10 JAHRE ZEITREISE

Haus C des Universitätsklinikums St. Pölten mit dem neuen Eingangs-bereich und einem neu- en Unfall- und Notfallzentrum geht Anfang 2018 in Betrieb. Es ist eines der größten Bauprojek- te des Landes NÖ.

Bestens

versorgt

Seit genau zehn Jahren gehören alle NÖ Kliniken zur NÖ Landes-kliniken-Holding und werden gemeinsam geführt. Zeit, zurück- zuschauen und Bilanz zu ziehen: Was bringt das für die Patientinnen und Patienten?

Martin S. aus einem kleinen Ort nahe Waidhofen/Thaya kommt mit Verdacht auf Prosta- takrebs ins Universitätsklinikum Krems. Dort wird er genau untersucht und mit seiner Erkrankung im Tumorboard vorgestellt, in einer gemeinsamen Besprechung von Ärz- ten, die Menschen mit Krebs behandeln: Im Fall von Martin S. präsentiert der zuständi- ge Urologe die Befunde, ein Pathologe, der die Untersuchungsergebnisse genau inter- pretiert, erläutert die Art der Krebszellen. Eine auf Krebserkrankungen spezialisierte Ärztin für Innere Medizin, ein Chirurg und eine Radioonkologin überlegen nun gemein- sam mit den anderen Spezialisten, wie die Therapie am besten ablaufen soll. Braucht Martin S. eine Chemotherapie? Wird der Tumor zuerst operiert? Oder ist es am sinn- vollsten, mit einer Strahlentherapie zu beginnen?

Nach der Beratung der Experten werden alle Daten und die Beschlüsse der Ärztinnen und Ärzte ins Onkologie-Informations-System (OIS) eingetragen und sind damit für den behandelnden Arzt im jeweiligen Klinikum abrufbar und ergänzbar.

Der Urologe bespricht nun mit Martin S., was die Fachleute gemeinsam als den besten Weg vorgeschlagen haben und ob das für ihn so in Ordnung ist. Nun bekommt der Pa- tient seine Behandlungen. Die Chemotherapie erhält er im nahen Landesklinikum Waid- hofen/Thaya. Die Strahlentherapie übernehmen die Radioonkologen in Krems.

Die Ärzte haben durch das OIS alle Daten auf dem Bldschirm und wissen genau, in welchem Klinikum der nächste Be- handlungsschritt erfolgt, was die anderen Ärztinnen und Ärzte bereits getan haben und wie sich die Genesung entwi- ckelt.

Gemeinsam behandeln die Kliniken diesen Mann nach dem Stand des Wissens und in jenem Haus, wo die jeweiligen Experten sind. So schaffen sie es Tag für Tag, die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher bestmöglich zu ver- sorgen. Mit rund 165.000 operativen Leistungen und 1,97 Millionen Belagstagen pro Jahr ist die NÖ Landeskliniken- Holding der größte Klinikbetreiber Österreichs. Jährlich zählen die Kliniken rund 355.000 stationäre Aufenthalte. In der aktuellen Verteilung der 27 Klinik-Standorte erreichen 99 Prozent der Bevölkerung die Akutversorgung in einem Landes- oder Universitätsklinikum innerhalb von 45 Minuten. Wohnortnahe Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau, rund um die Uhr.

Anfang der 2000er Jahre war das Land Niederösterreich Rechtsträger einer Handvoll Krankenhäuser: Mödling, Mauer, Hochegg und Tulln. 2003 kam Baden dazu und es wurde absehbar, dass auch andere Gemeinden nicht mehr ausrei- chend für ihre öffentlichen Krankenhäuser sorgen können. So entstand 2005 die NÖ Landeskliniken-Holding mit an- fangs 15 Kliniken, sieben weitere kamen 2006 dazu, zwei im Jahr 2007, und mit Anfang 2008 war die NÖ Landesklini- ken-Holding mit den drei letzten Häusern – Klosterneuburg, Neunkirchen und Wiener Neustadt  – komplett. 27 Standor- te, fünf Versorgungsregionen. 20.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einer der größten Gesundheitsdienstleister Euro- pas war entstanden.

Von Beginn an stand ein Thema im Zentrum: der Um- und Ausbau der NÖ Kliniken. Im Ausbau-Programm seit 2005 in- vestiert das Land Niederösterreich über zwei Milliarden Euro in die zahlreichen Bauvorhaben (siehe Grafiken Seite 08 und 10). Gerade wurde beispielsweise der Umbau in Hollabrunn im Landtag bewilligt. Im Uniklinikum St. Pölten steht ein großer Bauabschnitt vor dem Fertigwerden. Und auch der Neubau des Klinikums Wiener Neustadt wird derzeit mi- nutiös geplant und vorbereitet.


Vorteile für die Patienten

Doch auch sonst bringt die gemeinsame Führung aller 27 Standorte viele Vorteile für die Patientinnen und Patienten – vom gemeinsamen Einkauf bis zu einheitlichen Standards in vielen Bereichen wie dem Riskmanagement, der Ausstat- tung mit EDV-Programmen, dem Speisenangebot aus regionalen und saisonalen Lebensmitteln oder den Informationen für die Patienten. So haben heute alle NÖ Kliniken Ombudsleute, die bei Problemen vor Ort helfen.

Entlassungsmanager organisieren alles Nötige, wenn Patienten nach dem Klinik-Aufenthalt Unterstützung brauchen. Auch in Sachen Ausbildung arbeiten die Kliniken eng zusammen. Oder in Fragen der Neuausrichtung der Pflege.


