kur, die „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ bietet: Hier lernt man in einem dreiwöchigen Aufenthalt in einem Kurzentrum wie etwa dem Moorheilbad Har- bach den Start in einen gesünderen Lebensstil – durch Beratung, Bewegungsprogramme und Einüben gesu- nder Gewohnheiten für zu Hause. Man gewinnt Motivation für das eigene Training und erlebt Bewegung als ei- nen wichtigen Alltags-Baustein für die eigene Gesundheit. Püspök: „Wichtig ist, herauszufinden, was einem Spaß macht. Deshalb lassen wir die Menschen verschiedene Bewegungsmöglichkeiten ausprobieren. Denn wenn man etwas gern macht, macht man es viel leichter und auch regelmäßig – das ist entscheidend- .“


Schmerzen als Krankheitsbild

Wer bereits chronische Rückenschmerzen hat, muss den Mut nicht sinken lassen. Püspök weiß, wie sehr sie sich auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken – ob es nun unspezifische Schmerzen sind oder ob es nachweisbare Schäden wie vorgewölbte Bandscheiben gibt oder Bandscheiben-Vorfälle oder Blockaden in den Facettengelenken der Wirbelsäule. Das passende Programm ist die multimodale Schmerztherapie. Sie beinhal- tet medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungen, wie Physiotherapie, Ergotherapie, psychologische Gespräche sowie diverse Behandlungen. „Wir versuchen natürlich bei akuten Rückenschmerzen alles, damit sie nicht chronisch werden. Aber auch einen schon chronischen, oft neuropathischen Schmerz (Nerven- schmerz) können wir meistens zumindest lindern.“ Eine wichtige Rolle spielen dabei die richtigen Medikame- nte. „Ohne die geht es leider nicht“, weiß Püspök. Aber auch mit den erlernten Techniken der Schmerzbewält- igung und -verarbeitung gewinnen Betroffene wieder mehr Freude am Leben. Der medizinische Leiter des Moorheilbades Harbach hat im Team mehrere speziell ausgebildete Schmerz-Ärzte und sogenannte Pain-Nur- ses, Pflegekräfte mit spezieller Ausbildung. Sie alle kümmern sich mit ihrem umfassenden Fach- und Erfah- rungswissen um die Schmerzpatienten. Wichtig ist Püspök zu betonen, dass chronische Schmerzen nicht ein- fach eine Begleiterscheinung einer Störung des Bewegungs- und Stützapparates sind, sondern ein eigenes Krankheitsbild, „das in verschiedene Lebensbereiche eingreift und als eigenes Krankheitsbild erfasst und b- ehandelt werden muss“.


Schmerzgedächtnis verhindern

Warum ist es so wichtig, Schmerzen nicht einfach auszuhalten? „Sie haben sicher schon vom Schmerzge- dächtnis gehört. Das passiert eben, wenn man Schmerzen nicht rechtzeitig behandelt, und da sprechen wir von drei bis sechs Monaten.“ Wer Schmerzen hat, bewegt sich weniger – und das schadet. Man wird weniger m- obil, zieht sich zurück, hat weniger Sozialkontakte, neigt dazu, depressiv zu werden. „Schmerzen erzeugen eine ganze Kaskade von Effekten, die sich auf das gesamte Lebensumfeld auswirken, auch auf Familie und Freun- deskreis. Unser großes Ziel ist es daher, diesen Prozess zu durchbrechen, und wir sehen hier auch, dass uns das immer wieder gelingt. Es ist unrealistisch, diese Menschen schmerzfrei zu bekommen, so sehr wir es ihnen wünschen. Aber was wir können, ist die Schmerzen zu reduzieren und ihnen zu zeigen, wie sie besser damit umgehen können, sodass sie nicht mehr so dominant und zerstörerisch sind. Und sie wieder mehr Freude am Leben haben. Das ist eine Menge. Und das ist immer möglich- .


“Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2018