BERUFSBILD

Physiotherapie tut

jedem gut

Unsere Muskulatur ist nicht nur für die Bewegung da. Trainieren wir sie nicht regelmäßig, fällt uns auch das Sitzen schwer. Wir bekommen Rückenschmerzen und Haltungsschäden. Physiotherapie hilft Menschen dabei, wieder bewegter durchs Leben zu gehen.

FOTOS: Philipp Monihart

„Hintern zurück“, gibt Anna Pfoser ihrem Patienten Max Anweisungen. Er balanciert auf einem roten Ball; die Arme nach vorne gestreckt. Seine Beine zittern. „Das ist eine Übung für Fortgeschrittene“, gibt Pfoser zu und lacht. Die 30-Jährige ist seit 2014 Physiotherapeutin in Krems und seit kurzem in St. Pölten mit einer eigenen Praxis selbstständig. „Nach der Matura war mir so- fort klar, dass ich beruflich etwas mit Sport machen will“, erzählt die Therapeutin. An der Uni Wien studierte sie Sportwissen- schaft und schloss mit dem Bachelor ab. „Dann habe ich gemerkt, dass mir der Gesundheitsbereich einfach viel mehr Möglich- keiten bietet“, sagt sie. Ein dreijähriges Physiotherapie-Studium am IMC Krems folgte. Ein großer Teil des Studiums bestand aus einem Berufspraktikum, im Zuge dessen die angehende Therapeutin alle Fachbereiche ihres künftigen Berufs kennenlern- te.


Einfühlungsvermögen

Für den Job müsse man gut mit Menschen umgehen können und brauche Einfühlungsvermögen, erzählt die Therapeutin. Plan- und zielorientierte Arbeit sei zudem wichtig, um die Patienten zu motivieren. „Außerdem braucht man eine ganzheitliche Sicht auf Probleme, um aus jeder Situation das Beste herausholen zu können“, meint Pfoser. Auch Kraft und die nötige Aus-

dauer sind nicht zu unterschätzen, denn die Übungen mit den Patienten sind auch für die Physiothera- peutin anstrengend. Die Arbeitsliege stellt sie so ein, dass sie auch nach einem neunstündigen Arbeits- tag keine Rückenschmerzen bekommt. Dazu kommen Ausgleichsübungen, die ihre Rückenmuskulatur kräftigen und die Brustwirbelsäule mobilisieren. Eine Behandlung dauert je nach Verordnung zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde. Grundsätzlich werden zehn Termine verordnet und von der Krankenkassa bewilligt. Pfoser bewegt sich den ganzen Tag mit ihren Patienten mit. „In der Physiothe- rapie unterscheiden wir grob zwischen aktiven und passiven Maßnahmen.“ Aktive Übungen, bei denen der Patient unter der Assistenz der Therapeutin beispielsweise Kniebeugen macht. Passive Übungen, bei denen Pfoser auf der Liege etwa die Beinmuskulatur ihrer Kunden dehnt. „Die Behandlung besteht dann aus einem Mix von aktiven und passiven Übungen“, erklärt die Spezialistin.


Rückenschmerzen

Das häufigste Leiden ihrer Kunden sind Rückenschmerzen. Aber auch Gelenksprobleme, die durch Verletzungen, Arthrose oder durch künstliche Implantate entstehen. „Wenn ein neuer Patient mit Schmerzen zu mir kommt, erstelle ich in der ersten Einheit einen Befund und schaue mir an, wo die Probleme am Bewegungsapparat liegen. Dann setzen wir gemeinsam das Therapieziel fest“, sagt sie. Das Ziel ist fast immer, die Muskulatur zu stärken, damit die Bewegung leichter fällt. Ihr Patient Max liegt nun auf einer blauen Matte am Boden. Die Beine sind angewinkelt. Anna Pfoser streckt ihre Hand über seinem Kopf aus. „Streck deine Arme nach oben und versuch einmal, meine Hand zu berühren“, bittet sie ihn. Max hebt seine Schulterblätter nach oben. Er ist ein Sportler und schafft die Bauchmuskel- Übungen eine gute halbe Minute lang. Ob es Menschen gibt, die keine Physiotherapie benötigen? Pfo- ser muss lachen: „Nein, wahrscheinlich nicht. Vor allem, wenn man an die Prävention denkt. Es ist ja sinnvoll, seine Muskeln zu trainieren, damit erst gar keine Schmerzen entstehen.“ Behandlungen bei Schmerzen darf Pfoser nur durchführen, wenn ein Arzt sie verschrieben hat. Massagen oder Lymph- drainagen kann sie auf Patientenwunsch anbieten. Aber nicht nur Schmerzen werden behandelt. Einige Physiotherapeuten bieten zum Beispiel auch Atemtherapie für Patienten mit chronischen Lungenerkran- kungen wie COPD an.