Bestwerte für Kliniken

Ein wesentliches Werkzeug für die NÖ Kliniken ist die regelmäßige Befragung der Patientinnen und Patienten. Auch bei der jüngsten Befragung konnten sich die Kliniken über das Ergebnis freuen: Durchschnittlich 92 von 100 möglichen Punkten sprechen für die hohe Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten. Und auch Patientenanwalt Dr. Gerald Ba- chinger streut Rosen: „Die NÖ Kliniken unter dem Dach der NÖ Landeskliniken-Holding beobachte ich seit der Holding- Gründung. Wir arbeiten regelmäßig zusammen, ich habe großen Respekt vor den bereits geleisteten Schritten.“

Der Kaufmännische Geschäftsführer Dipl. KH-BW Helmut Krenn (l.) und Dr. Markus Klamminger (r.), der seit 1. Jänner 2018 die Medizinische Geschäftsführung über- nommen hat.

Klamminger bringt als bisheriger Stellver- teter des Medizinischen Geschäftsführers viel Erfahrung mit.

Meilenstein Ärzte-Ausbildung


Das Land Niederösterreich stellt den Ärztinnen und Ärz- ten für ihre Weiterbildung eine Million Euro pro Jahr zur Verfügung. In den NÖ Kliniken absolvieren Medizinstu- dierende ihre Famulaturen und das letzte Studienjahr, das Klinisch-Praktische Jahr. Studierende der Karl Land- steiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften werden an den drei Unikliniken St. Pölten, Krems und Tulln intensiv ausgebildet. Weitere Ausbildungsmöglich- keiten in den NÖ Kliniken sind die neunmonatige Basis- ausbildung, die Allgmeinmediziner- sowie die Facharzt- ausbildung. Und schon vor dem Studium werben die NÖ Kliniken in den Maturaklassen der Schulen um den Nach- wuchs, den sie auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten.

Meilenstein gemeinsamer Einkauf


Ein wesentlicher Vorteil der NÖ Landeskliniken-Holding ist die gemeinsame Einkaufsstrategie: Große Mengen ab- zunehmen ermöglicht den Kliniken, von den Anbietern günstigere Preise zu bekommen. So sparen sie viele Mil- lionen Euro. Ob Papierhandtücher, Nudeln, Dienstklei- dung oder Herzschrittmacher: Die jeweiligen Fachgrup- pen entscheiden, wie das Produkt beschaffen sein und was es können soll. Dann schreibt die Holding-Zentrale den Auftrag aus und der Bestbieter erhält den Zuschlag. Auch Software, Computer, Drucker, Medizintechnik und vieles mehr kauft sie so ein, ebenso Wartungsverträge. Nur bei Lebensmitteln kommen vorwiegend regionale und lokale Anbieter zum Zug. Schließlich sind die Klini- ken wichtige lokale Kunden der Bauern und Erzeuger.

Was unsere Kliniken täglich leisten

Meilenstein Qualität


Ein wichtiges Thema für die NÖ Kliniken ist die hohe Qualität der Behandlung. Dafür entwickelten sie

sogenannte Qualitätsindikatoren: ein Mess-System, das mit  Routinedaten arbeitet, also keinen zusätz-lichen Aufwand erzeugt. Anhand eines Ampelsystems beob- achtet die Medizinische Geschäftsführung seither lau- fend, wie sich die Ergebnisqualität der Behandlungen in allen Häusern entwickelt. Dieses System haben die an- deren Bundesländer von Niederösterreich übernommen, es heißt A-IQI. Der zweite Schritt: Bei sogenannten Peer Reviews besuchen einander Primarärzte einzelner Abtei- lungen und schauen sich Fälle an, bei denen die Be- handlung nicht optimale Ergebnisse gebracht hat: Was kann man verbessern? Damit schaffen die NÖ Kliniken größtmögliche Qualität.

Meilenstein OIS


In der Behandlung von Krebs haben die NÖ Kliniken ei- nen wichtigen Schritt geschafft: Im Onkologie-Informati- ons-System (OIS) können Ärztinnen und Ärzte alle Dia- gnosen und Behandlungsschritte für jeden einzelnen Patienten einheitlich, übersichtlich und komplett doku- mentieren. Auch die Entscheidungen im Tumorboard, dem interdisziplinären Beratungsgremium für die opti- male Behandlung, sind im OIS dokumentiert. Durch die Vernetzung der Kliniken sind für den jeweiligen behan- delnden Arzt alle nötigen Informationen jederzeit abruf- bar – von der Diagnose über sämtliche Befunde und Be- handlungsschritte bis zur Nachsorge. Damit ist das OIS gleichzeitig ein wertvolles Werkzeug, um statistische Da- ten über Krebserkrankungen und ihre Behandlung zu sammeln.

Meilenstein Sicherheit


Als die Bankomaten eingeführt wurden, bekam man zu- erst das Geld und dann die Karte. So wurden viele Kar- ten eingezogen, weil der Besitzer sie einfach vergessen hat. Heute gibt es das Geld erst, wenn man die Karte angenommen hat. So funktioniert auch das Riskmanage- ment in den NÖ Kliniken – Fehler erst gar nicht ermögli- chen: Medikamente, die man verwechseln könnte, in völlig unterschiedlichen Gebinden griffbereit haben. Ge- naue und gut verständliche Informationen für die Patien- ten, wie sie nach der Behandlung zu Hause vorgehen und wann sie sich melden sollen. Wichtige Informatio- nen auf jedem Patienten-Armband. Checklisten für alle heiklen und komplexen Abläufe, etwa in der OP-Vorbe- reitung. Und verschiedene Trainingssysteme für Ärztin- nen, Ärzte und Pflegekräfte, damit sie für schwierige Si- tuationen gut trainiert sind.

erschienen in GESUND & LEBEN IN NIEDERÖSTERREICH 12/2017

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