DEMENZ

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Beste Beratung hilft

Je früher, desto besser: Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bekommen beim Demenz- Service NÖ Informationen, Hilfe und einen Wegweiser, wie es weitergeht. Und in der Region NÖ Mitte als Pilotregion auch kostenlose Einzelberatung.

„Puh, heute fällt mir kein Name ein, schon das dritte Mal. Ist das ein schlechtes Zeichen?“ Viele Menschen machen sich Gedan- ken, wenn sie merken, dass sie vergesslicher sind als früher. Das kann viele Ursachen haben. Eine davon könnte Demenz sein.

Ob das zutrifft, kann man testen lassen. Derzeit gibt es in Niederösterreich 22.000 Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Laut Statistiken wird im Jahr 2050 rund ein Drittel der niederösterreichischen Bevölkerung über 65 Jahre alt sein – und die Wahrschein- lichkeit, an Demenz zu erkranken, nimmt ab da stark zu.


Anlaufstellen

Eine frühe Diagnose und Behandlung kann das Fortschreiten der Krankheit verzögern. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig behandelt zu werden. Am besten fragt man den Hausarzt, die Hausärztin. Und es gibt fundierte Informationen zum Thema: Das Demenz-Ser- vice NÖ des Landes Niederösterreich bietet eine Homepage, eine Hotline und eine Broschüre (siehe Infokasten links) sowie zahlrei- che Veranstaltungen

Die Diagnose Demenz stellt jeden Betroffenen und seine Familie vor große Herausforderungen. Deshalb haben die mobilen Dienste bereits zahlreiche Demenz-Beraterinnen und -Berater ausgebildet, die weiterhelfen können. In der Region NÖ Mitte läuft ein Pilotpro- jekt, das auf das ganze Land ausgerollt werden soll, wenn es sich bewährt: In den Bezirken Krems, Lilienfeld, St. Pölten und Tulln gibt es kostenlose persönliche Einzelberatungen zu Hause oder bei Info-Points in einigen Service-Centern der NÖGKK. Demenz-Ex- pertinnen und -Experten mit einschlägiger Ausbildung und langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Menschen mit Demenz übernehmen die kostenlose Beratung.


Angst & Scham

Eine dieser Expertinnen ist Gabriele Nemeth, die in der mobilen Krankenpflege im Bezirk Melk arbeitet. Sie be- richtet, dass das Thema Demenz nach wie vor ein Tabu und mit Angst und Scham verbunden ist: „Oft erkennen oder bemerken die Angehörigen, dass etwas nicht passt, und melden sich auch, weil sie die Betreuung allein nicht mehr schaffen.“ Meist gebe es da noch keine Diagnose, berichtet Nemeth aus der Praxis. „Und oft haben es die Angehörigen schwer, vom Hausarzt ernst genommen zu werden, weil die Betroffenen tolle Strategien entwickeln, damit niemand merkt, dass sie dement sind.“ Wichtig ist es Gabriele Nemeth, den Angehörigen klarzumachen, dass die Betroffenen große Angst haben und ihnen „nichts zu Fleiß machen“.


Lange Zeitspanne

In den gut besuchten Vorträgen, die Nemeth und zahlrei- che erfahrene Expertinnen und Experten halten (siehe In- fokasten Termine) sei es ihr ein Anliegen, klar zu sagen, dass es sich bei Demenz um eine langfristige Krankheit handelt: „Die gemeinsame Zeit mit einem Demenzkran- ken kann 20 Jahre dauern. Es ist entscheidend, sich gut vorzubereiten und die nötige Hilfe zu holen, damit man diese Zeit gemeinsam gut leben kann.“ Wichtig sei, aus den Unterstützungen die passenden Rahmenbedingun- gen zu schaffen. Und Nachbarn, Freunde und Enkelkin- der zu informieren und einzubeziehen. Man brauche ein richtiges Netzwerk. Nemeth macht Mut: „Es ist eine her- ausfordernde Krankheit. Aber es gibt Angebote und Hilfe – von der stundenweisen Betreuung daheim über Zu- schüsse für eine kurzzeitige Betreuung in Pflegeheimen bis hin zum Urlaubs-Zuschuss für pflegende Angehöri- ge.“


Beraten lassen

Bei der kostenlosen Beratung macht sich ein Demenz- Experte ein Bild über die aktuelle Situation des Betroffe- nen sowie über dessen soziales Umfeld, hilft bei individu- ellen Problemen, gibt Tipps für Aktivierungsübungen für Betroffene oder übt mit den Angehörigen Verhaltenswei- sen und Fertigkeiten im Umgang mit demenzerkrankten Menschen.

Bei Bedarf geben die Experten weiterführende Informa- tionen zu Themen wie Pflege, finanzielle Unterstützung, rechtliche Grundlagen, Entlastungsangebote für Angehö- rige bis hin zu Gesundheitsvorsorge. Denn Betroffene sollen lange selbstständig und aktiv bleiben und Angehö- rige unterstützt werden, damit sie den Umgang mit de- menzkranken Menschen erlernen und besser mit belas- tenden Situationen umgehen können.


„Viel profitiert“

Derartige Hilfe hat Anita Malota in Anspruch genommen: Gabriele Nemeth hat sie und ihren erkrankten Mann be- sucht. Was hat das gebracht? „Es war ein hilfreiches Be- ratungsgespräch und sie hat ihm gesagt, dass er zum Arzt gehen und die Austestung machen sollte“, sagt Ani- ta Malota. Es sei nämlich im Alltag nicht leicht. Gabriele Nemeth habe ihr auch zugesichert, dass sie jederzeit an- rufen könne. Etwas, das Anita Malota sicher  brauchen wird. „Mein Mann wird leicht aggressiv, und ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll.“ Es ist wichtig, dass sie sich jede Hilfe holt, um den Alltag mit ihrem Mann gut bewältigen zu können.


Riki Ritter-Börner

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 06/2018