Modeerscheinungen

In ihrem Feld gibt es immer wieder neue Modeerscheinungen. „Alle paar Jahre kommt so ein Hype, wie vor wenigen Jahren noch die Kinesio-Tapes“, erzählt Pfoser, „momentan ist es die Behandlung der Fas- zien, also einem Teil unseres Bindegewebes, mittels Faszienrollen. Das sind zwar gute Behandlungs- methoden, aber da sie gerade in Mode sind, wendet sie auch jeder an. Egal ob er weiß, was er tut oder nicht.“ Physiotherapeuten müssten sich ständig weiterbilden, um solche neuen Behandlungsmethoden kennen zu lernen. Shiatsu, Yoga, Pilates und Energetik werden von vielen Therapeuten als Zusatzbe- handlungen angeboten, aber von der Krankenkassa nicht bezahlt. „Der Vorteil der Zusatzausbildungen ist, dass man aus der Fülle der Übungen, die man lernt, die besten in seine Arbeit integrieren kann. Denn jeder Patient ist anders.“ Es gebe auch Patienten, die vom Arzt geschickt werden, ohne die Be- handlung wirklich zu wollen. „Die zeigen dann oft wenig Bereitschaft, mitzumachen“, verrät die 30-Jähri- ge. Pfoser zeigt den Patienten dann, welches Ziel sie mit ihnen verfolgen möchte und versucht, sie zu den Übungen zu motivieren. Kommunikation und Empathie seien wichtig. Patienten sollten bei der Wahl ihres Physiotherapeuten unter anderem besonders darauf achten, dass er sich für seine Patienten Zeit nimmt. Und man sollte immer von derselben Person behandelt werden: „Der Therapeut kennt einen dann schon und weiß, wie er mit einem umgehen soll.“


Mobilisation

Ihre Schwerpunkte legt Pfoser auf orthopädische oder Traumapatienten. Trauma bedeutet in diesem Fall, dass sich die Menschen verletzt haben. Sie kommen etwa nach einem Kreuzbandriss in die Be- handlung. Pfoser bietet von der Akutphysiotherapie nach einem Unfall bis zur Nachbehandlung alles an. Für alle Altersstufen. Denn auch Kinder brauchen oft eine Behandlung. Dabei kann es sich um Hal- tungsschäden, eine Wirbelsäulenverkrümmung, ein falsches Gangbild oder ganz einfach Inaktivität han- deln. Die Kinder haben manchmal kaum Motivation, sich zu bewegen. Oft entstehen dadurch Koordina- tionsprobleme, „viele Kinder können nicht auf einem Bein stehen. Mein Ziel ist dann, ihre Körperhaltung spielerisch zu verbessern“, sagt Pfoser. Beim ersten Mal fürchten sie sich meist noch vor der Behand- lung. Doch selbst die Kleinen merken bald, dass vor einer Physiotherapie niemand Angst haben muss und sie sogar Spaß machen kann.


Markus Feigl

Anna Pfoser, Bakk, BSc

Karlstettner Straße 24

3100 St. Pölten

0676/9575309

www.physio-pfoser.at

Anna Pfoser, Bakk, BSc, ist seit 2014 Physiotherapeutin und betreibt eine eigene Praxis in St. Pölten.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 03/2018