FEST DER SINNE

Foto: Philipp Monihart


Für den Pois formt man aus Papier eine feste Kugel, über die ein Stück Stoff gebunden wird.

Ein Raum voller Ideen

Aus Zeitungspapier werden Hockeyschläger, Wäschekluppen

verwandeln sich in einen Igel und Bierdeckel fliegen durch die Luft: Viele Materialien eignen sich hervorragend zum Spielen.

Die kunterbunte Rassel und die leuchtende Schildkröte, die allerlei Melodien summt, sind für ein Kleinkind nur so lange interessant, bis es krabbelnd die Küche erkundet: Laden voller Töpfe und Plas- tikbehälter locken es, sie auszuräumen und zu erkunden. Der klei- ne Entdecker zerreißt hingebungsvoll Papier und verkostet es, und verschwundene Wäschekluppen tauchen im Kinderspielzeug wie- der auf.  Da Alltagsmaterialien keinen bestimmten Spiel- und Be- wegungszweck zugeordnet werden, regen sie zum Experimentie- ren an.


Mit Pois werfen

Konzentriert sitzen Soraya und ihre Schulkameraden an einem Tisch beim Fest der Sinne der Initiative »Tut gut!« in St. Pölten und schneiden Quadrate aus buntem Stoff aus. Eva Mitterhauser von der Initiative »Tut gut!« erklärt den Kindern, wie man die sogenann- ten Pois bastelt – kleine Bälle, die an Schnüren befestigt durch die Luft geschleudert werden. Die Kinder formen aus Zeitungspapier eine kleine Kugel und kleben einen Streifen Krepppapier daran, ehe sie den Stoff rundherum wickeln. Dann schnüren sie das Gan- ze fest zusammen und schon sind die Pois fertig.

Das Herumwirbeln der bunten Bälle in der Luft fördert vor allem die Aufmerksamkeit, Koordination und das Rhythmusgefühl. Jüngere Kinder üben zunächst mit einem Ball und werfen ihn vor und zu- rück. Ältere Kinder nehmen zwei Bälle und versuchen, diese in der Luft zu kreuzen und gegengleich zu drehen. Diese anspruchsvolle Übung erfordert die vollste Konzentration der Kinder.


Zeitungspapier & Co

Ein einzelnes Zeitungsblatt erfordert dosierte Bewegung. Faltet oder rollt man das Papier, verwandelt es sich in ein stabiles Materi- al und es ergeben sich neue Spiel- und Handlungsmöglichkeiten. Daraus lassen sich hervorragend Türme bauen, etwa wenn die ein- zelnen Rollen mit Klebeband aneinander geklebt werden. Selbst Hockeyschläger lassen sich daraus basteln.  Knifflig wird es, wenn jedes Kind ein StückZeitungspapier erhält und daraus eine mög- lichst lange zusammenhängende Schlange reißen soll. Feinmotorik und Ausdauer sind hier gefragt. Auch für einen Dreibeinlauf zu zweit eignet sich Zeitungspapier hervorragend: In ein großes Zei- tungspapier zwei Löcher reißen. Zwei Kinder spielen immer ge- meinsam und stecken jeweils einen Fuß in ein Loch. Nun gemein- sam eine bestimmte Strecke gehen, ohne das Blatt zu zerreißen. Kooperation und Kommunikation sind gefragt. Alltagsmaterialien eignen sich auch für Spiele, die Körper- und Sinneswahrnehmung fördern: Kluppenigel, Bierdeckel-Memory und Massage-Salon Mit Wäschekluppen können sich Kinder in einen Igel verwandeln: Ein Kind legt sich gemütlich mit dem Bauch auf eine Matte. Ein ande- res Kind klemmt ihm Kluppen ans T-Shirt und lässt seinen Partner spüren, wie viele es sind. Setzt sich das Kind dann noch auf, sieht es aus wie ein Igel – Spaß ist garantiert.

Mit den Wäschekluppen kann man auch bauen: Ein Kind steckt zwei Kluppen zusammen und gibt sie im Kreis weiter. Spannend ist, welch ein Gebilde dabei herauskommt und wie lange es stand- hält. Alltagsmaterialien wie Kluppen, Zeitungen, Schwämme oder Bierdeckel bieten den Kindern ein großes Lern- und Erfahrungsfeld – im Vordergrund steht das wortwörtliche Begreifen des Materials. Die Kinder lernen die verschiedenen Dinge kennen und erforschen ihre Eigenschaften. Und sie regen zum Experimentieren, Bauen und Gestalten an. Kinder gewinnen ein Gefühl von Selbstständig- keit, wenn sie auf eigene Faust Dinge ausprobieren und neue Ide- en entwickeln dürfen.


Für Drinnen & Draußen

Bierdeckel eignen sich dafür hervorragend, zum Beispiel zum Boc- cia-Spielen: Zu diesem Zweck klebt man einige Bierdeckel zu ei- nem stabilen Gebilde zusammen und stellt es in einiger Entfernung auf. Jedes Kind erhält drei bis fünf Bierdeckel, die es versucht, möglichst nahe an das Gebilde zu werfen. Wer dem am nächsten kommt, ist der glückliche Gewinner.

Auch Memory lässt sich mit Bierdeckeln spielen – wenn auch et- was ungewöhnlich: Ein Kind legt sich auf den Bauch und bekommt diese nacheinander auf die unterschiedlichsten Körperteile gelegt. Sind alle Deckel verteilt, versucht das Kind, die Reihenfolge des Auflegens zu erraten. Einige Kinder entdecken das Schild „Will- kommen im Massage-Salon“: Die Kinder streichen mit Schwäm- men und Malerrollen dem Kind, das auf der Matte liegt, über den Rücken und massieren es.

Zwischen den wirbelnden Pois, den massierenden Kindern und den Wäschekluppen-Igeln spielen einige Kinder etwas, das wie Federball aussieht. Tatsächlich ähnelt es dem beliebten Ballspiel, lässt sich aber gänzlich aus alltäglichen Gegenständen herstellen. Dazu biegt man einen Kleiderbügel aus Draht zu ei- ner Drachenform und überzieht ihn mit einer alten Strumpfhose. Die Strumpfhose wird an beiden Seiten fest verknotet, den Haken des Kleiderbügels biegt man mit einer Zange zu einem Griff und umwickelt ihn anschließend mit Isolierband. Für den Ball knüllt man ebenfalls Strumpfhosenreste zusammen. Voilà – ein Ballspiel für Drinnen und Draußen ist entstanden!


Selber machen!

Gerade so einfache Materialien, wie Papier, Plastikdeckel, Schwämme regen zum Ausprobieren und Ge- stalten an, lassen sich immer wieder neu bearbeiten, umfunktionieren und den eigenen Spielbedürfnissen anpassen. „In unserer komplexen Welt ist es wichtig, zum selbstständigen Ausprobieren, Bearbeiten und Gestalten angeregt zu werden“, erklärt Eva Mitterhauser. Außerdem spart man durch diese Materialien Geld. Und das Wichtigste: Spielen mit Materialen, die eigentlich keine Spielsachen sind, bietet den Kin- dern jede Menge Raum und Zeit, um sich kreativ auszutoben und zu entfalten.


Daniela Rittmannsberger

Kinder haben Spaß daran, aus Alltagsgegenständen Spielsachen zu machen – wie zum Beispiel mit den Kluppen, die sich für viele Spiele eignen.


Tipps von Fito Fit


Die »tut gut«-Kinderbroschüre »Fito Fits Gesund- heitstipps für Kinder« bietet spannende Informatio- nen und Tipps für Eltern und Kinder. Die neue »tut gut«-Kinderpyramide liefert Empfehlungen aus den Bereichen Bewegung, Ernährung und Mentale Ge- sundheit auf einen Blick. Dazu gibt es das Gewinn- spiel »Fito Fits Gesundheits-Quiz für Kinder«.

Einsendeschluss: 30. November 2017

Informationen & Download:

www.noetutgut.at/fito-fit

Mag. Eva Mit- terhauser, »Be- wegte Klasse«-

Betreuerin, Kleinkind-,

Sonder-, Heil- und

Motopädagogin

Fest der Sinne


Die Initiative »Tut gut!« hat am Weltkindertag rund 1.100 Schülerinnen und Schüler zum Fest der Sinne ins Sportzen- trum NÖ in St. Pölten geladen. Jene Volksschulen und Neuen Mittelschulen nahmen teil, die im Programm »Bewegte Klasse« dabei sind. Mehr als 40 Aktiv-Stationen warteten auf die Kinder: Von Zorbing-Ball über Zirkuskünste bis hin zu einem großen Spinnennetz war für jeden etwas dabei.

Informationen: www.noetutgut.at

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 10/2017